Die Niedersachsen-Gang

Niedersachsen gilt als Rückzugsgebiet der »Miris«, eines berüchtigten Familien-Clans, dessen Name immer wieder auftaucht im Zusammenhang mit Drogenhandel, Schutzgelderpressung, Zuhälterei und Waffenhandel. Es gibt aber noch eine Bande in Niedersachsen, eine Polit-Mafia.

Sie bereitet gerade den Sturz der SPD-Partei- und Fraktionsvorsitzenden Andrea Nahles vor. Was in der CDU der geheimnisumwitterte »Anden-Pakt« ist, das ist in der SPD die »Hannover-Connection«. Ihr Boss heißt Gerhard Schröder und dürfte allgemein bekannt sein.

Vorläufer der SPD-Niedersachsen-Gang war die einstige »Maschsee-Mafia«. Die ist lange tot, aber noch immer ranken sich Legenden um die Zeit, als sich Politiker und Unternehmer zum »Krökeln« (Tischfußball) auf den von Zigarrenrauch geschwängerten Kellerpartys des schillernden Rechtsanwalts Götz-Werner von Fromberg trafen, dem auch eine Nähe zum Rocker-Milieu nachgesagt wurde.

Oder man nahm gemeinsam Platz in der VIP-Lounge von Hannover 96. Schröder, damals noch Ministerpräsident in Niedersachsen, zählte zur »Maschsee-Mafia« – aber auch Klaus Meine, Frontmann der »Scorpions«, und nicht zu vergessen der Milliardär Carsten Maschmeyer, Gründer der AWD-Drückerkolonnen und seit 2014 verheiratet mit der »Schauspielerin« Veronika Ferres.

Damals, beim Tischfußball, war die Rede von »Blutsbande« und »Erbfreundschaften«, die Schröder weitergab. Zum Beispiel an seinen damaligen Büroleiter, Frank-Walter Steinmeier (heute Bundespräsident); an Siegmar Gabriel (Ex-SPD-Chef, Ex-Außenminister und womöglich wieder ein kommender Mann in der SPD); an den niedersächsischen Ex-Kultusminister Thomas Oppermann (heute Bundestags-Vize).

Mit von der Partie war gelegentlich auch der smarte Belà Anda. Schröders Ex-Regierungssprecher heuerte vorübergehend als AWD-Pressechef bei Maschmeyer an und ist heute PR-Berater in Hannover. Man saß gemeinsam in der Markthalle von Hannover zu Tisch, wo wichtige politische Entscheidungen beim Mittagessen besprochen wurden.

Blutsbande: Altkanzler Gerhard Schröder, Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, Ex-SPD-Chef Sigmar Gabriel, Bundestags-Vize Thomas Oppermann

Zur mächtigen SPD-Niedersachsen-Gang gehören, auch wenn sie sich geziert haben sollen, Ministerpräsident Stephan Weil und Landesinnenminister Boris Pistorius. Dessen Lebensgefährtin, Ex-Kanzlergattin Doris Schröder-Köpf (Landesbeauftragte für Migration), dürfte im Hintergrund ein Wörtchen mitzureden haben.

Die Niedersachsen-Gang ist gut vernetzt. Speerspitze ihrer »Fünften Kolonne« in den Mainstream-Medien sind die leitenden ›Bild‹-Redakteure Rolf Kleine und Hans-Jörg Vehlewald. Kleine, ein gebürtiger Osnabrücker, schrieb zusammen mit Belà Anda eine Schröder-Biografie. Bei ›Bild‹ hat er (vorsorglich?) gekündigt, weil ihm die politische Richtung des Blattes nicht mehr passe. Wer weiß, vielleicht warten bereits höhere (SPD-)Weihen auf ihn? Vehlewald war einmal Landeskorrespondent des ›Spiegels‹ in – Hannover! Beide Journalisten zeichnen als Autoren eines Artikels, der neulich in der ›Bild‹-Zeitung erschien. Ein Schelm, der an Z wie Zufall dabei denkt. (oys)

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