Früher war manches doch einfacher. Bekam man mit, dass ein Nachbar oder Bekannter heimlich Feindsender hört, über die Partei herzieht oder gar Zweifel am Endsieg des Sozialismus verbreitet, verpfiff man ihn einfach beim zuständigen Blockwart oder Abschnittsbevollmächtigten, und der sorgte dann schon dafür, dass Miesmacher und Wehrkraftzersetzer aus dem eigenen Umfeld entfernt und aus dem Verkehr gezogen wurden, bevor man womöglich noch selber in Verdacht kam.
Wer heute vermeiden will, dass auch nur der Hauch eines Zweifels an seiner allzeit zuverlässigen Gesinnung auftaucht, muss schon selbst aktiv werden. Praktische Lebenshilfe gibt es von der Münchener »Isar-Prawda«, dem unentbehrlichen Wegweiser in allen Fragen der politisch korrekten Einstellung.
Der neue Schulfreund Ihres 13-jährigen Sohnes ist eigentlich ganz nett, aber Sie verdächtigen seine Eltern wegen so einiger nicht linientreuer Äußerungen, womöglich AfD zu wählen, und Sie wollen mit solchen Merkel-Feinden nichts zu tun haben? Die Experten der ›Süddeutschen Zeitung‹ wissen Rat: Erklären Sie Ihrem Sohn, dass die richtige Haltung wichtiger ist als Klassenkumpels, stellen Sie die Verdächtigen zur Rede, wie Sie dazu kommen, so undenkbare Meinungen zu haben, machen Sie Ihrem Junior klar, dass man mit so was nicht an einem Tisch sitzt.

Ja, da ist er wieder, der gute alte Denunziantengeist. Wem das suspekt ist, der soll mal lieber aufpassen, worüber er mit seinen Kindern spricht. Oder mit den Eltern von dessen Schulfreunden. Die Blockwarte und Linientreuen mit der ›Süddeutschen‹ unterm Arm kriegen ja doch alles raus. Und zögern auch nicht einzuschreiten.
Anderswo plagt man sich schon auch damit, wenn die Untertanenpflicht, sich von allen Bösmenschen mit Abscheu abzuwenden, plötzlich auch Familienmitglieder erfasst. Hilfe, was soll ich machen, wenn meine eigene Mutter was »gegen Ausländer« sagt, jammert einer im ›SZ-Magazin‹, mein Bruder wählt AfD, und ich weiß nicht, wie ich damit umgehen soll, »wir müssen reden«, bettelt einer in ›bento‹, dem Stuhlkreis-Magazin für die unerwachsene ›Spiegel‹-Klientel.
Aber keiner verteidigt die politisch korrekte Filterblase so unbeirrt wie die ›Süddeutsche Zeitung‹. Dafür gibts die Goldene Hoftrompete – mit der großen Kundschafter-Verdienstmedaille noch obendrauf.

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