So richtig prickelnd war es ja noch nie, was die ZDF-Moderatorin in ihrer Donnerstags-Schwatzrunde so serviert hat: Wohlfühl-Konsenssoße mit den üblichen Verdächtigen aus dem etablierten Parteien-Personal als Hauptzutat, gerne mit Figuren aus der zweiten Reihe und nur ganz selten gewürzt mit echten Oppositionspolitikern, die dann sicherheitshalber – wie neulich AfD-Vize Beatrix von Storch – schon mal separiert von den anderen am Katzentisch stehen müssen.
Seit der Bundestagswahl kennt die Ödnis allerdings keine Obergrenze mehr. »May­brit Illner« ist zur Dauerwerbesendung für die »Jamaika«-Koalition mutiert, in der Schwarze, Grüne und Gelbe schon mal das Regierungskuscheln üben und die Bürger darauf einstimmen dürfen, welche Wahlversprechen sie in die Tonne treten würden, damit Mutti weiterregieren kann und die ausgehungerten Vorturner der Besserverdienerparteien FDP und Grüne auch mal an die Fleischtöpfe kommen.

In jeder zweiten Sendung sitzt Lindner-­Vize Wolfgang Kubicki dabei, der seine Großmutter und das FDP-Wahlprogramm sowieso für einen Ministersessel verkaufen würde; für die Grünen waren von Kirchentags-Katrin Göring-Eckardt bis K-Gruppen-Jürgen Trittin auch schon alle da, und von CDU und CSU findet sich immer einer, der beteuert, dass das mit der »offenen rechten Flanke« schon nicht so gemeint ist und alle im Grunde doch dasselbe wollen: »Sozial« und »gerecht« sein sowieso, auch wenn die bockige SPD das gern für sich gepachtet hätte, das »Klima« retten bitte auch, und irgendwie »Ordnung« soll bei der Einwanderung schon herrschen, auch wenn weiter jeder rein darf.
Für diese Bürgereinschläferung in Endlosschleife ist Maybrit Illner die Idealbesetzung. Dass die Ost-Berlinerin mal SED-Mitglied war und das Fernseh-Handwerk im »Roten Kloster« gelernt hat, stand ihrer Nach-Wende-Karriere nicht im Wege. Warum auch; wer unter direkter Aufsicht der Abteilung Agitprop des ZK der SED die Rotlichtbestrahlung an der »Sektion Journalistik« der Leipziger Karl-Marx-Uni durchlaufen hat, der zentralen Journalisten-Kaderschmiede der »DDR«, weiß schließlich, wie es die Mächtigen gerne haben. Besonders, wenn sogar die Kanzlerin selbst mal Agitprop-Sekretärin war. Gelernt ist eben gelernt; und willige Hoftrompeter werden bekanntlich immer gebraucht.

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