Ein Gastbeitrag von Matthias Matussek:

Die Polizei und der Müll

Die Kolumnistin der linksextremen ›taz‹ Hengameh Yaghoobifarah fordert von den »Berufsunfähigen« Polizeischutz an

Die deutschiranische Autorin Hengameh Yaghoobifarah hat ein Problem. Dem Vernehmen nach hat sie Polizeischutz angefordert, weil sie an Leib und Leben bedroht wird. Nun ist ihr Verhältnis zu den Ordnungskräften, um es euphemistisch zu sagen, eher angespannt, und das hängt direkt mit dem Anlass zusammen, der zu den Anfeindungen geführt hat.

In einer Kolumne unter dem Titel »All cops are berufsunfähig« hatte die in Kiel aufgewachsene Deutschiranerin Hengameh Yaghoobifarah in der ›taz‹ über die Verwendung der Polizei nachgedacht. »Spontan fällt mir nur eine geeignete Option ein: die Mülldeponie. Nicht als Müllmenschen mit Schlüsseln zu Häusern, sondern auf der Halde, wo sie wirklich nur von Abfall umgeben sind. Unter ihresgleichen fühlen sie sich bestimmt auch selber am wohlsten.«

Das kloppte sie in ihren Computer, nachdem die Polizei gegen die Plünderungen in der Stuttgarter Innenstadt vorgegangen war. Offiziell hieß es, dass die »Party und Event«-Jugend nach einer Drogenkontrolle ausgetickt war, sich plötzlich schwarz vermummte und Steine in Schaufenster warf, und die übrigen triumphierten über die unverhofften Schnäppchen in den Schaufensterauslagen mit dem traditionellen schwäbischen Gaudigruss »Allahu Akbar«.

Yaghoobifarah fand die Intervention der Polizei offenbar rassistisch. Nun hat sie ohnehin kein ganz unkompliziertes Verhältnis weder zu ihrem Land noch zu ihrem Geschlecht. Was Letzteres angeht, bezeichnet sie sich als »nicht binär«, was in der momentanen Verfallsstufe unserer Zivilisation bedeutet, dass sie sich nicht entscheiden kann, ob sie Mann oder Frau ist. Was das Verhältnis zum Land der »Kartoffeln« angeht, hat sie sich jedoch in schönster Eindeutigkeit geäußert. Sie mag ihm nicht angehören. Im Gegenteil. Sie gab ein Buch heraus mit Aufsätzen migrantischer Autoren, die ticken wie sie, das den Titel trägt: »Eure Heimat ist unser Albtraum.«

Hm. Nun gäbe es natürlich für eine »nicht binäre« Krawallnudel wie Yaghoobifarah in Teheran sicher Willkommensgrüße und geöffnete Arme. Vielleicht sollte sie diese Option einfach mal erwägen?

Sogar in der sonst nicht zimperlichen ›taz‹ (ich wurde dort einst zur Vergewaltigung durch schwule Männer empfohlen) ahnte man, dass mit diesem Aufruf zur Missachtung der Menschenwürde eine Grenze überschritten war. Yaghoobifaras ›taz‹-Kollegin, die verlässliche Veteranin aus Strassenkampfzeiten Bettina Gaus, kannte ihre Pappenheimer*In und warf der Kollegin Kalkül vor – sie habe es mit ihrer Provokation auf »clickbaiting« angelegt, also auf möglichst viele Kunden, die das Zeug anklicken.

Da Yaghoobifaras Verachtungssuada im Zusammenhang mit der Stuttgarter Krawallnacht besondere Brisanz erfuhr, ging die Rechnung auf. Selbst die »Tagesthemen« beschäftigten sich mit ihr, Bundespräsident Steinmeier empörte sich über das Wort »Entsorgung«, Yaghoobifarah war plötzlich bundesweit eine Nummer. Dabei muss man ihr dankbar sein, denn sie hat ganz unverblümt einen Trend sichtbar gemacht: die Verachtung, die unseren Ordnungskräften entgegenschlägt, eine Verachtung, die tatsächlich staatstragend geworden ist, seit die einstige Linke in höchste Staatsämter aufgestiegen ist. Da ist Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, in seiner Jugend wegen Linksradikalität vom Verfassungsschutz beobachtet, der nach dem Mord in Chemnitz durch zwei »Flüchtende« das Konzert »Rock gegen rechts« organisieren lässt, auf dem die Gruppe »FeineSahneFischfilet« (auch unter Beobachtung des Verfassungsschutzes) Sachen raushaut wie »Die Bullenhelme, sie sollen fliegen. Eure Knüppel kriegt ihr in die Fresse rein …«. Seine SPD-Vorsitzende Saskia Esken sieht in unserer Polizei einen »latenten Rassismus« und um diesen zu bekämpfen, hat der Berliner Senat soeben beschlossen, dass Polizisten nach einem neuen Antidiskriminierungsgesetz zu beweisen haben, dass sie, etwa bei Ausweiskontrollen, nicht diskriminieren. Wohlgemerkt, hier liegt die Beweislast nicht bei dem Verdächtigen, sondern beim Polizeibeamten.

Immer offensichtlicher wird, dass die »Antifa« überall dort zuschlägt, wo Ordnungskräfte geschwächt sind. Das war bei den G20-Randalen in Hamburg der Fall, wo Autos abgefackelt, Betonplatten geschmissen, Stahlkugeln geschleudert und Dutzende Beamte teils lebensgefährlich verletzt wurden, und die Linke Katja Kipping in die Mikrofone sprach: »Linke üben keine Gewalt aus.« Als ich auf einer Kundgebung gegen die Kanzlerin und ihre sorglose Einwanderungspolitik sprach, waren 10.000 »Antifas« erschienen, die mit entsprechend großem Polizeiaufgebot daran gehindert werden mussten, uns 180 Bürger zu Brei zu hauen, einer wurde dennoch krankenhausreif getreten. Die grüne Vizebürgermeisterin bedankte sich anderntags bei Event- und Partyrevolutionären für ihren demokratischen Einsatz. Wenn so viel Segen von oben kommt, wer mag sich da entziehen, wenn er nicht gerade einem Beruf nachgeht. Aus unzähligen Fördertöpfen bezieht die »Antifa« »Staatsknete«, und die Grüne Renate Künast verlangt eine dauerhafte Finanzierung der »Antifa«, sie hält es für unwürdig, dass diese immer erneut beantragt werden muss.

Nach den Plündereien und Protesten in den USA in der Folge der Tötung des Schwarzen George Floyd erwägen einige Communities tatsächlich, ganz auf die Polizei zu verzichten und diese durch Sozialarbeiter und Therapeuten zu ersetzen. Eine Anregung, die den geplünderten Ladenbesitzern, die vor dem wirtschaftlichen Bankrott stehen, nicht gefallen dürfte, die rechnen doch wohl eher mit massivem Schutz.

Doch auch unsere tapfere nicht binäre Autor:In Hengameh Yaghoobifarah denkt derzeit wahrscheinlich darüber nach, ob sie die auf den Müll gewünschte Polizei nicht doch schnellstens von dort zurückkomplimentiert, da sie in der Gefahrensituation, in der sie sich dem Vernehmen nach befindet, mit Therapeuten eher wenig anfangen kann.

Die können in ihrem Falle – sie leidet eingestandenermaßen unter Depressionen – durchaus sinnvoll sein, aber hier würde ich sagen: ein Schritt nach dem anderen.

Matthias Matussek

ist preisgekrönter Reporter und Bestsellerautor, war 26 Jahre lang für den ›Spiegel‹ tätig, bis er sich 2014 entschloss, das Neue zu wagen – er wechselte zu Springers ›Welt‹. Doch dort spürte er schnell, wie sehr ideologische Haltungen und die freiwillige Selbstzensur einer neuen Generation von Journalisten die Presselandschaft verändert haben: Die Zusammenarbeit wurde nach siebzehn Monaten beendet. Seither arbeitet er als freier Autor u. a. für die ›Weltwoche‹, den ›Focus‹ sowie ›Tichys Einblick‹ und den Deutschland Kurier

print