Exklusiv-Interview mit Kent Ekeroth (Schwedendemokraten)

»Es sieht nicht gut aus für Schweden«

»Das Problem ist die enorme Zahl an Migranten, die man ins Land gelassen hat«: Der Journalist und ehemalige Abgeordnete der Schwedendemokraten Kent Ekeroth blickt düster in die Zukunft seines Heimatlandes

Kent Ekeroth ist Mitglied der Schwedendemokraten, die bei den EU-Wahlen 15,4% holten, und saß 2010–2018 als Abgeordneter aus Stockholm im Riksdag. Er war 2007–2017 außenpolitischer Sprecher der Schwedendemokraten und betreibt nun das alternative Nachrichtenportal Samhällsnytt. In Budapest, wo er seinen Zweitwohnsitz hat, befragte ihn der Deutschland Kurier zur aktuellen Situation in Schweden.

Deutschland Kurier: Sie waren Riksdags-Abgeordneter, aber wohnen jetzt vermehrt in Ungarn. Haben Sie die Hoffnung für Schweden aufgegeben?

Kent Ekeroth: Noch nicht ganz, aber es sieht nicht gut aus für Schweden. Alles bricht zusammen: Die Wirtschaft, die Sicherheit und die Kultur. Als Schwede fühlt man sich dort nicht mehr heimisch.

Das Problem ist die enorme Zahl an Migranten, die man ins Land gelassen hat. Man kann fast alles wieder richten, wenn es kaputt geht – wie man am Beispiel Osteuropa sieht – aber die illegale Einwanderung macht es unverhältnismäßig schwieriger.

Die Antwort ist, diesen Menschen zu helfen, wieder heimzukehren. Aber das erfordert einen ungeheuren Kraftakt, und dafür fehlt den Schweden meiner Meinung nach der Mut und der politische Willen.

DK: Die Schwedendemokraten haben bei den EU-Wahlen kräftig zugelegt, von 9,7% 2014 auf 15,4% vergangenes Wochenende. Woran liegt das?

K.E.: Die Schwedendemokraten legen in Schweden allgemein zu, die EU-Wahlen sind nur ein Symptom davon. Bei den Nationalratswahlen letztes Jahr haben wir jedoch nicht so gut abgeschnitten wie erhofft (17,5%, drittstärkste Kraft). Vielleicht zeigt sich darin schon der demographische Wandel und der höhere Migrantenanteil. Das wird in Zukunft ein Problem für uns werden, wenn immer mehr Migranten wählen gehen und links wählen.

DK: Die Schwedendemokraten gehören im EU-Parlament momentan zu den Europäischen Konservativen und Reformer (EKR) mit den britischen Tories und der polnischen PiS. Wie stehen die Chancen einer Zusammenarbeit mit der Europäischen Allianz der Völker und Nationen (EAPN) von Matteo Salvini und der AfD?

K.E.: Nicht so gut, fürchte ich, wenn man sich die Kommentare der aktuellen SD-Parteiführung anhört. Die Schwedendemokraten scheinen sich in der EKR wohlzufühlen, auch wenn die Dänen und die Finnen sich jetzt mit Salvini zusammentun wollen. Die SD wollte letzte Legislaturperiode unbedingt eine Gruppe mit der Dänischen Volkspartei und der finnischen Perussuomalaiset bilden – das scheint ihnen wohl nicht mehr so wichtig zu sein. Ich bin aber nicht in diese Gespräche involviert, ich kann es also nicht genau sagen.

DK: Sie betreiben die alternative Nachrichtenseite Samhällsnytt (Soziale Nachrichten). Was sind Ihre Pläne damit? Arbeiten Sie mit anderen alternativen Medien in Europa zusammen?

K.E.: Ich will die Nachrichtenseite ausbauen, mehr talentierte Journalisten einstellen und innovativen Journalismus machen. Dazu braucht man sowohl Geld als auch gute Leute – beides ist eine Herausforderung.

Wir haben noch keine Verbindungen ins Ausland, aber wir würden das gerne ändern. Die Herausforderung ist dabei, die Infrastruktur für eine dauerhafte, längerfristige Kooperation zu schaffen, die nicht im Sand verläuft. Wir arbeiten daran, Sie werden sicher bald mehr davon hören.

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