»Wertheim Village« in Unterfranken: Immer mehr Gewerbegebiete verschandeln die bayerische Landschaft

Die CSU feiert sich nur zu gerne als bayerische »Heimatpartei« und errichtet »Heimatministerien«, wo immer sie mitzureden hat. Jenseits der wohlfeilen Worte ist es der Regierungspartei allerdings herzlich egal, ob diese Heimat ihr Gesicht verliert. Dem Flächenfraß, der Bayern Zug um Zug in eine Betonwüste zu verwandeln droht, hat die CSU jedenfalls all die Jahre tatenlos zugesehen: Ihre Interessen liegen bei den Profiteuren der planlosen Bauerei.

Discounter und Einkaufskomplexe mit Giga-Parkplätzen, Baumärkte, Büroklötze, Gewerbegebiete, Logistikzentren oder neue Einfamilienhaus-
Siedlungen – an den Rändern bayerischer Dörfer und Städte und entlang der Autobahnen fressen sich Asphalt und Beton in einst idyllische Landschaften.

Oft ist es bester Ackerboden oder malerischer Wald- und Wiesengrund, der da versiegelt und verbaut wird. Der wachsende Platzbedarf von Bürgern und Unternehmen fordert überall in Deutschland seinen Tribut, doch in Bayern geht man besonders sorglos mit dem Natur- und Landschaftserbe um:

Der Flächenverbrauch im Freistaat war laut Münchner Umweltministerium 2015 doppelt so hoch wie im benachbarten Baden-Württemberg oder im dicht besiedelten Nordrhein-Westfalen.

Nach Zahlen aus dem Jahr 2016 werden täglich zehn Hektar Landschaft – das entspricht 14 Fußballfeldern – zu Siedlungs- oder Verkehrsfläche. Während die Einwohnerzahl Bayerns zwischen 2000 und 2015 um 5 Prozent gestiegen ist, nahm der Flächenbedarf um fast
19 Prozent zu.

Dagegen regt sich Widerstand.

Ob in der Oberpfalz oder im Allgäu, in Franken, Oberbayern oder Bayerisch-Schwaben – landauf, landab machen Bürgerinitiativen gegen seelenlose, gleichförmige Gewerbe- und Konsumparks mobil, wehren sich Bauern gegen die Zweckentfremdung ihrer Äcker und Dorfgemeinschaften gegen den Verlust ihrer Identität.

In der Staatskanzlei hat man diesen Unmut lange ignoriert. Wirtschaftswachstum und Gewerbesteuermaximierung gelten als heilige Kühe, auch wenn sie unnötige Doppel- und Dreifachstrukturen begünstigen. Die Kommunalpolitiker wüssten selbst schon am besten, was gut für ihre Gemeinden ist, darauf ziehen sich Staatsregierung und CSU-Führung zurück.

Denn dort unten geben die Landräte und Bürgermeister den Ton an, das Rückgrat der gefühlten »Staatspartei« – schwarze Sonnenkönige, die sich gern mit repräsentativen Straßenbauten und der Einweihung neuer Gewerbegebiete ein Denkmal setzen. Ihnen zuliebe hat der neue Landesentwicklungsplan die Neuausweisung von Bauvorhaben auf der grünen Wiese sogar noch erleichtert.

Doch auch das Bündnis »Betonflut eindämmen« ist gut organisiert. Ihr Volksbegehren, das den Landschaftsverbrauch auf 5 Hektar am Tag halbieren will, hat das Innenministerien trotz 50.000 Unterschriften im April abgelehnt, jetzt entscheidet im Juli der Bayerische Verfassungsgerichtshof.

Einer der Initiatoren des Begehrens ist zwar der grüne Landtags-Fraktionschef Ludwig Hartmann, viele konservative Verbände, Bauernvereinigungen und Persönlichkeiten gehören aber ebenfalls zu den Unterstützern. Der Kampf gegen den Flächenfraß wird vor der Landtagswahl im Oktober auf jeden Fall zum Wahlkampfthema.

Die AfD wird gut beraten sein, dieses urkonservativen Anliegen dann nicht den Grünen zu überlassen, wenn schon die »Heimatpartei« CSU sich darum nicht kümmern mag.

QUELLEBild: imago
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