Eingriff in Italiens Regierungsbildung?:

Empörung über angeblichen Merkel-Anruf und brisante Forderungen

Einem italienischen Medienbericht zufolge soll Bundeskanzlerin Angela Merkel mit einem fordernden Anruf in die italienische Regierungsbildung eingegriffen haben.

Linkes Regierungsbündnis in Italien: Hat Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) den parteilosen italienischen Ministerpräsidenten Guiseppe Conte unter Druck gesetzt?

Die linksliberale Zeitung ›La Repubblica‹ hatte Ende August einen Artikel veröffentlicht, der ein angebliches Telefonat zwischen Angela Merkel und einem hochrangigen italienischen Politiker thematisiert. Der bekannte Journalist Goffredo de Marchis schrieb darin, dass es internationalen Druck auf Italien gegeben habe, die Neuwahlen und damit einen möglichen Sieg von Salvinis Lega zu verhindern. Insbesondere die deutsche Kanzlerin Angela Merkel (CDU) soll im betreffenden persönlichen Gespräch gefordert haben, die Regierung zwischen der Fünf-Sterne-Bewegung und der sozialdemokratischen, linksliberalen Partito Democratico (PD) unter dem parteilosen Ministerpräsidenten Giuseppe Conte unter allen Umständen zu bilden. Das hintergründige Ziel soll gewesen sein, Matteo Salvini und die Lega zu stoppen.

Das angebliche Telefonat von Merkel mit der PD sei für Italiens Medien ein »gefundenes Fressen«, heißt es dazu im ›Focus‹. Denn die sozialdemokratische Partei galt als ausgemachter Gegner der Fünf-Sterne-Bewegung und war für ihre Konflikte mit der PD bekannt. Für den parteilosen Giuseppe Conte sei es daher ein »Kraftseilakt« gewesen, die Koalition zwischen den »Fünf Sterne« und der PD – die nun 66. italienische Regierung seit Kriegsende – zu bilden. Gerade rechte Medien in Italien hätten hinter dem vermeintlichen Telefonat eine Verschwörung von linken Kräften gewittert. Auch Italiens größte Tageszeitung ›Il Giornale‹ thematisiert die angebliche Botschaft Merkels und zitiert Matteo Salvini mit den Worten: »Die PD steht im Dienst fremder Länder, sie glauben, dass wir alle Riesenschafe und Sklaven sind, die nur auf das warten, was Brüssel und Paris sagen«, während hingegen die Lega die Italiener »verteidige, weil wir freie Menschen sind«.

Auf die Nachfrage beim Bundespresseamt, ob es das benannte Telefonat wirklich gab, die Kanzlerin diesen Satz gesagt und mit wem sie vom PD gesprochen habe, teilte ein Regierungssprecher auf Anfrage von ›Focus Online‹ kurz und bündig mit: »Wir haben diese Berichte zur Kenntnis genommen und können diese ausdrücklich nicht bestätigen. Im Übrigen hat ein solches Telefonat nicht stattgefunden.«

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