Die drei Vollpfosten der Woche:

Johannes Kahrs, Eva Högl, Karl Lauterbach (alle SPD)

Hetzer und Intrigant: Johannes Kahrs

»Hass macht hässlich.« Hat Johannes Kahrs an sein Spiegelbild gedacht, als er diese Pöbelei während einer seiner zahlreichen Hetztiraden gegen die AfD vorbrachte? Natürlich nicht. Es war nicht der einzige Bumerang, der ihn am Ende selbst getroffen hat.

Intrigen, schmutzige Wäsche und Strippenzieherei sind sein Element. Damit hat Johannes Kahrs sich ein Feudalsystem aus Parteifilz und grauen Geldströmen aufgebaut, das ihn zum unumschränkten König der Hamburger SPD gemacht hatte. »House of Kahrs« nannten das auch Genossen hinter vorgehaltener Hand. Seinen Posten als SPD-Obmann im Haushaltsausschuss hatte Kahrs emsig genutzt, um Steuergeld nach Hamburg zu leiten und seine Position noch uneinnehmbarer zu machen.

Krönung dieses intriganten Lebenswerks sollte seine Berufung zum Wehrbeauftragten des Deutschen Bundestags werden – ein Posten, auf dem sich der absehbare Untergang der SPD noch eine Weile komfortabel überleben ließe. Zusätzliche Stellen zur Versorgung seiner Entourage hatte Kahrs sich in den letzten Haushaltsberatungen schon besorgt, am bisherigen Amtsinhaber vorbei.

Der fraktionsübergreifend anerkannte »Parteifreund« Hans-Peter Bartels war von der Fraktionsführung schon wunschgemäß abserviert worden. Doch dann die kalte Dusche: Kahrs bekam den Posten nicht – und gab Knall auf Fall sein Mandat und alle politischen Ämter auf und löscht sogar alle Profile in den sozialen Medien.

Das war der vorläufige Höhepunkt einer beispiellosen Skandalchronik, die immer wieder mal Schlagzeilen machte, ohne Kahrs dauerhaft schaden zu können.

1992: Eine 22-jährige Hamburger Juso-Linke wird mit nächtlichem Telefonterror gemobbt und gestalkt, Parteihäuptling Kahrs gerät in die Fangschaltungsfalle und zieht sich mit einem Bußgeld aus der Affäre. 1998 wird er Bundestagsabgeordneter.

2006: Kahrs, Sprecher des »Seeheimer Kreises«, gerät wegen großzügiger Spenden der Rüstungsindustrie unter Druck. Für einen Haushaltspolitiker ein No-Go – für Kahrs ganz normal.

2014: Kahrs preist den über einen Kinderpornografie-Skandal gestürzten Ex-SPD-Abgeordneten Sebastian Edathy als »feinen Kerl«. Damals schon werden Gerüchte laut, dass den offen homosexuell lebenden Kahrs, der seine Hausmacht auf auffallend junge Juso-Nachwuchstruppen stützt und dessen ›Twitter‹-Account von drastischer Homosexuellenpornografie nur so strotzt, mit Edathy mehr verbindet als nur das Parteibuch.

2017: Kahrs‘ Ortsverband Hamburg-Mitte erhält von der Warburg-Bank 45.000 Euro an Spenden. 2016 hatte die Hamburger Steuerverwaltung regelwidrig darauf verzichtet, von der Bank hinterzogene Gelder in Höhe von rund 47 Millionen Euro zurückzufordern. Finanzsenator damals: der heutige Erste Bürgermeister Peter Tschentscher. 2020 fliegt der Skandal auf.

Und jetzt die Examensaffäre: Der Youtuber Klemens Kilic macht im Deutschland-Kurier den Verdacht öffentlich, dass Kahrs sein juristisches Staatsexamen nicht selbst geschrieben hat: Ein Bundesbruder soll für ihn betrogen haben.

Das war offenbar der Skandal zu viel, der das Fass zum Überlaufen brachte. Dass einer wie Kahrs nur wegen eines entgangenen Amtes alles hinschmeißt und total abtaucht, glaubt ihm doch nicht mal der Klabautermann. Immerhin hat er dank der Aufdeckungsarbeit des Deutschland-Kuriers jetzt wenigstens genug Zeit, um sein Staatsexamen nachzuschreiben.

Dreist und peinlich: Eva Högl

Wehrbeauftragter des Deutschen Bundestags ist ein schöner Job. Der Vertrauensmann der Truppe im Parlament hat Gewicht und Stimme. Der Posten, mit B11 so gut bezahlt wie ein Staatssekretär, ist begehrt. Johannes Kahrs wollte ihn unbedingt haben, Fraktionskollegin Eva Högl hat ihn schließlich gekriegt.

Vernünftige Gründe gibt es dafür keinen einzigen. Kahrs ist immerhin Oberst der Reserve. Högl ist Funktionärin und Gewerkschafterin, hat ihr ganzes Leben nichts anderes gelernt und gemacht als Politik und musste dringend versorgt werden. Bei der Verteilung der Ministerposten ist sie immer leer ausgegangen. Jetzt muss sie Platz machen für den Berliner Bürgermeisterdarsteller Michael Müller, dessen Tage im Roten Rathaus auch schon gezählt sind.

Für beide ist kein Platz auf der Berliner Landesliste der schwindsüchtigen SPD. Also bekommt Högl einen begehrten Posten, für den sie ihr Abgeordnetenmandat niederlegen muss, und Müller wird nächstes Jahr MdB, wenn die SPD noch die Fünf-Prozent-Hürde schafft. Das bleibt am Ende als einziger Grund für ihre Nominierung übrig.

Wahrscheinlich würde Eva Högl heute noch keiner kennen, hätte sie sich nicht 2017 mit einem grotesken Teletubbie-Auftritt unsterblich blamiert. Martin Schulz – wir erinnern uns, der war mal SPD-»Kanzlerkandidat« – versucht, getragene Worte zum islamistischen Terroranschlag in Barcelona in die Kamera zu sprechen, und gleich hinter ihm hüpft, gestikuliert und grinst Eva Högl mit wilden Grimassen herum, weil sie irgendwo im Saal einen anderen Teletubbie entdeckt hat. Winkewinke.

Schuld war natürlich nicht sie, sondern die Bösewichte, die das Video frech gezeigt hatten, statt die peinliche Szene rauszuschneiden. Als Multifunktionärin, Islamversteherin, Zuwanderungsfetischistin und AfD-Hasserin hat Eva Högl es in der ausgebluteten SPD trotzdem bis zur Vize-Fraktionschefin gebracht.

Jetzt ist sie noch eine Stufe höher gestolpert. Dass ihr AfD-Gegenkandidat Gerald Otten – 22 Jahre aktiver Bundeswehrdienst, Kampfpilot, erfolgreicher Manager in der Rüstungsindustrie statt Parteispendenempfänger wie Kahrs – keine Chance hatte, versteht sich beim Zustand unserer politischen Klasse von selbst. Dass Högl nie auch nur eine Kaserne von innen gesehen hat – geschenkt.

Die Truppe, die schon mit von der Leyen und AKK als Ministerinnen beglückt wurde, darf sich einmal mehr kräftig verschaukelt fühlen.

Wirrkopf mit Fliege: Karl Lauterbach

Der dritte Sozi im Vollpfosten-Bündel für diese Woche ist Karl Lauterbach. Er gilt als »Gesundheitsexperte« der SPD-Bundestagsfraktion, twittert aber regelmäßig wirres Zeug über alles Mögliche. Und haut regelmäßig so krass daneben, dass es schon kultverdächtig ist.

Seit der Mann mit der Fliege in der Corona-Krise vom Regierungsfunk durch die Talkshows herumgereicht wird, bekommt das auch ein größeres Publikum mit. Lauterbach kennt nur ein Rezept – alles dicht machen, den »Lockdown«. Die Schulen am liebsten gleich anderthalb oder zwei Jahre. Wo soll da auch das Problem sein?

Immer mehr Wissenschaftler halten den totalen Stillstand für die am wenigsten effektive Maßnahme zur Pandemie-Bekämpfung – Lauterbach kennt nichts anderes. Dabei sind die Infektionszahlen schon vor dem »Lockdown« deutlich gesunken – Lauterbach behauptet das Gegenteil. Der schwedische Weg, der auf Freiwilligkeit setzt und ohne Zwangsschließungen auskommt, sei »unverantwortlich« – die Zahlen sprechen für die Schweden. »Italienische Zustände« mit überfüllten Krankenhäusern waren für Lauterbach nur eine Frage der Zeit – gekommen sind sie nie.

Nicht wegen des »Lockdown«, sondern weil Deutschland die bessere Krankenhausstruktur und mehr Intensivbetten hat. Das wäre allerdings nicht so, wenn Lauterbach sich vor einem Jahr durchgesetzt hätte. Da forderte er nämlich als Lautsprecher der Bertelsmann-Stiftung, mindestens die Hälfte der deutschen Krankenhäuser zu schließen und sich auf wenige Kliniken zu konzentrieren. Wieder danebengelegen.

Dabei ist Lauterbach selbst Mediziner. Aber wer wollte sich wohl von einem Arzt behandeln lassen, der so oft falschliegt? Als Parteivorsitzenden wollte ihn nicht mal die SPD haben, bei der Kandidatensuchfarce letzten November holte er das zweitschlechteste Ergebnis. Und als Lauterbach bei den Koalitionsverhandlungen 2013 zeitweise als Kandidat für das Gesundheitsressort gehandelt wurde, warnte selbst seine Ex-Ehefrau: »Hoffentlich wird er nicht Minister […] Ich halte es für bedenklich, was in seinem Kopf vorgeht.« Da kann man nur schwer widersprechen.

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