Die Goldene Hoftrompete für den Monat Juli geht an:

›Bild‹ – ganz wunderbar! Ja! Ja! Ja!

Das war wieder eine Woche, in der die Hoftrompeten nur so schmetterten. Wenn die Kanzlerin ihre Figuren nicht nur nach dem legendären »Peter-Prinzip« bis zur Stufe ihrer maximalen Unfähigkeit befördert, sondern noch ein ganzes Stück darüber hinaus, will schließlich keiner nörgelnd abseits stehen.

Die Begeisterungsstürme in den linientreuen Leitmedien waren folglich programmiert, als in derselben Woche erst die in zwei Legislaturperioden komplett gescheiterte Selbstverteidigungsministerin Ursula von der Leyen mit gerade einmal neun Stimmen Mehrheit vom Europäischen Parlament als Chefin der EU-Kommission bestätigt wurde und gleich darauf auch noch kundgetan wurde, dass die auch nicht eben mit politischer Fortune gesegnete CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer künftig als Oberkommandierende der Bundeswehr das von der frischbeförderten Amtsvorgängerin angerichtete Desaster vollenden darf. Wäre ja noch schöner, wenn die Armee auf einmal von jemandem geführt würde, der Ahnung von Militär und Sicherheitspolitik hat.

Bei der ›Bild‹-Zeitung jedenfalls sind angesichts dieses Feuerwerks die letzten Sicherungen durchgebrannt. »Ja! Ja! Ja! Ursula!«, stöhnt da die Onlineredaktion in höchster Extase, und die Print-Ausgabe vom 17. Juli jauchzt ein nicht minder verzücktes »Wunderbar, Ursula!” dazu. Vize-Chefredakteur Paul Ronzheimer schleimt in seiner nur mühsam als »Bericht« getarnten Lobeshymne unter dem Motto »Europa steht ihr gut«, und sein Chef Julian Reichelt preist die »Rede ihres Lebens«, die von der Leyen vor dem EU-Parlament gehalten habe.

Damit meint er die unsägliche Anbiederungsvorstellung in drei Sprachen, mit der die Kandidatin Grünen, Linken, Sozialisten und Euromanen alle möglichen Versprechungen zulasten Deutschlands gemacht hatte, um sich jede nur mögliche Stimme zu sichern, und sich noch weiter links positioniert hatte, als die CDU ohnehin schon steht. Oder lag es doch am »Glücks-Blazer«, den die ›Bild‹-Modeexperten an ihr entdeckten? Untertanenherz, was begehrst du mehr!

Um dieses Meisterstück an politischem Panegyrikos hinzubekommen, musste ›Bild‹ allerdings erst einmal eine halsbrecherische Kehrtwende hinlegen. Anfangs hielt das Blatt nämlich noch zum abgemeierten »Spitzenkandidaten« Manfred Weber von der CSU; so könne die Kanzlerin doch »mit Wählerstimmen nicht umgehen«, hieß es gerade einmal zwei Wochen vor von der Leyens knapper Wahl. Da war wohl ein Anruf bei Merkel-Freundin Friede Springer fällig, um die ›Bild‹-Truppe wieder auf Kurs zu bringen.

Aber die parierte dann prompt und stimmte das verdrossene Wahlvolk mit allen Boulevard-Registern auf Begeisterung für »Flinten-Uschi« ein: Süße Kinder- und Jugendbilder, getrickste Umfragen, SPD-Bashing, Lob für von der Leyens Abstinenzlertum, Diät-Disziplin, Mehrsprachigkeit, Pferde-, Hochzeitsbilder und ihre musizierenden Kinder, das volle Programm. Da müssen wir neidlos zugeben: Wer so prompt, geräuschlos und effizient sein Fähnchen in den gerade aus dem Kanzleramt wehenden Wind hängt, der hat sich seine Goldene Hoftrompete nun wirklich wacker verdient.

Die Konkurrenz war diesmal übrigens besonders hart. Im anderen Merkel-Hofblatt, der ›FAZ‹, gab sich die Redaktion alle Mühe, um aus der glücklosen CDU-Chefin und Möchtegern-Kanzlerin Kramp-Karrenbauer, die das Verteidigungsministerium als Zwischenparkplatz und Karrieresprungbrett missbrauchen darf, doch noch eine Führungskraft zu basteln, die »fachlich in der Lage« ist, jedes Ministerium zu leiten, und die nicht etwa eine »Zumutung« ist, sondern selbstverständlich »eine Chance für die Bundeswehr«. Aber keine Bange, liebe ›FAZ‹-Kollegen, ihr seid auch bald wieder dran. (fh)

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