Ihre Majestät, die Kanzlerin – Hurra! Hurra! Hurra! Auf so treue und ergebene Untertanen wie Rudolf Thiemann, den Präsidenten des Verbandes Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ), wäre selbst Kaiser Wilhelm noch stolz gewesen.

An der diesjährigen »Publishers‘ Night« am 5. November geht für Thiemann ein feuchter Traum in Erfüllung: Da darf er nämlich der besten Kanzlerin aller Zeiten die »Ehren-Victoria« des Verbandes in Wertschätzung ihrer »politischen Gesamtleistung« über­reichen. Hurra! Victoria!

Seit‘ an Seit‘ steht die Kanzlerin dann in einer Reihe mit »würdigen Ver­tretern der Pressefreiheit« und herausragenden Persönlichkeiten des freien Unter­nehmertums, die sich ebenfalls über so eine »Victoria« freuen dürfen. Etwas seltsam klingt das allerdings schon, sind das doch allesamt Dinge, mit denen Angela Merkel, gelernte FDJ-­Sekretärin und Idol aller Öko-­Sozialisten, eher weniger am Hut hat.

Aber wir wollen nicht meckern und miesmachen; nervige kritische Journa­listen, die an den Regierenden dauernd herumnörgeln müssen und dafür im Ausland gefeiert werden und in der Heimat schon mal im Gefängnis landen, brauchen wir hier bei uns ja wohl nicht. Unser aller Kanzlerin ist schließlich kein Trump und auch kein Putin oder Erdogan. Sollen die sich doch mit solchen Quälgeistern herumärgern.

Wir leben dagegen im besten Deutschland, das es je gab. Deutschland steht unter der erhabenen Kanzlerschaft Angelas der Alternativlosen »heute als ein Land da, von dem Grenzen überschreitend wirtschaftliche Stärke und Demokratie strahlen«.

Notwendiger denn je und nicht genug zu preisen »in einer offenkundig schwierigen und riskanten politischen Gegenwart sowie absehbaren Zukunft« sind nämlich »Bedacht, Führungsstärke und moralischer Kompass, wie von Dr. Angela Merkel gelebt«. Ihre Leistungen seien »ein unersetzlicher Betrag für eine pluralistische Gesellschaft, geprägt von Meinungsfreiheit und freier Presse«.Sagt jedenfalls, ganz ohne Ironie, der Verband Deutscher Zeitschriftenverleger, und der muss es schließlich wissen, denn die in ihm zusammengeschlossenen Medienschaffenden sind ja, in aller Bescheidenheit, selbst »unverzichtbarer Leuchtturm des Journalismus, Garant der unternehmerisch getragenen, freien Presse und prägender Bestandteil unserer Gesellschaft«.

Sogar zur Schirmherrin seiner »Deutschlandstiftung Integration« hat der VDZ die Bundeskanzlerin schon gemacht. So innig ist das Band, das Zeitschriften­verlage und Regierungschefin umschlingt – hat da ein böser Schelm »Staatspresse« gesagt? –, dass niemand berufener ist, sie mit ehrendem Lorbeer zu bekränzen, als eben Verlegerpräsident Rudolf Thiemann. Nochmals: Hurra! Victoria!

Für diese bedingungslose Loyalität hat der ergebene Untertan Ihrer Majestät selbst eine Auszeichnung verdient. Wir stehen nicht an, sie ihm zu überreichen: Wer so in Treuen fest zu seiner Herrscherin steht, der hat die »Goldene Hoftrompete« mehr als verdient. Hurra! Hurra! Hurra!

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