Die Goldene Hoftrompete für den Monat April geht an:

Dietmar Neuerer – der »Populisten«-Jäger vom ›Handelsblatt‹

Jede etablierte »Qualitätszeitung«, die etwas auf sich hält, hat einen Redakteur, der sich auf die Berichterstattung über die AfD und andere schlimme »Rechte« spezialisiert hat. Beim ›Handelsblatt‹ erledigt Dietmar Neuerer diesen Job so politisch korrekt und linientreu, wie die Mächtigen es sich nur wünschen können.

Wie es sich für einen zünftigen Hoftrompeter gehört, informiert Neuerer die Leser des einst renommierten Düsseldorfer Wirtschaftsblattes nicht etwa über finanz-, wirtschafts- oder steuerpolitische Ideen, mit denen die größte Oppositionspartei im Bundestag der auf diesem Gebiet nun wahrlich nicht mit Ruhm bekleckerten GroKo-Stillstandsregierung Paroli bietet.

Nicht dass es die nicht gäbe, sie interessieren ihn nur nicht. Wenn Dietmar Neuerer sich mal in aller Ausführlichkeit über die AfD auslässt, dann dort, wo er der lästigen Opposition mal so richtig einen mitgeben kann: Spendenvorwürfe gegen die AfD, Strafzahlungen wegen angeblich illegaler Zuwendungen oder Forderungen aus der Kanzlerpartei CDU, die größte Oppositionspartei im Bundestag wegen der vom ›Spiegel‹ in die Welt gesetzten Räuberpistole über eine »Fernsteuerung« der AfD aus Moskau unter »Überwachung« zu stellen – das sind die Themen, bei denen ein Dietmar Neuerer so richtig aufblüht.

Logisch, dass er nie auf den Gedanken käme, eine Beobachtung der Altkanzlerpartei SPD zu fordern, die nicht nur ein paar Hinterbänkler mit guten Russland-Kontakten zu bieten, sondern einen veritablen von Putin und Gazprom eingekauften Ex-Regierungschef in ihren Reihen hat. Für so etwas hat Kommissar Neuerer auch gar keine Zeit, er muss ja noch die CDU-Vereinigung »WerteUnion« attackieren, die dem Tandem Merkel-AKK auf die Nerven geht und sich viel zu oft in bösen Alternativmedien wie ›Tichys Einblick‹ informiert.

Wer die »richtige« Haltung hat, der liest den »Einblick« des seriösen Konservativen Roland Tichy, unter dem die ›Handelsblatt‹-Schwesterzeitung ›Wirtschaftswoche‹ noch eine lesenswerte Oppositionszeitung war, nämlich nicht – der macht es wie Dietmar Neuerer und denunziert den journalistisch haushoch überlegenen Kollegen mit einer seit Jahren andauernden giftigen Verleumdungskampagne.

Haltung ist der neue Klassenstandpunkt und Dietmar Neuerer hat reichlich davon. Das Geschichtsstudium an der Berliner Humboldt-Uni hielt er gerade lange genug durch, um sich ideologisch zu festigen; dann warf er das Studium hin und wurde etablierter Journalist und Hoftrompeter. Einst bei der »Antifa«-Gesinnungspostille taz, inzwischen beim ehedem seriösen ›Handelsblatt‹.

Zu viel Bildung schadet ja auch wieder bloß der Haltung. Und die zeigt Dietmar Neuerer nicht nur in Fragen der nationalen Politik, sondern auch auf europäischer Ebene. Da schießt Neuerer Dauerfeuer aus allen Rohren gegen die ominösen »Rechtspopulisten«, die für alles verantwortlich sein sollen, was irgendwie schieflaufen kann, und verpackt das in reißerische Schlagzeilen.

Zum Beispiel den Alarmruf, dass »Rechtspopulisten die Geheimdienstkooperation in Europa gefährden« – dahinter steckt dann lediglich das reichlich banale Genöle einer FDP-Charge, dass er dem FPÖ-geführten Wiener Innenministerium nicht so recht trauen wolle. Der übliche EU-Kindergarten eben. Journalistisch korrekt müsste die Schlagzeile also lauten: »Russland-Hysterie etablierter Politiker stellt europäische Zusammenarbeit in Frage« – die Formulierungshilfe ist gern geschehen.

Weil er nicht immer alles selbst sagen und auch nicht immer nur die Hetzereien von Fernsehclown Böhmermann auf Twitter weiterverbreiten kann, holt Dietmar Neuerer sich zur »Rechtspopulisten«-Bekämpfung gern auch mal Verstärkung. Propaganda-Verlautbarungen der grünen Heinrich-Böll-Stiftung verbreitet er, als wären es Fakten; und die VW-Managerin Hiltrud Werner, die sich statt mit Autobauen lieber mit Oppositionsbekämpfung beschäftigt, bekommt bei ihm für jede noch so absurde Anti-AfD-Parole breite Aufmerksamkeit.

Stets gern gesehener Gast in Neuerers Spalten ist der Ökonom Gustav Horn, seit 2005 Leiter des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung und selbstverständlich Uralt-SPD-Mitglied.

Voriges Jahr engagierte Neuerer Horn, zusammen mit DIW-Chef Fratzscher, als Kronzeugen gegen AfD-Fraktionschefin Alice Weidel, weil sie Zweifel geäußert hatte, dass »Kopftuchmädchen und Messermänner« künftig den deutschen Wohlstand sichern könnten. Und schon vor der letzten Europawahl durfte Genosse Horn raunen, ein Wahlerfolg von »Anti-EU-Populisten« könne »fatale Folgen« für die gesamte Europäische Union haben, weil sie eine »tiefere wirtschaftliche Integration« verhindern könnten.

Noch pseudo-»objektiver« kann man Regierungspropaganda kaum noch verpacken. Darauf eine Hoftrompete!

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