Flächenbrand Altersarmut

Tacheles aus NRW

Alexander von Wrese

Die Nullzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) wird offenkundig auch nach dem Personalwechsel von Mario Draghi hin zu Christine Lagarde auf unbestimmte Zeit fortgesetzt. Draghi betonte erst kürzlich, dass er alle erdenklichen Mittel ergreifen werde, um den Euro zu retten. Schon bald könnten dadurch auch Negativzinsen für normale deutsche Sparer eingeführt werden und damit ein Instrument zur Bestrafung für ihren Konsumverzicht. Was das für die private Altersvorsorge bedeuten wird, kann man sich ausmalen. Wenn der Vermögensaufbau fürs Alter durch Negativzinsen ad absurdum geführt wird, besteht für die vielen Mieter ohne eigenen Immobilienbesitz in unserem Land kaum eine realistische Chance, private Altersvorsorge zu betreiben.

Was diese seit Jahren von der EZB betriebene Nullzinspolitik schon jetzt anrichtet, wird am Beispiel der deutschen Rentenversicherung deutlich: Rund 54 Millionen Euro verlor die Rentenversicherung im vergangenen Jahr verursacht durch Negativzinsen.

Die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank kostet die deutschen Rentner also inzwischen Millionen von Euro. Hier wird systematisch eine Politik des billigen Geldes zulasten der deutschen Sparer und damit faktisch der gesamten Mittelschicht betrieben.

Doch nicht nur die Rentenversicherung, auch der Gesundheitsfonds und die Pflege leiden unter der Nullzinspolitik der EZB. So erlitt der Gesundheitsfonds der gesetzlichen Krankenversicherung im Jahr 2018 einen Verlust von 9,2 Millionen Euro. Auch der sogenannte Ausgleichsfonds der Pflegeversicherung machte ein Minus von 6 Millionen Euro. Zwar werden mit Aktien immer noch relativ gute Renditen erzielt. Aktieninvestments stehen den meisten staatlichen Kassen jedoch nicht offen. Die Rentenversicherung leidet daher besonders: Sie muss ihr Geld zu einem Großteil sehr konservativ und über eine kurze Zeitspanne von nur 12 Monaten anlegen.

Die Leidtragenden dieser europäischen Finanzpolitik sind in erster Linie die Deutschen, die ihr Geld nicht in Immobilien angelegt haben, sondern ihre Ersparnisse auf Tagesgeldkonten deponiert haben. Inflationsbereinigt schrumpft bei Millionen von Deutschen somit täglich ihr Vermögen. Zugleich fordert die Bundesregierung die Deutschen auf, noch mehr als bisher privat für das Alter vorzusorgen. Diese »Quadratur des Kreises« wird für einen Großteil der Menschen nicht zu schaffen sein. Auf der einen Seite will man den Sparer durch die EZB-Politik zu mehr Konsum zwingen, auch wenn er sich diesen gar nicht leisten kann. Auf der anderen Seite soll der Sparer aber parallel fürs Alter vorsorgen: ein Ding der Unmöglichkeit.

Das Problem der Altersarmut droht sich in naher Zukunft zu einem Flächenbrand auszuweiten.

Alexander von Wrese

40 Jahre, verheiratet, 2 Kinder, Rechtsanwalt in Düsseldorf, Kreisvorsitzender AfD Mülheim/Ruhr, stv. Vorsitzender der Juristenvereinigung in der AfD

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