Elektromobilität

Zulieferer stoppen Investitionen und bauen Stellen ab

Eines hat der E-Auto-Irrsinn schon erreicht: In der Zuliefererindustrie wackeln massenweise Arbeitsplätze

Die von der Politik forcierte Abschaffung des Verbrennungsmotors hat die deutschen Automobilzulieferer in die Krise gestürzt. Viele Unternehmen müssen Investitionen stoppen und Arbeitsplätze abbauen.

Die von der Politik erzwungene und mit Subventionen geförderte sogenannte E-Offensive bereitet der deutschen Autoindustrie zunehmend Probleme. Wenn nicht mehr in die Verbrennungstechnologie investiert wird, wackeln in Regionen wie dem Saarland und Rheinland-Pfalz die Arbeitsplätze bei großen und kleinen Zulieferern, berichten die ›Deutschen Wirtschafts Nachrichten‹.

Sorgen mache sich beispielsweise Rudolf Marx, Betriebsratschef des kleinen Schaeffler-Außenwerks Morbach im Hunsrück. Der fränkische Groß-Zulieferer habe die Investitionen in Kupplungsbeläge für Handschalter gestoppt, weil dieses Segment nicht mehr als zukunftsträchtig gelte. Rund 200 der 300 Morbacher Arbeitsplätze hängen an diesem Segment.

Firmen bluten aus

Betriebsratschef Marx ist indes überzeugt, dass das vorhandene Wissen über Materialien und Prozesse auch für andere Produkte nutzbar wäre. »Wir laufen sonst Gefahr, dass unser Werk langsam ausblutet und irgendwann geschlossen wird.«

Beim Turbo-Spezialisten »Borg Warner« im pfälzischen Kirchheimbolanden gehen die Geschäfte bereits schlechter, klagt die örtliche Gewerkschaftssekretärin Birgit Mohne. Leiharbeiter würden nicht mehr weiterbeschäftigt, und auch die Stammbelegschaft sei nur noch bis Ende 2021 vor Entlassungen geschützt. »Wir suchen nach Zukunftsprojekten«, so Mohne. Doch die Entscheidungen der Konzernleitung in den USA ließen immer noch auf sich warten.

Nur geringes Marktpotenzial für reine Stromer

Das benachbarte Saarland mit rund 44.000 Auto-Beschäftigten hängt wie kaum eine andere Region am Verbrennungsmotor. Laut einer aktuellen Studie des »Fraunhofer-Instituts« entfallen rund 40 Prozent des Umsatzes von knapp 17 Milliarden Euro auf Sparten, die stark von der Verteufelung des Verbrennungsmotors betroffen sein werden. Dazu zählen Fabriken für Motoren, Getriebe oder Abgasnachbehandlung. Allein »Bosch« beschäftigt in Homburg mehr als 4.700 Menschen vorwiegend in der Dieseltechnologie.

Die Autoren der Studie geben der Region zehn Jahre Zeit, den Wandel konkret zu gestalten, weil nach ihrer Einschätzung auch 2030 noch 40 Prozent der neuen Autos einen Verbrenner als Antrieb haben werden. Weitere 35 Prozent sind in diesem Szenario als Hybride unterwegs, reine Elektroautos machen demnach nur rund ein Viertel aus.

»Ford« streicht 1.600 Stellen

Im »ZF«-Werk Saarbrücken mit rund 9.000 Beschäftigten setzt man denn auch eher auf den Hybridantrieb: 800 Millionen Euro sollen in den nächsten vier Jahren investiert werden, um den Standort fit zu machen für den Wandel von konventionellen hin zu teil-elektrischen Pkw-Antrieben.

Im »Ford«-Werk Saarlouis werden gerade 1.600 der noch 6.000 Arbeitsplätze gestrichen, weil sich der Kompakt-Van C-Max nicht mehr verkauft. Laut Sprecher Marko Belser soll nach den Werkferien vom 29. Juli an von einem Dreischicht- auf ein Zweischicht-System umgestellt werden.

»Die Forderung nach einem Wandel geht manchem schnell von den Lippen, aber oftmals ist der Weg noch gar nicht klar«, so der Geschäftsführer Martin Schlechter vom Arbeitgeberverband der Metall- und Elektroindustrie »ME Saar«.

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