Erfolgreicher AfD-Bundesparteitag:

Neuer Vorstand will Regierungsfähigkeit

Erfolgreicher AfD-Bundesparteitag in Braunschweig: Tino Chrupalla (l.), neuer Bundessprecher der AfD, gratuliert Alexander Gauland (r.) zu dessen Wahl zum ersten Ehrenvorsitzenden der AfD

BRAUNSCHWEIG. AfD-Bundessprecher Meuthen ist in seinem Amt bestätigt worden. Er betonte, die Partei solle regierungsfähig werden. Sein neuer Co-Chef Chrupalla erklärte, neue Wählerschichten erschließen zu wollen.

Minutenlanger stehender Applaus für einen strahlenden Jörg Meuthen. Der alte und neue Bundessprecher der AfD reagierte sichtlich erleichtert, als das Ergebnis der elektronischen Abstimmung verkündet wurde. Meuthen hatte zuvor an die Delegierten appelliert, sich nicht länger mit einem Richtungsstreit aufzuhalten. 2021 würde die Partei gebraucht, um Verantwortung zu übernehmen. Sie müsse in den nächsten zwei Jahren regierungswillig und -fähig werden.

In seiner Bewerbungsrede kündigte Meuthen an, die Professionalisierung der AfD weiter vorantreiben zu wollen. Und er machte deutlich, dass er die Partei gegen Rechtsextremismus klar abgrenzen wolle. »Gewiss ist, dass ich mein Gesicht nicht für eine Partei hergeben werde, die schleichend in die Tolerierung extremistischer Positionen abrutscht.«

Ablehnung für Gedeon

Meuthen hatte sich im ersten Wahlgang gegen die Bundestagsabgeordnete Nicole Hoechst und den baden-württembergischen Landtagsabgeordneten Wolfgang Gedeon durchgesetzt. Gedeon, der wegen antisemitischer Äußerungen und kruder Verschwörungstheorien innerparteilich vollkommen isoliert und geächtet ist, erntete während seiner Bewerbungsrede laute Pfiffe und viele Buh-Rufe. Während Gedeons Auftritt drehten sich viele Delegierte demonstrativ weg, viele hielten rote Nein-Karten hoch.

»Die bürgerliche Mitte erreichen«

Zum zweiten Bundessprecher wählte der Parteitag den Bundestagsabgeordneten Tino Chrupalla. Der 44-jährige Malermeister aus Sachsen wird keiner Strömung in der AfD zugerechnet. Er unterhält sowohl zum Flügel als auch zum gemäßigten Teil der AfD Beziehungen.

Chrupalla hatte die Delegierten aufgefordert, die historische Chance zu ergreifen, eine Doppelspitze mit Vertretern aus West und Ost, für Akademiker und Nicht-Akademiker zu wählen. »Die bürgerliche Mitte erreichen wir mit Vernunft. Nur mit überzeugenden Inhalten werden wir neue Wählerschichten erschließen. Dazu braucht es keine drastische Sprache.«

Gauland zum ersten AfD-Ehrenvorsitzenden gewählt

Chrupalla musste zunächst zittern. Erst in der Stichwahl setzte er sich gegen seinen Bundestagskollegen Gottfried Curio durch. Ein Erfolg für den bisherigen AfD-Chef Alexander Gauland. Chrupalla war sein Wunschnachfolger. Auch Gauland hatte seine Partei am Vormittag dazu aufgerufen, Regierungsfähigkeit zu entwickeln.

Er warnte davor, eine historische Gelegenheit zu verpassen: »Die Chance, die wir mit der AfD haben, kommt nicht zurück, wenn sie vertan ist.« Gauland bleibt zwar Fraktionschef im Bundestag. Der langjährige Strippenzieher kann sich aber nun wie geplant aus dem operativen Tagesgeschäft des Bundesvorstandes zurückziehen.

Erfolgreicher Abschluss des 10. AfD-Bundesparteitags

Stattdessen wählten die 566 Delegierten Gauland zum Ehrenvorsitzenden der AfD. Mit großer Mehrheit von 91 Prozent stimmten die Delegierten dafür, dass der Ex-Parteisprecher der erste wird, der diesen Titel tragen soll. Der letzte in der AfD verbliebene Parteigründer zeigte sich gerührt: »So lange ich Kraft habe, und so lange es von Ihnen und Euch gewünscht wird, werde ich für diese Partei weiterarbeiten.«

Er wolle aber auch weiter ein Auge auf die Partei haben: »Wenn die Partei irgendwann in eine falsche Richtung gehen sollte, dann werde ich das sagen,« – dies aber unter vier Augen. Gauland ist weiterhin zusammen mit Alice Weidel Vorsitzender der Bundestagsfraktion der AfD. (fjs)

Die gewählten Mitglieder des neuen AfD-Bundesvorstands im Überblick:

Jörg Meuthen, MdEP
Bundessprecher
(Baden-Württemberg)

Tino Chrupalla, MdB
Bundessprecher
(Sachsen) 

Alice Weidel, MdB
Stellv. Bundesprecher
(Baden-Württemberg) 

Stephan Brandner, MdB
Stellv. Bundesprecher
(Thüringen) 

Beatrix von Storch, MdB
Stellv. Bundessprecher
(Berlin)

Klaus-G. Fohrmann
Bundesschatzmeister
(Hamburg)

Carsten Hütter, MdL
Stellv. Bundesschatzmeister
(Sachsen)

Joachim Kuhs
Bundesschriftführer
(Baden-Württemberg)

Silvia Limmer, MdEP
Beisitzerin
(Bayern)

Andreas Kalbitz, MdL
Beisitzer
(Brandenburg)

Jochen Haug, MdB
Beisitzer
(NRW)

Stephan Protschka, MdB
Beisitzer
(Bayern)

Alexander Wolf, MHB
Beisitzer
(Hamburg)

Joachim Paul, MdL
Beisitzer
(Rheinland-Pfalz)

Alexander Gauland, MdB
Ehrenvorsitzender
(Brandenburg)

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