Adventskranz, Christbaum, Krippe: Unsere Traditionen zur Advents- und Weihnachtszeit

Weihnachten – kein anderes Fest im Jahreslauf hat solch eine Fülle von Bräuchen und eine solche Vielfalt des Feierns hervorgebracht. Im deutschen Sprachraum haben christliche Überlieferung, kirchliche Predigt und die spezifischen klimatischen Verhältnisse Mitteleuropas die konkrete Gestalt der deutschen Weihnachtsbräuche geformt. Ein wichtiger Faktor: Die Feier der Geburt Christi fällt bei uns in die dunkle und kalte Jahreszeit. Die Winterruhe der Natur und die langen Nächte brachten den Menschen nach den arbeitsintensiven Sommer- und Erntemonaten eine Zeit der Ruhe und Erholung. Zum Schutz vor der Kälte rückte man in den wärmenden vier Wänden zusammen, mangels äußerer Aktivität richtete sich der Blick wie von selbst nach innen. Innerlichkeit und gemeinsames, meist häusliches Feiern sind auch heute noch prägend für die Bräuche der Advents- und Weihnachtszeit, deren wichtigste hier vorgestellt werden:

Der Adventskranz gehört zum typisch deutschen Brauchtum. Der evangelische Theologe und Erzieher Johann Hinrich Wichern führte ihn 1839 in Norddeutschland ein, um armen Kindern die Wartezeit auf Weihnachten zu verkürzen. Der Wichern’sche Adventskranz bestand aus einem alten Wagenrad sowie 20 kleinen Kerzen (für die Werktage) und vier großen (für die Sonntage). Jeden Tag bis zum 24. Dezember wurde eine weitere Kerze angezündet. Seit etwa 1860 wird der Adventskranz aus Tannengrün gefertigt, man ging auch dazu über, ihn auf die vier Kerzen für die Sonntage zu beschränken. Zunächst in evangelischen, dann auch in katholischen Kirchen beheimatet, ist der Adventskranz heute in den Wohnzimmern ein fester Bestandteil der vorweihnachtlichen Dekoration und Sammelpunkt für das gemeinsame Lesen, Singen oder Musizieren in der Vorweihnachtszeit.

Der heilige Nikolaus als Geschenkebringer am 6.Dezember ist schon seit dem späten Mittelalter belegt. Auf einen Bischof von Myra aus dem 4. Jahrhundert zurückgehend, entwickelte sich die Gestalt des heiligen Nikolaus zu einem Helfer in der Not und gütigen Geber. Als Mittel der katholischen Pädagogik während der Gegenreformation besuchte ein Nikolausdarsteller die Kinder persönlich und befragte sie nach ihrem Katechismuswissen – als Belohnung erhielten die Kinder dann kleine Geschenke. Martin Luther dagegen lehnte die Heiligenverehrung ab und bestand darauf, dass nur der »Heilige Christ« (später zum »Christkind« verniedlicht) am Weihnachtstag die Geschenke zu bringen habe. Der Brauch, sich an Weihnachten gegenseitig zu beschenken, rührt letztlich von dieser konfessionellen Kontroverse her. Heute fungiert der heilige Nikolaus als eine Art Vorbote von Weihnachten, der als Bischof Kindergärten, Schulen und Familien besucht und kleine Gaben überreicht. Die großen Geschenke gibt es dann am Weihnachtstag.

In vielen Familien ist die Haus­musik ein fester Bestand des häuslichen Brauchtums während des Advents. In einer Zeit, in der kaum noch Kenntnisse von Volks- und Kirchenliedern vorhanden sind, gehört die Weihnachtmusik für viele Menschen zum Restbestand des traditionellen deutschsprachigen Liedguts, bei dem sie noch mitsingen können.

Das Frauentragen ist ein katholischer Brauch, der vor allem im alpenländischen Bereich weit verbreitet ist, mittlerweile aber auch andernorts gepflegt wird. Es versinnbildlicht die Herbergssuche von Bethlehem: An den letzten neun Tagen der Adventszeit wird jeden Abend ein Marienbild oder eine Marienstatue von Familie zu Familie weitergegeben, dann versammelt man sich um dieses Bild zum gemeinsamen Gebet.

Das Turmblasen oder Advents­blasen dagegen ist fast ausschließlich in evangelischen Gegenden zu finden: Man möchte gewissermaßen Christus auf der Erde willkommen heißen. Die Adventsbläser – in der Regel Posaunenchöre oder ein Blechblasensemble– befinden sich dabei meist auf Kirchtürmen oder spielen in der Kirche bzw. auf öffentlichen Plätzen wie z.B. Weihnachtsmärkten.

Der Weihnachtsbaum oder Christbaum geht vermutlich auf spätmittelalterliche Mysterienspiele zurück. Herzogin Dorothea Sibylle von Schlesien schmückte im Jahr 1611 erstmals einen Weihnachtsbaum mit Kerzen. Bis ins 18. Jahrhundert war er hauptsächlich an Fürstenhöfen zu finden, dann auch in großbürgerlichen Haushalten und schließlich wurde er auch bei der einfachen Bevölkerung populär, zunächst im evangelischen, dann auch im katholischen Raum. Die mit Lichtern und Schmuck herausgeputzte Tanne oder Fichte ist geradezu zum Symbol für Weihnachten geworden.

Ebenso präsent ist die Weihnachtskrippe, die figürliche Darstellung der Geburt Christi mit dem Kind in der Futterkrippe, Maria und Josef, Ochs und Esel, den Hirten und Königen. Ihre Ursprünge reichen mindestens bis ins Mittelalter und dienten als Veranschaulichung des Weihnachtsevangeliums in einer Zeit, in der ein großer Teil der Menschen weder lesen noch schreiben konnte. In manchen Familien ist es heute noch üblich, dass die Kinder für jede gute Tat, die sie in der Adventszeit vollbringen, einen Strohhalm in die Krippe legen dürfen, sodass das Jesuskind an Weihnachten weich gebettet ist.

Den Heiligen Abend feiern die Familien zuhause. Ein gutes Essen, die Bescherung, das Verlesen der Weihnachtsgeschichte und das Singen von Weihnachtsliedern sind feste Bestandteile der Feier. Auch der gemeinsame Besuch eines Abendgottesdienstes am 24.Dezember – der Christvesper, Christmette oder Christnacht – gehört oft auch unter nicht regelmäßigen Kirchgängern dazu.

Eine Art Abschluss der Weihnachtszeit bildet das Fest der Heiligen Drei Könige am 6.Januar. Angelehnt an den Besuch der »Weisen aus dem Morgenland« ziehen in katholischen Gegenden die »Sternsinger« – als Könige verkleidete Jungen und Mädchen – von Tür zu Tür und sammeln Geld für wohltätige Zwecke. Auf die Tür schreiben sie mit geweihter Kreide die Jahreszahl und die Buchstaben »C + M + B« (für »Christus mansionem benedicat« – Christus segne dieses Haus). Auf diese Weise erbittet man den Segen für das neue Jahr. Die Tage werden nun wieder länger, der Blick richtet sich nach vorn.

QUELLEBild: imago
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