Die spitze Feder aus Österreich:

Seehofers Märchenstunde

Johannes Schüller

»Germany! Germany!«, riefen die tolldreisten jungen Männer rund um das Asyl-Camp Diavata. Mit massiver Gewalt stürmten sie Anfang April gegen die griechische Polizei an, entzündeten Feuer und schleuderten Wurfmaterial auf die Beamten. Besonders aussagekräftig: Auf einem der zahlreichen Videos zu den tagelangen Aufständen sind zwei Migranten-Männer dabei zu sehen, wie sie ein Kind als menschlichen »Rammbock« gegen Polizeischilde missbrauchen. Unwillkürlich drängt sich einem der Eindruck völliger Enthemmung auf. Mit aller Macht forderten die überwiegend männlichen »Flüchtlinge« ein Öffnen der Grenze nach Nordmazedonien. Denn allein in Griechenland sollen sich rund 60.000 – häufig illegal eingereiste – Migranten befinden. Noch schützen die hellenischen Behörden die Grenze nach Nordmazedonien, die den Migranten schnelle Wege nach Norden ermöglichen könnte. Doch auch in Serbien rumort es passend zum Frühlingsbeginn, wie exklusive Recherchen der österreichischen Wochenzeitung ›Wochenblick‹ offenlegten. Belgrad soll sich längst zu einem Treffpunkt illegaler »Flüchtlinge« entwickelt haben. Entlang der bosnisch-kroatischen Grenze warten tausende Migranten nur auf die Gelegenheit zum Marsch nach Norden – direkt zum zuckersüßen Asyl-Paradies Deutschland!

Die jüngste Ankündigung des deutschen »Heimatmuseumsministers« Horst Seehofer (CSU), die angeblichen Grenzkontrollen zu Österreich weiter zu verlängern, schmeckt indes verdächtig nach Beruhigungsbalsam. Dass die deutschen Grenzen so weltoffen wie ein schimmeliger Schweizer Käse sind, ist längst kein Geheimnis mehr. Wer regelmäßig von Österreich nach Deutschland reist, weiß, dass Seehofer alias »Drehhofer« auch diesmal den Märchenonkel spielt. Rettung für Merkel-Deutschland könnte wohl nur aus Wien kommen: FPÖ-Innenminister Herbert Kickl hat sich bereits auf einen erneuten Asyl-Tsunami eingestellt. Neben der neuen Grenzschutzeinheit »Puma« und einem effektiveren Frühwarnsystem verfügt Kickl – zumindest laut eigenen Angaben – zudem über den unbedingten Willen, sein Vaterland und dessen Grenzen mitsamt dem Weg nach Deutschland zu schützen. Bei Merkel und Seehofer indes darf man diese Grundlagen eines jeden verfassungsgemäßen Handelns längst nicht mehr voraussetzen.

Johannes Schüller

ist Stellvertretender Chefredakteur der österreichischen Zeitung ›Wochenblick‹.

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