Die »Sommerinterviews« von ›ARD‹ und ›ZDF‹ sind im Grunde ein absurdes Ritual. Damit die Spitzenpolitiker auch in der Urlaubszeit, wenn nicht so viel passiert, ausreichend Raum zur Selbstdarstellung im Zwangsgebührenfernsehen bekommen, dürfen sie sich reihum ausführlich über ihre Leib- und Magenthemen verbreiten. Da wird zwar auch mal etwas nachgefragt, aber nicht zu sehr, Ferienzeit ist ja Harmoniezeit.

So wird das jedenfalls bei den Regierungsparteien CDU, CSU und SPD gehandhabt, und bei der grün-linken Lieblingsopposition unserer GEZ-Journalisten sowieso. Für die bösböse AfD, den gemeinsamen Hauptfeind von Medien- und Politik-Establishment, gelten dagegen andere Gesetze: Deren Front­leute müssen »entlarvt«, entweder als »Hetzer« oder als »inkompetent« vorgeführt werden und dürfen nur ja nicht die Gelegenheit bekommen, mit kritischen Aussagen zu ihren Kernthemen bei den Bürgern zu punkten.
Thomas Walde, der Moderator der Hauptstadt-Politiksendungen »berlin direkt« und »ZDF spezial«, ist seit fast einem Vierteljahrhundert beim Zweiten Deutschen Zwangsgebührenfernsehen. Da weiß er natürlich im Schlaf, was von ihm erwartet wird. Beim »Sommerinterview« mit dem AfD-Partei- und Fraktionsvorsitzenden Alexander Gauland hat er jedenfalls mustergültig alle Tricks durchexerziert, die er als öffentlich-rechtlicher Westentaschen-Inquisitor so drauf hat.

Erstens: Den AfD-Chef als Erz-Ketzer der »Klimaschutz«-Religion »entlarven«, der Walde selbstverständlich blind und ohne jeden Zweifel ergeben ist. Da hat allerdings Gauland den Spieß umgedreht und darauf beharrt, dass Politiker, die sich einbilden, Wetter, Klima und Temperaturen steuern zu können, selbst Phrasendrescher und Scharlatane sind.

Zweitens: Die AfD als doof und ignorant hinstellen. Deshalb wurde Gauland, anders als die anderen Interviewgäste davor, nicht zu den Kernthemen seiner Partei befragt, Euro und Energiewende zum Beispiel, sondern zu Digitalisierung, Rentenpolitik und Wohnungsbau. Die Antwort hatte Walde auch gleich mitgebracht und dem Publikum gleich mehrmals eingehämmert: Die AfD habe »keine Alternative für Deutschland«. Was Staatsfunker ebenso für geistreich halten. Gauland hat es ihm da allerdings auch unnötig leicht gemacht, weil er sichtlich unvorbereitet war und darauf verzichtete, die hohlen Phrasen und die Konzeptlosigkeit der anderen Parteien zu attackieren.

Drittens: Den Zuschauern mit dem Holzhammer klarmachen, dass die AfD pfui ist. Dafür waren prompt drei klägliche »Demonstranten« zur Stelle, die mit Buhrufen und winzigen Schildern gegen den AfD-Chef stänkerten. Natürlich hielt die Kamera gleich drauf, und der Ton war trotz der Entfernung wundersam klar. Ein Schelm, wer das für Zufall hält. Walde hatte jedenfalls, wie ein Einbrecher, der »Haltet den Dieb« ruft, auch noch die Dreistigkeit, den sichtlich genervten Gauland zu fragen, ob er die traurige Truppe etwa selbst bestellt habe.

Fazit: Genosse Walde hat seinen Kampf­auftrag erfüllt. Regierung und Hofopposition gebauchpinselt, an der echten
Opposition sein Mütchen gekühlt. Für diese hundertfünfzigprozentige Agitprop-­Planerfüllung bekommt er selbstverständlich die hochverdiente »Goldene Hoftrompete«.

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