Die Goldene Hoftrompete für den Monat Mai geht an:

Hans-Ulrich Jörges, der ›Stern‹-Prophet des Polit-Gottes Robert Habeck

Bedauernswerte Sozis. Mühsam mussten sie sich ein riesiges Zeitungsimperium zusammenkaufen, damit wenigstens die eigenen Zeitungen öfter mal etwas Positives über die trostlose Ex-Volkspartei schreiben. Wofür die »Spezialdemokraten« mal viel Geld ausgegeben haben, fällt den glücklichen Grünen einfach so im Schlaf zu: Ganze Presseorgane, die ihnen in treuer Liebe hundertprozentig ergeben sind und an schmalztriefender Heiligenverehrung raushauen, was Tastatur und Druckerpresse nur hergeben.

Den ›Stern‹, so scheint es, hat der grüne Liebesrausch besonders heftig erwischt. Gefühlt vergeht kaum noch eine Woche, ohne dass ein Jubel- oder Heldenstück über die Grünen und ihr Leitungspersonal erscheint. Mit Führerkult kennt er sich halt aus, der ›Stern‹.

Schon im Januar ein Brevier mit zehn Fakten über Habeck, den das Magazin gleich zu einem der »beliebtesten Politiker des Landes« ausruft. Zuletzt dann, mit deutlich erhöhter Schlagzahl, erst ein Doppelporträt über die beiden grünen Parteichefs Robert Habeck und Annalena Baerbock, die der ›Stern‹ uns im Rosamunde-Pilcher-Stil als Traumpaar beim seligen Tanz ins Glück präsentiert.

Gleich darauf legt Kolumnist Hans-Urich Jörges nochmal eins drauf: »Bundeskanzler Robert Habeck«, das möchte er wenigstens im eigenen Blatt lesen. Schließlich hat er Habeck und Baerbock schon bei ihrer Wahl vor über einem Jahr zu kommenden Lichtgestalten ausgerufen: »Grün frisst Rot.« Als »Herr Ehrlich« hat er ihn gefeiert und jede seiner Kapriolen mitgemacht: Habeck pfeift auf ›Twitter‹? »Wo Habeck ist, ist vorn.« Jetzt wird’s dann aber auch mal Zeit.

Kein Zweifel: Robert Habeck ist ein Polit-Gott, und das nicht nur für den ›Stern‹, sondern für die ganze mediale Grünen-Verehrerschar. Aber Hans-Ulrich Jörges ist sein Prophet oder möchte es wenigstens sein. Wie er gezittert hat, dass die Umfragewerte der Grünen wieder einbrechen könnten, nachdem auch Habeck seine Begeisterung für Enteignungen kundgetan hat. Puh, noch mal gutgegangen. Die Deutschen schlucken inzwischen offenbar jede sozialistische Zumutung. Dann sind sie auch reif für einen grünen Kanzler, und wer sonst könnte das sein, wenn nicht Robert I.

Sein getreuer Paladin Jörges verordnet uns dafür schon mal »Neues Denken«, aber dalli: »Große Koalition heißt heute CDU/CSU plus Grüne« – »Grün ist die Zeit« – »Habeck kann auch Kanzlerkandidat.« Noch Fragen? Also wegtreten und Grüne wählen.

Mit Zweifeln und Nachdenken hält Jörges sich gar nicht erst auf. Waren die Grünen 2013 nicht auch schon Umfragekönige und landeten dann bei bescheidenen acht Prozent? Wie war das mit Gottkanzler Schulz, den Jörges auch eifrig mit herbeizuschreiben versucht hatte und dann fallen ließ wie eine heiße Kartoffel? Ach was, die Sozis sind für Jörges genauso erledigte Fälle wie die amtierende Kanzlerin, zu der seine Liebe mit dem Scheitern von »Jamaika« doch recht rasch erkaltet ist.

Für solche Überlegungen hat Hans-Ulrich Jörges auch gar keine Zeit mehr. Er ist ja eigentlich bereits in Pension, schreibt aber trotzdem noch tapfer seine Kolumnen und bläst die Hoftrompete jetzt schon für die Herrscher von morgen. Wenn das keine Auszeichnung wert ist! (fh)

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