Ein TV-Duell aus dem September 2017 lässt die »Ibiza-Affäre« plötzlich in einem ganz anderen Licht erscheinen

Wusste Kanzler Kurz schon VOR der Österreich-Wahl von dem Strache-Video?

Sebastian Kurz (ÖVP) eiert nervös herum, Heinz-Christian Strache (FPÖ) stellt bohrende Fragen. Eine Sequenz aus dem TV-Duell der beiden Politiker gute zwei Wochen vor der Nationalratswahl 2017 lässt die »Ibiza-Affäre« plötzlich in einem neuen Licht erscheinen.

TV-Duell mit Sebastian Kurz (ÖVP), damals noch Außenminister, und Heinz-Christian Strache (FPÖ) vor der Nationalratswahl 2017

Am 27. September 2017, also 17 Tage vor der Nationalratswahl in Österreich, trafen der damalige Außenminister und ÖVP-Spitzenkandidat Sebastian Kurz sowie Ex-FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache im Privat-Sender ›oe24.TV‹ des österreichischen Medien-Tycoons Wolfgang Fellner zum großen Fernsehduell aufeinander. In der Rückschau 20 Monate später, vor dem Hintergrund des Video-Anschlags auf Strache, wirft das TV-Duell neue Fragen auf.

► Warum eiert ein sichtlich verunsicherter Sebastian Kurz so herum, als im TV-Duell der Name des ominösen israelischen »Politikberaters« Tal Silberstein fällt?

► Vor allem: Warum gibt Kurz von sich aus ungefragt das Stichwort »Ibiza«? Wusste der ÖVP-Spitzenkandidat und damalige Außenminister von dem im Mai 2017 inszenierten, für Strache später so verhängnisvollen Video?

Es ist genau eine Szene, die heute mehr als stutzig machen muss!

► Strache konfrontiert Kurz im TV-Duell damit, dass er, Kurz, anlässlich eines Fluges nach Tel Aviv Kontakt mit Silberstein gehabt und mit dem Israeli gesprochen habe. Silberstein soll ebenfalls an Bord der Maschine nach Tel Aviv gewesen sein. Kurz reagiert sichtlich nervös, hat Mühe, die Kontrolle zu wahren. Er kann (will?) sich nicht erinnern.

Dann sagt er an Strache gerichtet einen Satz, der damals scheinbar nebensächlich fiel, heute aber aufhorchen lassen muss: »Sie sind in Ihrem Leben ja auch schon öfters geflogen. Zumindest nach Ibiza.«

Silberstein, so wird in österreichischen Medien spekuliert, könnte in der Ibiza-Affäre eine Schlüsselrolle spielen. Steckt der umstrittene »Politikberater« womöglich hinter dem Ibiza-Video? Kurz selbst hatte am Wochenende Andeutungen in diese Richtung gemacht.

Jetzt allerdings, vor dem Hintergrund des TV-Duells, wird eine ganz andere Frage diskutiert:

► Hatte Kurz schon VOR der Wahl in Österreich Informationen zu diesem Skandal-Video?

Schmutzkampagne im Wahlkampf

Herbst 2017: Österreich ist in der heißen Wahlkampfphase. Zwischen den beiden Koalitionsparteien, der sozialdemokratischen SPÖ und der christdemokratischen ÖVP, herrschen Zwietracht und Misstrauen. Der damalige Außenminister und ÖVP-»Shootingstar« Sebastian Kurz liegt in den Umfragen weit vor seinem Konkurrenten, dem damaligen Bundeskanzler Christian Kern von der SPÖ.

Zwei zunächst anonyme ›Facebook‹-Seiten sollten das ändern: »Die Wahrheit über Sebastian Kurz« hieß die eine, »Wir für Sebastian Kurz« die andere.

Auf der »Wahrheit«-Seite wurde Kurz als »Fake-Basti« diskreditiert. Der Ton war offen rassistisch, fremdenfeindlich und auch antisemitisch. Kurz wurde als Lügner und Befürworter der Migrationspolitik von Angela Merkel (CDU) dargestellt. Bilder zeigten ihn als Marionette des US- Milliardärs und NGO-Gönners George Soros. Die anonym betriebene Seite (16.000 Fans) sollte nicht nur den Herausforderer des zu diesem Zeitpunkt noch amtierenden SPÖ-Kanzlers Kern in ein schlechtes Licht rücken, sondern auch die FPÖ als möglichen Koalitionspartner der ÖVP.

»Wir für Sebastian Kurz« hingegen erweckte den Eindruck einer Fanseite. Dort wurden Aussagen des Kandidaten Kurz etwa zur Migration zugespitzt und von echten und/oder vermeintlichen Anhängern bejubelt. Das Kalkül dahinter war leicht durchschaubar: Kurz-Anhänger aus der sogenannten politischen Mitte sollten abgeschreckt und subkutan dazu animiert werden, ihr Kreuz doch lieber bei der SPÖ von Christian Kern zu machen.

Doch hinter den Seiten steckten weder die FPÖ noch die ÖVP. Die Seiten wurden vielmehr im Auftrag von Tal Silberstein betrieben, ein gefürchteter »Experte« für üble Diffamierungskampagnen. Recherchen der Tageszeitung ›Die Presse‹ und des Nachrichtenmagazins ›Profil‹ deckten den Skandal auf und dass Silberstein im Auftrag der SPÖ handelte.

Laut Silbersteins Darstellung soll auch Sebastian Kurz um die Dienste des israelischen Polit-Söldners geworben haben, bevor er, Kurz, später Silbersteins Zielscheibe wurde. Das jedenfalls behauptete der Israeli 2017 in einem Interview mit der Zeitung ›Österreich‹.

► Sollte diese Version stimmen, wäre es dann möglich, dass Silberstein – immer unterstellt, er wäre wirklich in die Ibiza-Affäre verwickelt – dem ÖVP-Politiker Kurz frühzeitig von dem Strache-Video erzählt hatte? Zum Beispiel auf jenem Tel-Aviv-Flug, an den sich der heutige österreichische Bundeskanzler während des TV-Duells im September 2017 nicht mehr so genau erinnern konnte/wollte?

► ABER: Selbst wenn dem so wäre, dass Kurz informiert war – warum wurde das Video, das Heinz-Christian Strache und seinen Vertrauten Johannes Gudenus zu Fall brachte, erst jetzt veröffentlicht?

► Und, die »Mutter aller Fragen«: Wer ist der wirkliche Urheber dieses logistisch aufwendigen kriminellen Machwerks? Sogar über eine mögliche Inszenierung durch den israelischen Geheimdienst Mossad wird inzwischen in den Medien spekuliert.

Die BND-Connection von ›Süddeutscher Zeitung‹ und ›Spiegel‹

Könnte es – rein theoretisch – sogar sein, dass das Video nie an die Öffentlichkeit kommen sollte? Dass es lediglich dazu dienen sollte, die FPÖ bzw. Strache in der Koalition mit der ÖVP zu »disziplinieren«?

All diese Fragen drängen sich vor dem Hintergrund des TV-Duells Kurz vs. Strache auf. Hat sich Kurz mit seinem scheinbar nebensächlichen Ibiza-Satz verplappert?

► Könnte es sein, dass sich Kurz, dem am kommenden Montag der Sturz durch ein Misstrauensvotum des Parlaments droht, verzockt hat? Dass wer auch immer plötzlich nicht mehr »Herr des Verfahrens« war, als das Video durch wen auch immer an die ›Süddeutsche Zeitung« und an das Relotius-Magazin ›Spiegel« gelangte? Beiden Linksmedien werden beste Verbindungen zum deutschen Auslandsgeheimdienst BND nachgesagt. Ex-›Spiegel‹-Chefredakteur Georg Mascolo, ein ausgewiesener Geheimdienstexperte, der beim BND ein- und ausgehen soll, leitet heute den sogenannten Rechercheverbund von ›NDR‹, ›WDR‹ und ›Süddeutscher Zeitung‹. Ein Schelm, der Arges dabei denkt.

► War vielleicht auch der »Bundesnachrichtendienst« im Besitz des brisanten Videomaterials? Hatten möglicherweise deutsche Stellen genau eine Woche vor der Europawahl plötzlich ein virulentes politisches Interesse, dass das Strache-Video durchgestochen wurde? Es ist kein Geheimnis, dass der BND mit seinen Altparteien-Seilschaften auch ein politisches Machtinstrument ist und seit seiner Gründung immer war.

»Seien wir realistisch, denken wir das Unmögliche« – der Satz muss nicht deshalb falsch sein, weil er von dem Massenmörder und Terroristen Che Guevara stammte. (oys)

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