Die gefährdete Währungsreserve

Noch immer liegen 50 Prozent des deutschen Staatsgolds im Ausland. Auch der Verbleib der anderen Hälfte ist nicht belegt und zudem ausbuchungsgefährdet.

Das deutsche Staatsgold umfasst etwa 3.370 Tonnen Gold im Wert von aktuell etwa 115 Milliarden Euro. Es ist auf der Bilanz der Deutschen Bundesbank eingebucht, weil die Goldbestände in den 1950ern und 1960ern im Zuge des Gold-Devisen-Systems von Bretton Woods durch deutsche Arbeitskraft und Exporterfolge erarbeitet und die zugehörigen Dollarerlöse wie damals üblich von der Bundesbank bei der US-Zentralbank (Federal Reserve) in Gold umgetauscht wurden. Die Bundesbank schuf die dabei erforderlichen DM-Guthaben zur Bezahlung der erfolgreichen deutschen Exportunternehmen ohne eigene »Arbeitsleistung« aus dem Nichts und ist darum heute Treuhänderin des goldenen Volksvermögens.

Sie ist damit in minutiöser Rechenschaftspflicht gegenüber dem deutschen Volk über dessen Eigentum.

Lange Jahrzehnte waren trotzdem praktisch keine objektiven und nachprüfbaren Fakten zum physischen oder auch nur buchhalterischen Status des deutschen Goldes verfügbar. Erst die Bürgerinitiative »Holt unser Gold heim« www.gold-­action.de hat dies ab 2011 geändert: Praktisch alles, was wir heute über den Status des deutschen Goldes wissen (oder den Bundesbank-Veröffentlichungen seitdem glauben müssen), konnte nur dank der jahrelangen öffentlichen Nachfragen dieser Initiative und in der Folge dank den aufmerksamen Auslandsmedien und des Bundesrechnungshofs ans Licht geholt werden: Sowohl die Lagermengen im Ausland als auch die Geschichte des Goldes seit 1951. Insbesondere lief dank des öffentlichen Drucks ab 2013 endlich die überfällige Teilheimholung des Goldes nach Deutschland an – die jedoch von der Bundesbank nun leider Ende 2017 bei 50 Prozent bzw. knapp 1.700 Tonnen Gold abgebrochen wurde, obwohl die ultimative Währungsreserve speziell in Zeiten des todkranken Euros dringend in Frankfurt lagern müsste.

Die Bundesbank-Bilanz besteht heute zu fast zwei Dritteln aus stark ausfallgefährdeten Target2-Forderungen (880 Milliarden Euro). Wenn die Bundesbank nur 15 Prozent dieser Summe abschreiben oder überfällige Risikorückstellungen dafür bilden würde, wäre buchhalterisch das deutsche Staatsgold, das auf der gleichen Aktivseite bilanziert wird, auszubuchen, sofern der deutsche Steuerzahler nicht alternativ dazu einen halben Bundesjahreshaushalt an die sonst überschuldete Notenbank überweisen soll! Der 60-jährige skandalöse Dauerzustand der nach wie vor völlig intransparenten Auslandslagerung muss endlich ein Ende finden und die Bundesbank-Bilanz danach glaubhaft wenigstens mit etwa 10 Prozent an goldener Substanz hinterlegt sein.

Die Bürgerinitiative »Holt unser Gold heim« fordert darum unverändert seit 2011 nicht nur die seriöse Auditierung und die vollständige und glaubhafte Heimholung des Goldes aus New York und London, sondern auch einen gesetzlichen Sonderstatus des Goldes zur Verhinderung einer drohenden Aus­buchung.

Die Bundesbank muss das deutsche Volk als Eigentümer des Staatsgoldes hierüber absolut transparent informieren.

Die ultimative Währungsreserve darf weder einem Lagerungsrisiko durch Auslandslagerung ausgesetzt sein noch dem Risiko von Doppeleigentümerschaften der Barren, die buchhalterisch nach wie vor möglich sind. Letztlich ist der physische Besitz im eigenen Land viel wichtiger als die Behauptung angeblich exklusiver deutscher Eigentümerschaft des Goldes durch externe Lagerstellen.

Die Bundesbank sieht zwar selbst Gold als ultimative Währungsreserve – beharrt aber absurderweise darauf, dass es »im Falle einer Währungskrise in New York und London besser gegen Devisen umtauschbar« sei. Dies ist ein hanebüchenes Argument, denn gerade im Falle einer solchen Weltwährungskrise will niemand Papiergeld haben. Genau in einem solchen Fall braucht unser Land physisches Gold – also die einzige Währung, die seit Jahrtausenden durch alle Papiergeldkrisen hindurch immer akzeptiertes, ultimatives Zahlungsmittel geblieben ist.


Peter Boehringer

ist Initiator der Bürgerinitiative »Holt unser Gold heim« www.gold-action.de. Der AfD-Politiker leitet den Bundestags-Haushaltsausschuss.

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