E-Paper auf dem Vormarsch

Zeitschriften verlieren weniger als erwartet

Die deutschen Printmedien verlieren Leser, können den Auflagenschwund aber durch digitale Angebote teilweise auffangen

Die sogenannten Publikumszeitschriften verkauften im zweiten Quartal 2019 insgesamt 81,5 Millionen Exemplare. Ihr Auflagenschwund ist mit einem Minus von durchschnittlich 5,2 Prozent allerdings deutlich milder ausgefallen als erwartet. Bei den überregionalen Tageszeitungen gibt es einen positiven Ausreißer.

Die relativ geringen Auflageneinbußen der Zeitschriften sind umso bemerkenswerter, als die Berliner »Informationsgemeinschaft zur Feststellung der Verbreitung von Werbeträgern e. V.« (IVW) in ihren diese Woche veröffentlichten Quartalserhebungen 39 Titel weniger ausweisen als 2018. Dies deute darauf hin, so der Branchendienst ›Horizont‹, »dass die Auflagenerosion der verbliebenen Magazine zumindest nicht größer wird«. Hauptgrund dafür seien die Digital-Ausgaben (E-Paper). Sie stiegen in den Monaten April, Mai, Juni um 15 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

So konnte selbst das Hamburger Relotius-Magazin ›Spiegel‹ seine Verkäufe mit 707.459 Heften leicht steigern (plus 0,4 Prozent). Bereits 13,7 Prozent aller Verkäufe des früheren Nachrichtenmagazins sind digitale Abos. Deren Zahl stieg im 2. Quartal um 46 Prozent auf 96.948. Die Einzelverkäufe insgesamt aber schwächeln – sie gaben um 4,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr nach.

Die Konkurrenz vom Münchner ›Focus‹ musste noch mehr Federn lassen: Hier sanken die Verkäufe um 12,1 Prozent auf 367.101 Hefte – vor allem wegen stark reduzierter Auflagenkosmetik (Bordexemplare). Im Einzelverkauf (Kiosk, Tankstelle, Supermarkt) schlägt der ›Focus‹ nicht einmal mehr 50.000 Hefte los.

Auch beim ›Stern‹ setzte sich der chronische Auflagenschwund fort: Das immer linksgrünere und belanglosere Heft gab um 12,2 Prozent nach und verkaufte inklusive E-›Stern‹ im 2. Quartal 2019 nur noch 464.489 Exemplare. Die wichtigen Abos gingen dabei um 7 Prozent auf 162.680 Hefte zurück, die Einzelverkäufe brachen sogar um 17,4 Prozent auf 116.472 Stück ein.

Auch bei den überregionalen Tageszeitungen dominieren die Minuszeichen, wenngleich sich die Talfahrt bei den meisten Titeln anders als bei ›Bild‹ und ›Welt‹ spürbar verlangsamt hat.

Das Düsseldorfer ›Handelsblatt‹ konnte seine Auflage sogar erneut als einzige der großen bundesweiten Zeitungen ausbauen. Die verkaufte Auflage stieg im vergangenen Quartal um bemerkenswerte 4,5 Prozent auf 133.796 Exemplare. Auch hier gab das dicke Plus bei den E-Papern den Ausschlag. Diese stiegen von 54.000 auf 68.600.

Die Auflagen der großen sogenannten Qualitätszeitungen (?) waren dagegen weitgehend stabil: Die ›Süddeutsche Zeitung‹ kommt auf eine verkaufte Auflage von 337.732 Exemplaren (-1,7 Prozent), die ›Frankfurter Allgemeine‹ auf 230.312 Exemplare (-3,1 Prozent). Selbst die linksalternative ›taz‹, die über eine Einstellung der gedruckten Ausgabe nachdenkt, kann ihre Auflage bei 49.409 Exemplaren relativ stabil halten (-0,7 Prozent). Bei allen drei Titeln trugen ebenfalls steigende E-Paper-Verkäufe maßgeblich dazu bei, den Auflagenschwund der gedruckten Auflage abzubremsen.

Die Wochenzeitungen verzeichneten von April bis Juni mit durchschnittlich 1,6 Millionen verkauften Exemplaren ein Auflagenminus von 5 Prozent – auch dies nur dank gestiegener E-Paper-Verkäufe (plus 29 Prozent).

Speziell die ›Zeit‹ konnte ihre Gesamtverkäufe so auf 500.909 Stück steigern (plus 1 Prozent). Damit machen die digitalen Verkäufe bei dem vor allem von linksgrünen Gymnasiallehrern geschätzten Blatt bereits fast ein Viertel aus. Die immer linkere ›Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung‹ liegt mit 7,6 Prozent weniger Verkäufen deutlich im Minus und kommt auf nur noch 236.593 Exemplare.

Über die dramatischen Einbrüche bei den »Springer«-Titeln berichtete der Deutschland Kurier bereits hier. (elf)

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