Hoffnungsträger: Jair Bolsonaro mit seiner Frau bei der Stimmabgabe
Konservativ, wirtschaftsliberal, patriotisch: Jair Bolsonaro gewinnt Präsidentschaftswahlen in Brasilien

Jubel in Rio de Janeiro, São Paulo, Belo Horizonte und den meisten anderen Städten Brasiliens; Entsetzen in den deutschen Redaktionsstuben – so die Reaktionen auf die Wahl Jair Bolsonaros zum Präsidenten Brasiliens. Hilfe! Der »gefährlichste Mann Brasiliens« (›Welt‹), ein »Rechtspopulist« (›FAZ‹), »Hassredner (›Spiegel‹), »Antidemokrat« (›Süddeutsche‹), ja gar »Rechtsextremist« (›ARD‹) werde zukünftig das 200-Millionen-Einwohner-Land, die größte Volkswirtschaft Südamerikas und neuntgrößte der Welt, regieren. Angesichts der geradezu hysterischen Reaktionen in Deutschland ist ein nüchterner Blick auf den designierten Präsidenten Brasiliens angebracht.

Jair Bolsonaro (63), ehemaliger Fallschirmjäger-­Offizier und seit 1991 Kongressabgeordneter, gab im Frühjahr 2018 seine Kandidatur zur Präsidentenwahl für die bis dato unbedeutende »Partido Social Liberal« bekannt. In dem von Korruption, Kriminalität und wirtschaftlichen Problemen gekennzeichneten Land, wurde er schnell zum Hoffnungsträger. Nach 15 Jahren sozialistischer Herrschaft hatten die Brasilianer genug von linken Experimenten.

Schon im ersten Wahlgang am 7.Oktober errang Bolsonaro 46 Prozent der Stimmen. Drei Wochen später gewann er die Stichwahl gegen den Kandidaten der Arbeiterpartei, Fernando Hadad, mit mehr als 10 Millionen Stimmen Vorsprung und 55 Prozent aller abgegebenen Stimmen. Im Wahlkampf war Jair Bolsonaro mit markigen Sprüchen aufgefallen und wurde deshalb oft »Trump der Tropen« genannt.

US-Präsident Donald Trump gehörte dann auch zu den ersten, die Bolsonaro anriefen und ihn zur Wahl beglückwünschten. Auch von Italiens Innenminister Matteo Salvini (Lega), der AfD-Fraktionsvorsitzenden Alice Weidel und nicht-linken südamerikanischen Regierungschefs kamen Glückwünsche.

Wo steht Bolsonaro politisch und ist er wirklich so schlimm wie in den deutschen Medien dargestellt? Der designierte Präsident Brasiliens ist gesellschaftspolitisch konservativ und wirtschaftlich liberal. »Frauenfeindlich«? – Bolsonaro ist strikt gegen Abtreibung, was ihm vor allem die Sympathie der Evangelikalen eingebracht hat. »Homophob«? – Bolsonaro tritt für die Ehe von Mann und Frau ein und wendet sich klar gegen die Gender-Ideologie in Schulen. »Law and Order«? – Bolsonaro möchte den populären Antikorruptionskämpfer Sergio Moro als Justizminister in sein Kabinett holen. Außerdem will er das Waffenrecht liberalisieren. Während Kriminelle auf dem Schwarzmarkt leicht zu Waffen kommen (im vergangenen Jahr wurden in Brasilien über 63.000 Menschen getötet), sind viele unbescholtene Bürger wehrlos. Das möchte der neue Präsident ändern. »Mehr noch als das eigene Leben schützen Waffen die Freiheit des Volkes«, sagte Bolsonaro in einem Interview nach der Wahl. »Rechtsextrem«?– Rechtsextreme streben eine Diktatur an, Bolsonaro will die Bürokratie abbauen und den Brasilianern weite wirtschaftliche Freiheiten ermöglichen. Lediglich die umweltpolitische Agenda Bolsonaros – u. a. Agrarflächen zu Lasten des Regenwaldes – ist auch unter seinen Anhängern hoch umstritten.

Fazit: Die Vorwürfe gegen Jair Bolsonaro laufen größtenteils ins Leere. Er steht gegen das linke Establishment seiner Heimat. Grund genug für das linke Establishment Europas in Schnappatmung zu verfallen. Für Konservative und Freiheitsliebende auf der Welt ist er dagegen ein Hoffnungsträger. (mvo)

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