Was ein rechter Hoftrompeter ist, der weiß immer ganz genau, woher der Wind weht und was die Herrschenden gerne hören wollen. Wer könnte diese Kunst besser beherrschen als Julian Reichelt, Chefredakteur der Digital- und seit Neuestem auch der Print-Ausgabe von ›Bild‹, dem Kampfblatt für die freilich schrumpfenden Massen aus dem Verlagshaus von Merkel-Busenfreundin Friede Springer.

Putin und Assad, die Präsidenten Russlands und Syriens, sind derzeit die angesagten bösen Buben, hat Revolverfeder Reichelt aus den allerhöchsten Chefetagen vernommen, also feuert er gegen die beiden, was die Rohre hergeben. Es sei »absurd, das als Wahl zu bezeichnen«, höhnt er über die Wiederwahl Wladimir Putins zum Präsidenten der Russischen Föderation.

Putin ist für ihn der »Feind«, muss »geächtet« werden, der »Westen« ist dem Julian, der von seinem Schreibtisch aus wohl am liebsten mal wieder in Russland einmarschieren würde, »beschämend« und »schwächlich«, und weil ein guter Kettenhund immer schärfer ist und lauter kläfft als Herrchen oder Frauchen, kritisiert er forsch sogar die Kanzlerin, weil sie überhaupt elementare diplomatische Umgangsformen einhält und Putin zur Wahl gratuliert hat, ohne pampig zu werden wie bei Donald Trump.

Journalistische Skepsis ist Reichelt nämlich fremd, wenn er so richtig am Kriegshetzen ist. Dass kein anderer als Putin an dem dubiosen Giftgasanschlag auf einen russischen Emigranten in London schuld ist, steht für ihn auch ohne Fakten fest; so macht er sich gleich auch noch zur Hoftrompete der britischen Regierung. Mit dem frustrierten russischen Putin-Gegner und Ex-Schachweltmeister Garry Kasparow hat er sich einen ähnlich grobkörnigen Hilfshetzer an Bord geholt.

Kaum ein Tag, an dem Julian Reichelt nicht den syrischen Präsidenten Assad als monströsen Blutsäufer hinstellt, der sein eigenes Volk mit Giftgas und Bomben ausrottet, Kinder abschlachtet und Krankenhäuser bombardiert. Mit dabei natürlich wieder Erzbösewicht Putin. Dass die syrische und russische Armee in Ost-Ghouta gegen islamistische Radikalinskis vorgehen, die die Region seit Jahren terrorisieren, kommt in Julian Reichelts Weltbild natürlich nicht vor.

Und über die Islamisten-Verbündeten von Merkel-Spezi Erdoğan, die das nordsyrische Afrin in einem völkerrechtswidrigen Säuberungskrieg erobert haben und dort plündern und hausen wie die Axt im Wald, während der »Westen« achselzuckend wegschaut, verliert er natürlich auch kein Wort. Brav verbellt, Julian. Dafür gibts einen extragroßen Knochen – und natürlich die Goldene Hoftrompete.

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