»Mögen hätt’ ich schon wollen, aber dürfen hab’ ich mich nicht getraut« meinte der Komiker Karl Valentin. Das ist in etwa das Verhältnis der Frankfurter Allgemeinen (FAZ) zur AfD. Zwar zeigt sie zur AfD in vielen Fragen große Nähe, ob in Wirtschafts-, Familien- oder Schulpolitik, bei der Energiewende und beim Dieselmotor. Aber offen einräumen würde sie es nie. Lieber verbeißt sie sich in Unwahrheiten.

Sichtbar wurde das einmal mehr an der Berichterstattung über den Augsburger Parteitag. Ausführlich sprach AfD-Chef Meuthen zur Frage eines Rentenkonzepts, nach eingehender Debatte wurde eigens zu diesem Thema ein Parteitag beschlossen. O-Ton FAZ: »Da stört es die AfD nicht, dass sie kein Rentenkonzept hat«. Doch, es stört die AfD, das war unübersehbar. Wer es jedoch nicht sehen will, sieht es halt nicht. Und dass sich die AfD nur deshalb mit der Rente befassen muss, weil die Altparteien die Alterssicherung komplett verbockt haben, spielt für die FAZ keine Rolle. Lieber kritisiert sie die neue Stiftung der AfD. Aber wo sind eigentlich die Rentenkonzepte der mächtigen Stiftungen von CDU, CSU, SPD, GRÜNE und Kommunisten?

Immerhin: Auch bei den Frankfurtern klopft die Wirklichkeit an die Tür – und das heißt: Sie nähert sich den Positionen der AfD. Dass jüngst zwei von drei Deutschtürken für Erdogan stimmten, also für einen Diktator, der Presse- und Meinungsfreiheit abschafft, Journalisten und Oppositionelle verhaften lässt und die Islamisierung Europas verkündet, fanden auch FAZler unerfreulich. »Niederschmetternd«, »eine Bankrotterklärung«. Richtig. Die Autokorsi für Erdogan in deutschen Städten machten deutlich: Das Integrations-Gerede war immer nur Gesülze.

Hunderttausende, so die FAZ, fremdeln mit der liberalen Demokratie. Und nüchtern stellte sie fest: »Es ist einfach so, wie es ist, wenn Deutschland zum Einwanderungsland wird: Die Gründungsideen der Bundesrepublik stehen auf dem Spiel.«

Eben das sagt die AfD seit Jahren: Dass die Gründungsidee der Bundesrepublik, also die liberale Demokratie, gefährdet ist. Dass diese Gefährdung von den Muslimen kommt, nicht von Russen oder Vietnamesen. Und dass die Islamisierung keine Verschwörungstheorie ist, sondern eine Tatsache. Der Feind der offenen Gesellschaft steht längst im Land. Und er jubelt für Erdogan und schenkt ihm gewidmete Trikots.

»Die Gründungsideen der Bundesrepublik stehen auf dem Spiel!« Jeder AfDler würde diesen Satz unterschreiben, die FAZ schreibt ihn. Doch schon am nächsten Tag die Rolle rückwärts. »Mögen hätt’ ich schon wollen…«


Nicolaus Fest

war bis September 2014 stellvertretender Chefredakteur der ›Bild am Sonntag‹. Seit Oktober 2017 ist er Autor des Deutschland-KURIER.

QUELLEBilder: imago
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