Die SPD schafft sich ab

Klartext des Chefredakteurs

David Bendels

 

 

steht »SPD« seit Neuestem für »Satire-Partei Deutschland«? Wer die Farce der Kandidatensuche für den Vorsitz der einst so stolzen Sozialdemokratie verfolgt hat, könnte schon auf solche Gedanken kommen. Was bislang an potenziellen Nachfolgern für die auf ganzer Linie gescheiterten Andrea »Bätschi« Nahles präsentiert wurde, grenzte jedenfalls schon an Wählerveralberung: allerlei namenlose Linksausleger aus der Provinz, die außer strammer Gesinnung wenig zu bieten haben; ›Twitter‹-Chaot Karl Lauterbach im Doppelpack mit einer Öko-Fundamentalistin; ein paar chancenlose Einzelkämpfer; und nicht zu vergessen Ralf Stegner, der miesepetrige Wählerschreck von der Waterkant, im Duo mit der dauerverwirrten Gesine Schwan, die immer dann hervorgeholt wird, wenn einem zur SPD partout nichts mehr einfällt oder auch einfach sonst keiner Lust hat.

Die Professorin mit der Vogelnest-Frisur hatte übrigens Anfang Juni schon als eine der ersten ihre Bewerbung herausgekräht, mit Juso-Chef Kühnert, dem Enteignungs-Kevin, als Wunschpartner. Der fehlt jetzt noch, um das Kandidaten-Karussell des Grauens komplett zu machen.

Satte zweieinhalb Monate hat es nach dem Nahles-Rücktritt am 2. Juni gedauert, bis sich die ersten ernsthaften Bewerber für den SPD-Vorsitz gemeldet haben: erst der niedersächsische Innenminister Boris Pistorius und die im Osten beliebte Petra Köpping; und seit letztem Wochenende als erstes echtes Schwergewicht der Bundesfinanzminister und Vizekanzler Olaf Scholz. Der verbrachte die ersten Tage seiner Kandidatur damit, der Öffentlichkeit mit mehr oder minder hilflosen Ausreden zu erklären, warum er sich nun doch um das Amt bewirbt, gegen das er sich im Juni noch mit Händen und Füßen gewehrt hat, weil er angeblich »keine Zeit« dafür hätte; und außerdem sucht er noch eine passende Co-Kandidatin – klar, der Gender-Quoten-Quatsch macht vor der SPD auch nicht halt.

Mit »Scholz sucht Frau« geht die absurde SPD-Castingshow in die nächste Runde. Retten wird auch Olaf Scholz diese vergeigte Show nicht mehr. Für Franz Müntefering war der SPD-Vorsitz noch »das schönste Amt nach dem Papst«. Aber der war auch noch ein Sozi vom alten Schlag. Richtige Arbeiter und Leute, die wissen, was Maloche, Verantwortung und sich Durchbeißen im wirklichen Leben bedeutet, waren damals schon eine vom Aussterben bedrohte Minderheit in der SPD. Heute sind sie praktisch verschwunden, mundtot gemacht oder zur AfD geflüchtet.

Den Ton in der SPD geben staatsalimentierte Linke und ideologische Betonköpfe an, die grüner als die Grünen und sozialistischer als die Linken sein wollen. Die haben die altehrwürdige Sozialdemokratie erfolgreich zur Ein-Prozent-Partei degradiert und bieten die Reste gerade der SED-PDS-»Linken« ein zweites Mal zur Übernahme an. In ihrem Sektierer-Getto wollen sie auch gar nicht mehr von der Realität und den echten Sorgen der Bürger gestört werden.

Kein Wunder also, dass keiner den Job an der SPD-Spitze haben will. Dabei würde die SPD als Anwalt der kleinen Leute eigentlich dringend gebraucht. Dazu müsste sie allerdings Arbeiter und Mittelschicht, ihre einstige Wählerklientel, gegen Ausplünderung und Entrechtung im Namen von Massenzuwanderung, Klimawahn und Öko-Fundamentalismus verteidigen. So wie die dänischen Genossen, die mit einem solchen Kurs die Trendwende geschafft haben.

Davon wollen die deutschen Sozialdemokraten aber nichts wissen. Ihr Kerngeschäft haben sie kampflos der AfD überlassen. Im Gegenteil, sie hecheln jedem grün-linken Unfug blind hinterher und sind stolz darauf, die Konkurrenz im eigenen Lager noch an Linientreue zu überbieten und sich damit selbst überflüssig zu machen.

Daran würde auch ein Parteichef Olaf Scholz nichts ändern. Er hat keine eigenen Ideen, ihm geht es nur darum, bis zum Schluss in der GroKo zu bleiben, die ja ohnehin nur noch SPD-Politik macht. Die Bundestagsabgeordneten, die vor dem Mandatsverlust beim nächsten Wahl-Schlachtfest zittern, dürfte er damit hinter sich haben.

Ob Scholz damit auch den Rest der Partei überzeugt? Es spielt keine Rolle mehr. Bei der Neuwahl des Parteivorsitzenden Ende des Jahres geht es nur noch darum, ob die SPD sich schneller oder langsamer selbst abschafft. Wir werden gerade Augenzeugen der letzten Tage der deutschen Sozialdemokratie.

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