Deutschlands »Nationalfeiertag« ist eine Erfindung von Bürokraten. Ein Plädoyer für die Abschaffung des 3. Oktober:

Dasselbe Bla-Bla wie in jedem Jahr!

Pommesbuden, Kirmesrummel, Sonntagsreden aus der Berliner Blase, Urlaubsbrücke: Deutschlands Nationalfeiertag ist nichts weiter als seelenloser Polit-Kommerz. Ein Plädoyer für die Abschaffung des 3. Oktober.

Ein Brückentag mit Kirmesrummel und unerträglichem Politikergeschwätz: Der 3. Oktober als »Tag der Deutschen Einheit« ist ein seelenloses Technokraten-Produkt

Von Aloys Krause

Hand aufs Herz: Wissen Sie, warum wir ausgerechnet heute unseren Nationalfeiertag feiern? Der 3. Oktober ist ein Feiertag aus der Retorte von Kanzleramt-Technokraten. Ein Tag ohne Seele, ohne patriotisches Pathos, ohne Empathie. Schon bei seiner Verkündung 1990 aus Anlass des Inkrafttretens des Einheitsvertrages verbanden die Deutschen nichts mit ihm. Das Herz der Patrioten hat dieser Tag seit 30 Jahren kalt gelassen.

Der 3. Oktober ist eine Erfindung von Bürokraten

Wie wurde der 3. Oktober überhaupt zum »Tag der Deutschen Einheit«, der bis vor 30 Jahren doch immer am 17. Juni zum Gedenken an den Volksaufstand 1953 in der DDR gefeiert wurde? Dass die Wahl auf den 3. Oktober fiel, hatte einzig bürokratische Gründe:

Am 2. Oktober 1990 sollten die Außenminister der Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (KSZE) über das Ergebnis der Zwei-plus-Vier-Verhandlungen zur deutschen Wiedervereinigung informiert werden. Spätestens am 7. Oktober mussten nach geltendem bundesdeutschem Wahlrecht die Wählerlisten für die am 2. Dezember 1990 geplanten gesamtdeutschen Bundestagswahlen erstellt werden. Kurzum: Der Beitritt der DDR zur BRD hatte schlichtweg zwischen diesen Daten zu liegen.

So belanglos wie ein Friseurtermin

Für das Gedenken an Ereignisse von nationaler Wichtigkeit gibt es grundsätzlich zwei Möglichkeiten: Entweder man baut ein Denkmal oder man bestimmt einen Feiertag, der eine innere Wahrheit hat. Andere Nationen feiern in der Regel an Tagen, an denen etwas Bedeutsames in der Geschichte der Nation geschehen ist – so wie am 14. Juli 1789 in Frankreich der Sturm auf die Bastille, der die Revolution einläutete; oder am 4. Juli 1776 in den USA, als sich die Vereinigten Staaten mit der Ratifizierung der Unabhängigkeitserklärung von der Kolonialmacht England lossagten. Der 3. Oktober in Deutschland wirkt dagegen so belanglos wie ein Friseurtermin.

DDR-Erinnerungstag

Genau genommen datiert auf den 3. Oktober 1990 eigentlich auch nur das Ende der DDR. Zugespitzt und böse gesagt: Der 3. Oktober ist ein DDR-Erinnerungstag. Das wahre Datum, das Datum der Herzen, war der 9. November 1989, als in Berlin die Mauer fiel. Wer diese irren Stunden damals miterlebte, ob vor Ort oder live vor dem Fernseher, wird sich immer daran erinnern. Die Nacht kannte nur ein Wort: »Waaahnsinn!«

Am Montag, den 13. November 1989, titelte die ›Bild‹-Zeitung (seinerzeit noch fünf Millionen Auflage) mit der schwarz-rot-goldenen Schlagzeile: »Guten Morgen Deutschland! Es war ein schönes Wochenende.«

Die Euphorie war buchstäblich grenzenlos, die Menschen im Osten wie im Westen waren im Rausch eines neuen Nationalgefühls. Die Berliner liefen in jener Nacht stundenlang durch die Straßen, entlang an kreuz und quer geparkten Trabis und Wartburgs. Die Menschen verteilten Kaffee an Mauerspechte oder eilten zum Checkpoint Charlie, wo der russische Cellist Mstislaw Rostropowitsch spontan ein Konzert gab.

Doch was ist von diesem überschäumenden patriotischen Wirgefühl geblieben – heute, 30 Jahre später? Ein seelenloser und kommerzialisierter Feiertag, seinerzeit einseitig ausgerufen von der damaligen Kohl-Regierung zur Selbstbeweihräucherung des Polit-Establishments – so wie auch in diesem Jahr bei den »Feierlichkeiten« in der schleswig-holsteinischen Landeshauptstadt Kiel. Vom großen nationalen Glück, von der friedlichen Revolution eines ganzen Volkes, vom Donnerhall der Geschichte zeugen allenfalls noch pflichtschuldigst aufgestellte Fotogalerien. Ansonsten – frei nach einem beliebten Silvesterschwank: »The same Bla-bla as every year, James!«

Hätte man vor 30 Jahren das Volk gefragt, die Menschen hätten mit überwältigender Mehrheit für den 9. November als Nationalfeiertag gestimmt. Endlich kam »zusammen, was zusammengehört« (Willy Brandt, SPD). Gott sei Dank hatte sich die Geschichte noch einmal zum Guten gefügt. Ohne Schüsse, ohne Blutvergießen wurden quasi über Nacht 40 Jahre kommunistischer Diktatur und Stasi-Schreckensherrschaft überwunden.

Aber der 9. November durfte nach den Regeln der politischen Korrektheit kein Feiertag sein. Zu sehr war er »belastet« durch frühere Ereignisse. Da war zum einen Hitlers Münchner Putschversuch 1923 und zum anderen und vor allem die Reichspogromnacht 1938, als Synagogen brannten und jüdische Geschäfte verwüstet wurden – das Fanal zum Holocaust!

Der islamisierte »Feiertag«

Geradezu absurd ist: Die islamischen Verbände haben den 3. Oktober zum »Tag der offenen Moschee« umfunktioniert. In keinem anderen Land wäre eine solche Vereinnahmung des Nationalfeiertags durch eine (noch) religiöse Minderheit denkbar. Aber die deutschen Gutmenschen, vor allem die im Westen, schlurfen auf Socken in Moscheen, deren Treiben teilweise vom Verfassungsschutz beobachtet wird.

Der vorläufige Tiefpunkt freilich war der 3. Oktober 2017, der damals in der rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt Mainz »gefeiert« wurde: Beim ökumenischen Gottesdienst im Mainzer Dom führte eine Muslima den Ein- und Auszug der Gläubigen beider christlichen Kirchen an. Während des Gottesdienstes im Angesicht des gekreuzigten Jesus Christus durfte sie »die Barmherzigkeit und die allumfassende Liebe Allahs zu uns Menschen« preisen. Kein Wort darüber, dass im Namen Allahs Hunderttausende Christen in islamischen Ländern blutig verfolgt und ihre Gotteshäuser niedergebrannt werden; dass der Terror im Namen Allahs (»Allahu Akbar«) jedes Jahr in Europa die Menschen in Angst und Schrecken versetzt.

Warum der 23. Mai ein guter Nationalfeiertag wäre

Deshalb: Schluss mit diesem verdrucksten 3. Oktober! Für die Freiheit und Nationalgefühl steht dieser Tag schon lange nicht mehr – stand er genau genommen noch nie. Wenn schon aus den erwähnten und nachvollziehbaren Gründen nicht der 9. November – warum dann nicht der 23. Mai, der Tag, an dem vor 70 Jahren das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland verkündet wurde? Es wäre ein fürwahr würdiger Nationalfeiertag – zumal auch der andere Teil des nach dem Zweiten Weltkrieg geteilten Vaterlandes vor 30 Jahren dem Geltungsbereich der freiheitlichsten Verfassung, die diese Nation je hatte, beigetreten ist.

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