Wahlkampf in Neumünster: Die FDP tritt mit einer Kopftuch-Kandidatin an

Auf dem Weg zur Kopftuch-Partei

Es klingt so unglaublich wie eine Geschichte aus »Tausendundeinenacht« im hohen Norden Deutschlands. Eine FDP-Kandidatin mit Kopftuch wirbt für »klaren Kurs« bei den Kommunalwahlen am 6. Mai in Schleswig-Holstein.

Durch die sozialen Medien fegt ein Sturm der Entrüstung: »Islamisierung«, »Unterdrückung der Frau«, »Rückständigkeit«, »zurück ins Mittelalter«. Die AfD-Bundestagsabgeordnete Beatrix von Storch twitterte: »Ich finde es toll, dass die #FDP einen so klaren Kurs fährt. Dann kann jeder sehen, wohin die wollen und bei der nächsten Wahl entscheiden, ob er da auch hin will.«

Aygül Kilic kandidiert für die FDP im Vicelinviertel von Neumünster:

21 Prozent Ausländeranteil, davon 83 Prozent Türken.

Offenbar ist die FDP auf der Suche nach neuen Wählerschichten – auch wenn die Weltpresse seit der Inhaftierung von Kataloniens Ex-Präsident Carles Puigdemont aus nachvollziehbar anderen Gründen auf Neumünster schaut.

Ob gewollt oder nicht: Mit dem Kopftuch-Plakat, das selbst viele FDP-Wähler abstößt, bekennt sich die Lindner-Partei zum sexistischen, Frauen verachtenden Geschlechterbild des Islam. Es ist ein plakatives Statement für die Unfreiheit. Und das von einer Partei, die das Wort »Frei« im Namen führt.

Dann kam auch noch heraus: Der Ehemann von Frau Kilic sitzt im Vorstand der von Ankara gelenkten DiTiB-Moschee. Dabei sollte sich inzwischen auch bei der FDP herumgesprochen haben, dass die DiTiB-Gemeinden Spionage für Sultan Erdoğan betreiben.

Ex-FDP-Landeschef Wolfgang Kubicki ficht das nicht an. »Wer eine muslimische Kandidatin mit oder ohne Kopftuch verunglimpft, soll sich zum Teufel scheren«, ereiferte sich der Bundestagsvizepräsident, der nebenbei im Beirat der Deutsch-Arabischen Gesellschaft sitzt.
Dann ein Satz, den man sich auf der Zunge zergehen lassen muss: »Wir verzichten lieber auf Wählerstimmen, als unsere Werte zu verraten.«

»Liberalala« und ein paar flotte Digitalisierungssprüche – das wars auch schon von der FDP seit ihrem Wiedereinzug in den Bundestag und nach dem freilich lobenswerten Jamaika-Ausstieg.

Unter Partei- und Fraktionschef Christian Lindner agieren die selbst ernannten Liberalen seither richtungslos und ohne erkennbares bürgerliches Profil.

Der smarte Porsche-Fan und FDP-Posterboy hat die Partei von Hans-Dietrich Genscher und Otto Graf Lambsdorff auf einen einzigen Markenkern reduziert: Lindner.
Als Opposition ist die FDP ein Totalausfall. Das Angebot von AfD-Fraktionschef Alexander Gauland, im Bundestag punktuell und konstruktiv zusammenzuarbeiten, lehnte Lindner arrogant ab. Der im Wahlkampf noch vollmundig angekündigte Bundestags-Untersuchungsausschuss zur grundgesetzwidrigen Grenzöffnung 2015 hat für den FDP-Chef »keine Priorität« mehr.

Umfaller-Partei … war da nicht mal was?

Kürzlich kam es im Bundestag zu folgender Posse: Der AfD-Abgeordnete Gottfried Curio brachte den Antrag seiner Partei zum Verbot der Vollverschleierung ein. Burka & Co würden Frauen zu Objekten degradieren und Menschenrechte verletzen. Die sonst doch immer so um die Würde der Frau besorgte FDP lehnte den Antrag ab, zusammen mit den anderen Altparteien.

Die FDP-Abgeordnete Katrin Helling-Plahr hielt eine büttenreife Rede: »Frauen, die bisher von ihren Männern gezwungen werden, das Haus nur vollverschleiert zu verlassen, dürften ihr Haus künftig gar nicht mehr verlassen. Sie helfen den Frauen also nicht, sondern sie rauben ihnen das letzte bisschen Teilhabe an unserer Gesellschaft. Sie verstellen ihnen den durch ihren Schleierschlitz möglichen Einblick in eine Welt, in der Frauen anders leben.«

Vielleicht sollten die »Liberalen« ehrlicherweise folgenden Satz aus der Präambel ihres Parteiprogramms streichen: »Die FDP ist die Partei der Freiheit und der Selbstbestimmung.«

Quo vadis, FDP?

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