Dieselfahrverbote

Rechenfehler bei Umweltbundesamt-Studie: Mathematiker bestätigen AfD-Forderung

Die Debatte um Dieselfahrverbote und angebliche Gesundheitsgefahren durch Stickstoffdioxid (NO2) nimmt weiter Fahrt auf: Nach der Kritik von mehr als 100 Lungenärzten und Ingenieuren an Grenzwerten und Messverfahren melden sich nun auch Mathematiker zu Wort. Sie werfen einer für das Umweltbundesamt (UBA) erstellten Studie vor, ohne wissenschaftliche Grundlage übertriebene Ängste vor mehr als 6.000 vorzeitigen Todesfällen durch Stickstoffdioxid zu schüren. Die AfD sieht sich in ihrer Forderung zur Überprüfung bestätigt.

Die überstürzt verhängten Dieselfahrverbote müssen auf den Prüfstand

In der Studie vom März 2018 hatte das Helmholtz-Institut mit statistischen Methoden Zusammenhänge von Stickstoffdioxid-Belastungen und Krankheitsverläufen errechnet. Dabei kamen die Forscher zu dem Schluss, dass im Jahr 2014 rund 6.000 Menschen in Deutschland vorzeitig durch Stickstoffdioxid verstorben seien. Die Studie wurde auch in der Debatte um Fahrverbote für Diesel-Pkw wiederholt als Argument verwendet. Im Interview mit dem ›ARD‹-Wirtschaftsmagazin ›Plusminus‹ wirft der habilitierte Epidemiologe und Mathematiker Morfeld dem Helmholtz-Institut vor, eine in der Mathematik gebräuchliche Formel, die sogenannte AF-Formel (Attributale Fraktion), falsch angewendet zu haben. Für eine Errechnung vorzeitiger Todesfälle fehle die notwendige Datengrundlage.

»Ein Mathematiker bestätigt durch seine Arbeit, was wir seit einem Jahr fordern, die erstmalige Überprüfung des EU-Luftqualitäts-Grenzwertes für Stickoxid durch unabhängige Experten. Prof. Morfeld weist nach, die Diesel-Fahrverbote werden letztlich durch die Anwendung einer falschen Formel begründet. Was muss noch alles passieren, damit unser Antrag auf wissenschaftliche Überprüfung des Grenzwertes vom Bundestag beschlossen wird«, so Marc Bernhard, Sprecher der AfD-Landesgruppe Baden-Württemberg im Bundestag.

Bernhard, Mitglied im Umweltausschuss, weiter: »Der Mathematiker Prof. Peter Morfeld von der Ruhr-Universität Bochum weist nach, die in epidemiologischen Studien häufig verwendete Formel ›Attributale Fraktion‹ ist nicht anwendbar, es liegt nahe, dass diese Formel auch bei Ableitung des Grenzwertes für Stickoxid und zur Begründung von Fahrverboten verwendet wurde. Für die Errechnung vorzeitiger Todesfälle müsste jede Person, die untersucht wird, einen statistischen Zwilling haben mit genau derselben Lebensweise, aber unterschiedlicher Stickoxid-Belastung. Solche Daten gibt es schlichtweg nicht.«

Die AfD sieht sich durch die Aussagen von Prof. Morfeld bestätigt, stellt Bernhard fest. Die AfD-Fraktion im Bundestag fordert seit einem Jahr die erstmalige Überprüfung des Grenzwertes für Stickoxid durch unabhängige Experten und die Aussetzung aller Fahrverbote, bis nachvollziehbare Ergebnisse vorliegen.

Man gehe offen mit der Kritik um, so das Umweltbundesamt laut dem NDR und will die Anwendung der Formel nun überprüfen. Die Frage sei dabei nicht, ob die Formel falsch oder richtig ist. Bezweifelt werde, ob sie auch für die Ableitung vorzeitiger Todesfälle verwendbar ist, wie von der WHO (Weltgesundheitsorganisation) empfohlen. Eine endgültige Position werde das UBA erst im Anschluss einnehmen, teilt der Sender in einer Presseaussendung mit. Prof. Morfeld fordert unterdessen eine Versachlichung der Diesel-Debatte. Man müsse klar sagen, dass vorzeitige Todesfälle nicht bestimmt werden könnten. Andernfalls könnte das Vertrauen der Bürger in Politik und Wissenschaft erschüttert werden – vor allem angesichts anstehender Dieselfahrverbote und drohender finanzieller Verluste für die Betroffenen. Das Umweltbundesamt fordert der Epidemiologe deshalb auf, seinen Bericht zu den 6.000 vorzeitigen Todesfällen zurückzuziehen: »Sicher ist das ein schwieriger Schritt für das Umweltbundesamt, aber ich halte ihn für überfällig.«

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