Die spitze Feder aus Österreich:

Das Angstbeißen des Mainstreams

Johannes Schüller

Ein wahres Gewitter an Skandälchen entlud sich über den Häuptern der Österreicher! Zu Beginn der Woche weckte eine vom FPÖ-Vizebürgermeister Braunaus verfasste, holprige Fabel einen Aufschrei der Bessermenschen. Darin stellte der Autor sich und andere Einwohner Braunaus als Ratten dar, mit spöttischen Versen kommentiert er in Gestalt eines Nagetiers das Migrationsgeschehen in seiner Heimatgemeinde. Dank der auf Dauerempörung gestellten Bässe der Mainstream-Medien sorgte dieses sogenannte Rattengedicht – rund einen Monat vor der EU-Wahl – auch international für Wirbel. Mit dem Rücktritt des literarisch dilettierenden FPÖ-Lokalpolitikers hatten Österreichs Redaktions-Aktivisten ein vorläufiges Etappenziel erreicht. Eben jene Medien, die viele Jahre von roten oder schwarzen Politikern bis hin zur Völlerei mit Regierungsinseraten gefüttert wurden, stürzten sich nun mit umso größerer Leidenschaft auf Facebook-Fettnäpfchen freiheitlicher Funktionäre. Schräg: Nachdem jene »Journalisten« ihre medialen Netzwerke aktiviert hatten, beklagten sie sich über die schlechte internationale Presse, die die schwarz-blaue Regierung dank der FPÖ verursachen würde.

Erstaunlicherweise blieb jedoch mediale Empörung darüber, dass die »Sozialistische Jugend« in Niederösterreich den Geburtstag des marxistischen Massenmörders Lenin feierte, sehr überschaubar. Auch der Umstand, dass linke Politiker Freiheitliche mehrfach als »Ratten« bezeichneten, überforderte offenbar die Arbeitsleistung vieler zur Rettung des Weltgewissens berufenen Redakteure. Den Vogel der Selbstgerechtigkeit schoss indes ›ORF‹-Moderator Armin Wolf ab: In einem Live-Interview konfrontierte er den freiheitlichen Spitzenkandidaten zur EU-Wahl, Harald Vilimsky, mit einem mehr als ein Jahr alten Wahlplakat der FPÖ-Jugend. Der Umstand, dass dort radikale Muslime mit comicartigen Nasen gezeichnet wurden, erinnerte den sich – je nach Gast – bärbeißig oder jovial gebenden Moderator offenbar nicht an ›Asterix‹ oder ›Mickey Mouse‹! Stattdessen konstruierte Wolf eine Ähnlichkeit mit dem antisemitischen NS-Hetzblatt ›Der Stürmer‹ – auch dort wurden die aufs bösartigste Verunglimpften schließlich mit Riechorganen gezeichnet. Die lautstarke Empörung Vilimskys nahm der sich hochnäsig gebende ORF-Moderator offenbar mit ebenso viel Verwunderung auf wie den Umstand, dass sich während seines anschließenden Urlaubs häufig empörte Zuschauer meldeten. Nun hoffen viele Österreicher, dass der stark umstrittene Wolf den ›ORF‹ verlassen muss. Fernab jeder Absurdität zeigt das aktuelle polit-mediale Geschehen vor allem eines: Je näher die EU-Wahl rückt, umso nervöser wird man in den linkslastigen Mainstream-Medien! Denn eine Veränderung der politischen Kräfteverhältnisse würde auch alternative, nonkonforme Medien – wie den ›Deutschland-Kurier‹ oder den ›Wochenblick‹ – noch stärker in den Vordergrund rücken lassen. Die über die Jahrzehnte liebgewonnene Deutungshoheit wäre damit für das Medien-Establishment akut gefährdet.

Johannes Schüller

ist Stellvertretender Chefredakteur der österreichischen Zeitung ›Wochenblick‹.

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