Deutsche Arroganz

Die spitze Feder aus Österreich

Johannes Schüller

Eine vom Mainstream in die Luft gejubelte »Sea-Watch 3«-Kapitänin Carola Rackete lässt den einfachen Bürger fassungslos zurück. Denn sowohl in Deutschland als auch in Österreich wird häufig selbst bei kleinen Parksünden erbarmungslos abgestraft. Doch das neue links-liberale Idol Rackete darf – geht es nach den Wünschen etablierter Journalisten und Politiker – offenbar ein Boot der italienischen Finanzpolizei rammen, illegale Einwanderung unterstützen und unerlaubt in italienische Hoheitsgewässer eindringen!

Das zeugt von einem fatalen Rechtsverständnis: Geltendes Recht wird gleich mehrfach außer Kraft gesetzt, sobald es den eigenen Idealen einer klimaneutralen Masseneinwanderungs-Gesellschaft dient. Geadelt wird diese Haltung per Unterstützung durch den deutschen Außenminister Heiko Maas. »Menschenleben zu retten ist eine humanitäre Verpflichtung. Seenotrettung darf nicht kriminalisiert werden«, twitterte der auch in Österreich eher belächelte Sozialdemokrat mit Bilderbuchkarriere.

Dabei beteiligt sich Maas – im tragischsten Fall unwissentlich – an einem höchst perfiden Framing. Denn die Rettung von in Seenot geratenen Menschen hatte Italiens mutiger Vizepremier und Innenminister Matteo Salvini (Lega) nie unter Strafe gestellt! Im Gegenteil: Durch das Verbot der fortgesetzten Schlepperei durch NGO-Schiffe sollte das Sterben im Mittelmeer beendet werden. Eine Statistik der UNHCR spricht dabei eine klare Sprache: Während im Zeitraum von Januar bis Mai 2018 262 Menschen im Mittelmeer ums Leben kamen, waren es im gleichen Zeitraum 2019 nur noch 99.

Doch Menschenleben scheinen Asyllobbyisten wie Carola Rackete höchstens dann zu interessieren, wenn sie sich für die eigene, skrupellose Politagenda instrumentalisieren lassen. Mit rund 42 jungen, männlichen Migranten an Bord – Schwangere und Kinder hatte Salvini bereits an Land gehen lassen – erachtete Rackete eine Landung im sicheren Urlaubsland Tunesien offensichtlich als unmenschlich. Wie hätte man so auch den »bösen« Rechtspopulisten Salvini vorführen können?

»Solange die Rettung im Mittelmeer mit dem Ticket nach Mitteleuropa verbunden ist, machen sich immer mehr Menschen auf den Weg«, betonte indes auch Österreichs nunmehriger Ex-Kanzler Sebastian Kurz (ÖVP). Auf importierte »Fachkräfte« aus Afrika verzichtet man in der Alpenrepublik nun zumeist gerne! Mehr als ungut treten da »Pöbel-Piefkes« wie Maas und Rackete in Erscheinung.

Denn nicht nur in Rom, auch in Wien trifft der belehrende Unterton selbsthassender deutscher Politakteure auf reflexartige Ablehnung. Nein, auch vorwurfsvoll blickende »Kapitäninnen« wie Carola Rackete tragen nicht zur Völkerverständigung bei.

Johannes Schüller

ist Stellvertretender Chefredakteur der österreichischen Zeitung ›Wochenblick‹.

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