Die Regierungs-Schoßhündchen vom GEZ-Staatsfunk wissen schon ganz genau, was die Hand, die sie so großzügig mit Zwangsgebühren füttert, von ihnen erwartet. Sitzt die Kanzlerin bei ihnen im Studio, spielen sie den devoten Stichwortgeber, lassen das hohe Tier unwidersprochen Banalitäten und Widersprüche ausbreiten und sonnen sich in Frauchens Huld.
Wenn sie aber mitbekommen haben, dass die Herrin im Kanzleramt ihren aktuellen Studiogast nicht leiden kann, dann wird der stur und eifrig verbellt. Selbst wenn er auch Bundeskanzler und Regierungschef eines freundlichen Nachbarlandes ist, mit dem wir uns gar nicht im Krieg befinden. Oder sie versuchen es jedenfalls. So wie Sandra Maischberger, die sich in ihrer Sendung eine Stunde lang vergeblich abmühte, den neuen österreichischen Regierungschef Sebastian Kurz als verkappten »Populisten«, Trump-Versteher oder jedenfalls irgendwie »Nazi« zu entlarven.
»Kanzler Kurz – Wunderknabe oder politischer Scharfmacher«, nannte Maischberger ihre Sendung, damit auch ja jeder kapiert, worauf sie hinauswill. Mal patzig, mal oberlehrerhaft, ständig ins Wort fallend und garniert mit denunziatorischen »Einspiel«-Filmchen arbeitete die Regierungsfunkerin brav ihren inquisitorischen Fragenkatalog ab, so wie sie es vom Abfertigen bundesdeutscher »Rechtspopulisten« nun mal gewohnt ist: Was er über Trump denkt? Und Putin und Merkel? Und dass sein Koalitionspartner Heinz-Christian Strache und seine FPÖ ganz, ganz böse sind?

Aber dieser Sebastian Kurz ist einfach zu clever und zu gut erzogen, um auch nur in eine von Maischbergers simplen Fallen zu tappen. Da hilft auch nicht weiter, dass sie zum Schluss noch den grünen Altkommunisten Jürgen Trittin zur Verstärkung dazuholt, damit der dem Jungspund ein schlechtes »Flüchtlings«-Gewissen macht.
Jedoch ohne Erfolg. Kurz redet einfach weiter von Zukunft, Politik, Problemen und Lösungen, statt das Phrasenschweinchen zu füttern. Und lässt Maischberger, Trittin und die ganze polit-mediale Nomenklatura, für die sie stehen, dabei ganz schön alt aussehen.
Ein Reinfall also, eigentlich. Zum Glück kam die Sendung so spät, dass nicht allzu viele mitbekommen haben dürften, dass Bundeskanzler auch eloquent und glaubwürdig sein können. Aber weil Frau Maischberger sich so angestrengt und tapfer keine Blamage gescheut hat, um es ihren Stöckchenwerfern recht zu machen, bekommt sie für diese Sternstunde der Peinlichkeit trotzdem die verdiente »Goldene Hof­trompete«.

Drucken