Die spitze Feder aus Österreich:

Wollen die Linken jetzt ein neues Mittelalter?

Johannes Schüller

Auf nicht wenige Bürger wirkte es erkennbar befremdlich: Als die 16-jährige Schülerin Greta Thunberg in Rom Papst Franziskus besuchte, schien sie den scheinbar welterfahrenen Mann förmlich belehren zu wollen. Netz-Nutzer witzelten sogar, Thunberg gewähre vielmehr dem Papst eine Audienz. Beinahe ermahnend präsentierte sie dem »Heiligen Vater« ein Schild mit der Aufschrift: »Join the climate strike!« Angesichts der nicht allein von Greta, sondern vor allem von grünen und linken Klima-Lobbyisten sowohl in Österreich als auch in Deutschland aufgepeitschten Schüler-Massen dürfte sich so manch historisch Bewanderte an dunkelste Zeiten erinnert gefühlt haben. Es war der berüchtigte Kinderkreuzzug, unter dessen Bannern sich – mit kirchlichem Segen – viele tausende fanatisierte Kinder, Jugendliche, aber auch Erwachsene zu Beginn des 13. Jahrhunderts versammelten. Visionäre Knaben sollen sie zum unbewaffneten Feldzug ins Heilige Land aufgestachelt haben. Nicht wenige Kinder sollen schließlich in muslimische Länder als Sklaven verschleppt worden sein. Die Parallelen zur Gegenwart wirken beklemmend: Die Grünen-Fraktionsvorsitzende Katrin Göring-Eckardt und mehrere deutsche Bischöfe verglichen die am Asperger-Syndrom erkrankte, von Links-Grünen zu PR-Zwecken instrumentalisierte 16-Jährige sogar mit einer Prophetin. Sie erinnere an Jesus, verstieg sich sogar der katholische Berliner Bischof Heiner Koch. Diese religiöse Überhöhung, verbunden mit Forderungen nach umfassender Deindustrialisierung, erinnert an radikale christliche Erweckungsbewegungen, wie sie vor allem für das europäische Mittelalter typisch waren. Während dieses mit all seinen Höhen und Tiefen jedoch am Anfang der deutschen und europäischen Zivilisation stand, könnten die wildgewordenen Greta-Jünger ein weiteres Symptom des Niedergangs sein. Auch die kollektiven Erlösungsfantasien, die so manche Grün-Linken mit der Einwanderung angeblicher »Flüchtlinge« und »Fachkräfte« verbinden, drängen radikal-religiöse Bezüge auf! Groteskerweise scheint die Linke, die sich stets als Speerspitze von Vernunft und Aufklärung sah, nun auch auf andere Weise einem wirklich »finsteren Mittelalter« den Weg zu bereiten. Mittels Scharia-Polizei, brutaler Clanherrschaft und skrupelloser Misshandlung von Frauen hält der radikale Islam längst in einigen europäischen Stadtvierteln Einzug! Umso mehr sind nun selbstbewusste Patrioten gefragt, die in bester europäischer Geistestradition den blinden Fanatismus einer im Sterben begriffenen links-grünen Zivilreligion aufzeigen.

Johannes Schüller

ist Stellvertretender Chefredakteur der österreichischen Zeitung ›Wochenblick‹.

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