Fed gibt Druck nach

US-Notenbank signalisiert Zinssenkung

Jerome Powell, der »Federal Reserve Chairman«, an einer Pressekonferenz in Washington D.C.

Angesichts des Zollstreits und der schwächelnden Weltwirtschaft steuert die US-Notenbank Fed auf die erste Zinssenkung seit der Finanzkrise zu.

Fed-Chef Jerome Powell nährte am Mittwoch bei einer Anhörung vor dem Kongress Spekulationen an den Märkten, dass sie Ende des Monats die geldpolitischen Zügel lockern wird. Die Fed stehe bereit, »angemessen zu handeln«, um nachhaltiges Wachstum zu sichern, erklärte Powell laut Redetext vor dem Ausschuss für Finanzdienstleistungen des Repräsentantenhauses. Die Aussicht auf eine baldige Senkung löste an der Wall Street ein Kursfeuerwerk aus.

Der Dow-Jones-Index der Standardwerte legte im frühen Handel auf einen Rekordwert zu. Der breiter gefasste S&P 500 stieg ebenfalls und durchbrach erstmals die Marke von 3000 Zählern. Der Index der Technologiebörse Nasdaq stieg zunächst auch auf einen neuen Höchststand. An den Märkten gilt eine Zinssenkung um einen Viertel Prozentpunkt am 31. Juli praktisch als ausgemachte Sache. 2018 hatte die Fed den Schlüsselsatz vier Mal angehoben – zuletzt im Dezember auf die Spanne von 2,25 bis 2,5 Prozent, bevor sie eine Pause einlegte.

Der Handelskonflikt und die schwache Weltwirtschaft lasteten weiter auf dem Konjunkturausblick, warnte Powell. Hinzu komme die Gefahr, dass sich die gedämpfte Inflation noch hartnäckiger halten könne als erwartet und sich somit nicht als vorübergehendes Phänomen erweise. Zudem hätten sich Investitionen »spürbar verlangsamt« und das Wirtschaftswachstum habe ein mäßigeres Tempo angeschlagen.

Die US-Wirtschaft hatte zu Jahresbeginn zwar mit einer aufs Jahr hochgerechneten Rate von 3,1 Prozent kräftig zugelegt. Die meisten Experten gehen aber davon aus, dass sich das Wachstum im Frühjahr abgekühlt haben dürfte. Zur Eintrübung könnte auch der von US-Präsident Donald Trump angezettelte Zollkonflikt mit China beitragen.

Powell sah sich auch kurz vor seinem Auftritt vor dem Kongress mit Forderungen aus dem Weißen Haus nach einer Zinssenkung konfrontiert. Die letzte liegt mehr als zehn Jahre zurück – im Dezember 2008. Trump hat der Fed immer wieder vorgeworfen, mit zu hohen Zinsen den Aufschwung zu gefährden. Er hält die unabhängigen Währungshüter für ahnungslos. Trump ist der Ansicht, dass er Powell absetzen könne, auch wenn er dies derzeit nicht vorhabe. Dieses heikle Thema dürfte bei der Anhörung am Nachmittag eine Rolle spielen. (hh)

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