Wer glaubt, bei den vom Zwangsgebührenfernsehen am Fließband produzierten »Tatort«-Streifen handele es sich um spannende Krimi-Unterhaltung, der glaubt auch an den Weihnachtsmann. »Tatort« ist öffentlich-rechtliches Erziehungsfernsehen. Wenn man schon mal, mit rührigem Begleitgetrommel aus dem gesamten Medien-Establishment, jeden Sonntagabend ein Millionenpublikum vor dem Bildschirm hat, dann will man der Herde auch beibringen, wie die Welt gefälligst zu sein hat.

Der Franken-Tatort »Ich töte niemand« hat sein Agitprop-Soll geradezu mustergültig übererfüllt. Dass »Flüchtlinge« nie etwas Böses anstellen würden, sondern entweder von den Kommilitoninnen umschwärmte hochbegabte libysche Maschinenbaustudenten sind oder treusorgende Zieheltern von ebensolchen – gut, das ist »Tatort«-Standard. Dass die Mörder des braven libyschen Geschwisterpaares nur biodeutsche Fieslinge sein können, die von einem üblen ressentimentgeladenen »Rechtspopulisten« und Alt-Nazi aufgehetzt wurden, im Grunde auch.

Aber das ist nur der Anfang, die Macher dieses Tatorts lassen kein Klischee aus. Der depressive Polizistenkollege mit dem Medikamentenproblem hortet zu Hause Statistiken über Ausländerkriminalität und Integrationskosten – »rechtsradikales Material«, ermitteln die Kommissare messerscharf. Wer am Ende der wirren Handlung nicht mitbekommen haben sollte, dass der hetzende »rechtspopulistische« Lehrer, der in seinem Schlussmonolog über die Dummheit seiner Gefolgsleute herzieht, eine Karikatur von AfD-Chef Alexander Gauland sein soll, dem erläutern das ›SpiegelSternFocus‹ und Genossen nochmal haarklein in ihren ekstatischen Vor- und Nachberichten.

Die AfD hat es den »Tatort«-Machern überhaupt angetan. Erst im Dezember durfte Wotan Wilke Möhring als prolliger Hamburger Personenschützer der Chefin von »Deutschlands Neue Patrioten« vor einer Kulisse von miesen »Rechtspopulisten« und herzensguten »Antifanten« seinen ganzen Frust über unverbesserliche Multikulti-Skeptiker ablassen. Und Franken-Kommissar Fabian Hinrichs erklärte nach der Sendung eigens allen willigen Interview-Fragern, dass er die AfD für »eine wirkliche Gefahr für die Demokratie« halte, weil sie nicht einfach nur »ein wenig konservativer« sei, sondern »etwas ganz anderes« wolle.

Wer wollte angesichts solch tiefschürfender Analysen noch herumkritteln, dass sowjetische Propagandafilme zwar auch schwarz-weiß daherkamen, sogar wörtlich gesehen, aber wenigstens handwerklich gut gemacht waren und eine nachvollziehbare Handlung hatten? Auf die korrekte Gesinnung kommt es an, und die ist bei so viel Eifer allemal eine »Goldene Hoftrompete« wert.

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