Deutschlands Schlüsselindustrien im Abwind

Im Krisenmodus: Der Chemieriese Bayer wird – ebenso wie die Autoindustrie – in der nächsten Zeit massiv Stellen abbauen

Bayer streicht in den kommenden Jahren insgesamt 12.000 Stellen – 4.500 davon allein in Deutschland. Die Autobranche, Deutschlands Schlüsselindustrie, schrumpft erheblich. Die deutsche Autoindustrie hat im Laufe des vergangenen Jahres deutliche Produktionsrückgänge verzeichnet.

Der Chemieriese Bayer hat konkrete Pläne zum Abbau von 4.500 Stellen in Deutschland vorgelegt. Der Konzern hatte die Stellenstreichungen bereits Ende November angekündigt. Mit den Maßnahmen wolle man die Wettbewerbsfähigkeit verbessern und profitabler werden, hieß es. Weltweit will Bayer bis Ende 2021 rund 12.000 Stellen streichen. Betriebsbedingte Kündigungen seien ausgeschlossen.

Beim Abbau der 12.000 Arbeitsplätze ist vorgesehen, dass rund 900 Arbeitsplätze in der Forschung der Sparte Pharmaceuticals für verschreibungspflichtige Medikamente wegfallen. In Wuppertal sind Bayer zufolge rund 350 Stellen im Zusammenhang mit der Herstellung von Medikamenten gegen die Bluterkrankheit betroffen.

In der Consumer-Health-Sparte für rezeptfreie Medikamente und Nahrungsergänzungsmittel sollen 1.100 Stellen wegfallen, in der Crop-Science-Sparte mit den Bereichen Saatgut, Pflanzenschutz und Schädlingsbekämpfung rund 4.100. Weitere 5.500 bis 6.000 Stellen werden Bayer zufolge bei den »übergreifenden Konzern- und Querschnittsfunktionen, Business Services sowie den Länderplattformen« gestrichen. Etwa 3.000 dieser Arbeitsplätze in Querschnittfunktionen liegen laut Unternehmenskreisen in Deutschland.

Daimler, VW, Porsche: Deutschlands Autoindustrie schrumpft massiv

Die deutsche Automobilindustrie hat im Laufe des vergangenen Jahres deutliche Produktionsrückgänge verzeichnet. Wie das Statistische Bundesamt am Dienstag mitteilte, lag die Produktion von Kraftwagen und Kraftwagenteilen im zweiten Halbjahr 2018 kalender- und saisonbereinigt um 7,1 Prozent niedriger als im ersten Halbjahr. Zum Vergleich: Im gesamten verarbeitenden Gewerbe in Deutschland ging die Produktion im selben Zeitraum um 2,0 Prozent zurück. Ohne den Automobilsektor war es nur ein Rückgang um 0,9 Prozent. Im Jahr 2016 habe die Automobilindustrie laut der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen eine wirtschaftliche Leistung von 134,9 Milliarden Euro erbracht – ein Anteil von 4,7 Prozent an der gesamten Bruttowertschöpfung in Deutschland.

Porsche teilte am Dienstag mit, dass das Unternehmen im ersten Quartal des Jahres 55.700 Fahrzeuge ausgeliefert habe. Das sind 12 Prozent weniger als im Vorjahr. Der zum VW-Konzern gehörende Sportwagenbauer begründet den Rückgang vor allem mit den Problemen bei der Umstellung auf den neuen Abgasprüfzyklus WLTP und die Schwäche des chinesischen Marktes. Aber vor allem in Europa brach der Absatz um ein Drittel auf rund 14.000 Fahrzeuge zusammen. Der Markt fällt damit hinter China und USA zurück.

Auch bei VW wird der Rotstift angesetzt. Der Konzern hatte 2016 ein Sparprogramm für die Kernmarke aufgelegt und angekündigt, dass weltweit rund 30.000 Stellen wegfallen werden, davon 23.000 in Deutschland.

Der Autoabsatz bei Daimler-Benz‘ Hausmarke Mercedes geht ebenfalls weiter zurück. Im März sackten die weltweiten Verkäufe im Vergleich zum Vorjahresmonat um 4,1 Prozent auf 227.644 Autos ab, wie das Dax-Unternehmen am Dienstag in Stuttgart mitteilte. Nach den ersten drei Monaten des Jahres steht bei Mercedes damit ein Minus von 5,6 Prozent auf knapp 561.000 Wagen zu Buche. »Weltweit waren die ersten drei Monate des Jahres aufgrund der laufenden Modellwechsel bei SUVs und Kompaktwagen wie erwartet herausfordernd«, sagte Vetriebschefin Britta Seeger. Der Absatz der seit Längerem schwächelnden Kleinwagenmarke Smart ging bei Daimler weiter zurück, im März um 17,1 Prozent. Nach den ersten drei Monaten steht hier ein Minus von 12 Prozent zu Buche. Um die Marke neu aufzustellen, bringt das Stuttgarter Unternehmen die Smart-Linie in ein Gemeinschaftsunternehmen mit dem chinesischen Großaktionär Geely ein. In der kommenden Generation sollen die Kleinwagen komplett elektrisch fahren. Entwickelt und produziert wird dann in China.

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