Deutscher Politologe:

»Euroskeptische Parteien sind Teil des europäischen Einigungsprozesses«

Der renommierte deutsche Politologe und Wirtschaftswissenschaftler Daniel Gros sieht in den EU-skeptischen Parteien eine gesunde demokratische Entwicklung des europäischen Einigungsprozesses.

EU-Wahl 2019: Für den Politologen Daniel Gros sind die »euroskeptischen Parteien […] ehrlicher als ihre etablierten Gegenstücke«
Gros leitet das »Centre for European Policy Studies« (CEPS) in Brüssel, eine Art politischer Denkfabrik. Sein Forschungsschwerpunkt ist die EU-Wirtschaftspolitik, insbesondere die Wirkung des Euro auf Kapital- und Arbeitsmärkte sowie die internationale Rolle des Euro. Er beobachtet kritisch auch den den Prozess der EU-Erweiterung Richtung Osten.

Für Gros stellt der Erfolg der EU- bzw. eurokritischen Parteien bei der Europawahl eine keineswegs überraschende Gegenreaktion auf die Brüsseler Bevormundungspolitik dar und keinen Widerstand gegen die »Europäische Union« an sich.

Gros argumentiert: »Politische Kräfte, die das derzeitige Tempo der europäischen Integration infrage stellen, sind Teil eines gesunden demokratischen Prozesses. Tatsächlich könnte man sogar argumentieren, dass die euroskeptischen Parteien ehrlicher sind als ihre etablierten Gegenstücke. Schließlich sind auch die etablierten Parteien – trotz ihrer proeuropäischen Rhetorik – nur äußerst ungern bereit, Souveränität an EU-Institutionen abzugeben.«

Der »CEPS«-Leiter bilanziert: »Es scheint, dass die Europäer derzeit sowohl die EU als auch die Populisten lieben. Statt diese Tatsache zu bejammern oder gar als Bedrohung anzusehen, sollten die Europafreunde die Gelegenheit ergreifen, eine notwendige Debatte über die Zukunft des Kontinents anzustoßen.« (lol)

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