Fachkräftemangel:

»Asylzuwanderer« zeigen kein Interesse an Pflegeberufen

Dem Pflegenotstand in Deutschland lässt sich nicht mit Asylbewerbern abhelfen

Deutschland versucht verzweifelt, ausländische Alten- und Krankenpfleger anzuwerben. Doch unter den »bereits Zugewanderten« – neuerdings auch »Asylzuwanderer« genannt – ist der Job überhaupt nicht beliebt. Auch die Zahl jener Asylbewerber, die sich als Auszubildende im Pflegebereich wiederfinden, ist mehr als überschaubar.

In Deutschland sind rund 50.000 Stellen im Alten- und Krankenpflegebereich offen. In den vergangenen Wochen versuchte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) diese durch eine Werbetour im Kosovo oder in Mexiko durch Anwerbung ausländischer Fachkräfte schrittweise zu befüllen. Eigentlich eine unnötige Maßnahme, möchte man annehmen, nachdem nach Merkels Grenzöffnung im Jahr 2015 Hunderttausende – mehrheitlich junge, muslimische Männer – nach Deutschland strömten. Doch wie steht es eigentlich um die Beschäftigung dieses – neuerdings als »Asylzuwanderer« bezeichneten – Personenkreises im Pflegesektor?

Eine Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage des AfD-Politikers Axel Gehrke, die ›Welt‹ vorliegt, zeigt Ernüchterndes:

Bei der untersuchten Gruppe handelt es sich um Staatsbürger der acht wichtigsten – mehrheitlich muslimischen – Asylherkunftsländer: Afghanistan, Eritrea, Irak, Iran, Nigeria, Pakistan, Somalia und Syrien. Die nun aktuell von der Bundesregierung vorgelegten Zahlen geben Einblicke in die Beschäftigung im Pflegesektor. So waren im Juni vergangenen Jahres 218.894 Menschen aus den acht benannten Asylherkunftsländern sozialversicherungspflichtig in Deutschland beschäftigt (ohne Auszubildende). Von dieser ohnedies geringen Beschäftigungsquote ausgehend, konnten gerade einmal 1.853 für Arbeiten im Bereich der Gesundheits- und Krankenpflege gewonnen werden, zu dem auch der Rettungsdienst und die Geburtshilfe gezählt werden. Etwas mehr – 2.274 – arbeiteten in der Altenpflege.

Beide Kategorien machen somit jeweils ungefähr 1 Prozent der insgesamt Beschäftigten aus. Rechnet man die beiden Pflegebereiche zusammen, arbeiteten 2018 rund 1,8 Prozent der Staatsbürger aus den wichtigsten Asylherkunftsländern in der Pflege. Auch in den Jahren 2015 und 2017 bewegte sich deren Anteil zwischen 1,8 und 2,1 Prozent. Als Fachkraft waren im vergangenen Jahr 38 Prozent im Bereich der Krankenpflege und 14 Prozent in der Altenpflege angestellt. Der überwiegende Teil arbeitete als Helfer, so die ›Welt‹.

Antragsteller Gehrke von der AfD-Fraktion wurde kürzlich krankheitsbedingt vom neuen gesundheitspolitischen Sprecher, Detlev Spangenberg, abgelöst. Dieser schlussfolgerte aus der Antwort der Bundesregierung: »Die Politik behauptet immer wieder, Asylzuwanderung würde die Arbeitskräftesituation in Mangelberufen verbessern. Die Zahlen zeigen, dass dieser Effekt nicht eingetreten ist. Einen Fahrplan, wie dem Demografieproblem in der Pflege unter Einbeziehung der hier vorhandenen personellen Ressourcen begegnet werden könnte, hat die Bundesregierung offenbar nicht.« Anwerbemaßnahmen der Politik, die sich spezifisch an Asylzuwanderer richteten, seien jedoch nicht zielführend. »Wie auch in Deutschland wollen junge Männer naturgemäß lieber Autoschlosser als Altenpfleger werden. Pfleger ist ein Beruf, in den man nicht krampfhaft hineingedrängt werden sollte«, so der AfD-Politiker gegenüber der ›Welt‹. Aufgabe der Bundesregierung müsse es sein, den Beruf grundsätzlich für alle attraktiver zu machen und für mehr gesellschaftliche Anerkennung zu sorgen.

Die Bundesregierung indes teilte mit, keine »spezifischen Maßnahmen« zu planen, um Asylberechtigte vermehrt in Engpassberufen, insbesondere in der Alten- und Krankenpflege, in Beschäftigung zu bringen. Diese würden, wie auch anerkannte Flüchtlinge, »je nach ihren bereits vorhandenen Kenntnissen und Fähigkeiten sowie ihren individuellen Neigungen passgenau gefördert und in Arbeit vermittelt«. Schenkt man der aktuellen Studie des arbeitgebernahen Kölner Instituts der deutschen Wirtschaft Glauben, müsste diese Förderung zumindest beim Personenkreis der illegal eingereisten Migranten aus Afrika nicht nötig sein. Denn – so hat die Studie herausgefunden: »Afrikanische Migranten gehören oft zu den besser Gebildeten.«

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