Friede war mit ihr

Lange Jahre war es ein Geben und Nehmen, eine am beiderseitigen Nutzen orientierte Symbiose: die DuzFreundschaft zwischen der mächtigen Verleger-Witwe Friede Springer, mit einem geschätzten Ver­mögen von 4,8 Milliarden Euro eine der reich­sten Frauen Deutschlands, und der Massen­einwanderungskanzlerin Angela Merkel (CDU). Das Ergebnis konnte Deutschland, zu besseren Zeiten, täglich in der ›Bild‹-Zeitung nachlesen.

»Kanzlerin der Herzen«, »Super-Merkel«, »Standfeste Powerfrau«, »Eiserne Kanzlerin«, »Mächtigste Frau der Welt«… und nicht zu vergessen: »Refugees welcome! Wir helfen.«

Unbotmäßige Berichterstattung wurde im Vorfeld unterbunden – zum Beispiel vor einigen Jahren, als Merkels Busenfreundin, die Ex-Bildungsministerin und heutige Vatikan-Botschafterin Annette Schavan (CDU), mal kurz mit der Flugbereitschaft für 150.000 Euro zur Papstaudienz nach Rom düste. Obwohl die Merkel-Vertraute zeitig und vor allem wirtschaftlich rund 30 preiswerte Linienflüge hätte bequem erreichen können. Für den damals noch als Chefredakteur und Herausgeber amtierenden ›Bild‹-Totengräber Kai Diekmann war das »keine Geschichte« – für den ›SPIEGEL‹ ein paar Tage später schon. Denn: Die Richt­linien für die nur in begründeten Einzel­fällen zulässige Nutzung der Flugbereitschaft wurden ganz offensichtlich grob missachtet.

Angela Merkel und die Verleger-Witwe pfleg(t)en eine Freundschaft fürs Leben, regelmäßige Teestunden inbegriffen. Friede Springer durfte dafür in der Bundesversammlung die jeweiligen Bundes­präsidenten-Darsteller mitwählen, die Damen trafen sich im elitären Kreis der sogenannten Atlantik-Brücke.

In jüngerer Zeit, so kolportieren es Verlags-Insider, soll das beiderseitige Verhältnis merklich abgekühlt haben.

Zum einen blieb dem Kanzleramt nicht verborgen, dass Springer-Vorstandschef Mathias Döpfner, den die Witwe als vermeintliche Reinkarnation des großen konservativen Verlegers Axel Springer regelrecht anhimmeln soll, neulich im kleinen Kreis seufzte: »Ach, hätte Deutschland doch bloß einen Sebastian Kurz…«

Zum anderen kamen aus dem Springer-­Hochhaus in Berlin-Kreuzberg in jüngerer Zeit höchst irritierende Signale: Vor sechs Wochen rechnete ›Welt‹-Herausgeber Stefan Aust in einem fulminanten Artikel mit dem System Merkel ab. In Anspielung auf die Masseneinwanderungskanzlerin überschrieb er seine Philippika mit der Zeile: »Mutti aller Probleme«. Aust analysierte die Situation nach Chemnitz und Köthen, die Diskussion um den – nach letztem Stand– noch immer amtierenden Verfassungsschutz-Chef Hans-­Georg Maaßen und ätzte: »Die Dinge vom Ende her zu denken, gehört ja bekanntlich zu den großen Stärken der Physikerin im Kanzleramt. Es drängt sich der Verdacht auf, als sei in diesem Lande der kollektive, parteiübergreifende, galoppierende Rinder­wahn ausgebrochen.«

Bussi-Bussi: Die Duz-Freundschaft von Verlegerin Friede Springer und Kanzlerin
Angela Merkel (CDU) soll Risse bekommen haben

Kurz zuvor hatte sich schon ›Bild‹-­Oberchefredakteur Julian Reichelt sehr zum Missfallen des Kanzleramtes ereifert und in Rage geschrieben: »Unser Staat beschützt jene, die uns die Kehle durchschneiden wollen.« Kein Land der Welt mache »es seinen schlimmsten Feinden so bequem wie Deutschland«. Ver­antwortlich dafür: »Unsere Regierung.«

Nun muss der verständige Leser dazu Folgendes wissen: Döpfners Zauber­lehrling Reichelt, der seit Anfang dieses Jahres ›Bild‹-Alleinherrscher ist, steht das Wasser bis Oberkante Unterlippe. Das einstige Boulevard-Schlachtschiff sinkt unter ihm inzwischen schneller als die »Titanic« im Nordatlantik (der Deutschland Kurier berichtete).

Und: Reichelt ist der denkbar unglaub­würdigste Absender für regierungs­kritische Anmerkungen. Er, und nicht wie oft behauptet sein Ziehvater Diekmann, war, wenn man altgedienten Politruks bei ›Bild‹ glauben darf, der Urheber der unsäglichen »Refugees welcome«-­Kampagne, in deren weiteren Verlauf unzählige Islamisten und IS-­Terroristen nach Deutschland einsickerten. Dem Auflagenvernichter Diekmann soll im Herbst 2015 mit Blick auf seine winkende mutmaßliche Millionen-­Abfindung schon »alles egal« gewesen sein, sagt ein Ex-Mitglied der ›Bild‹-Chefredaktion.

Die Moral von der Geschichtʼ: Beim Geld (sprich: der ›Bild‹-Auflage vor allem) hört auch die beste Frauen-Freundschaft auf. Mehrheitsaktionärin Friede Springer schätzt den Vorteil der Nähe zu Merkel für das Shareholder Value offenbar nur noch als gering ein. Die Springer-Blätter zahlen heute den Preis für jahrelange Liebedienerei und Leser-Verdummung (Stefan Aust hin oder her). Der Bedeutungsverlust vor allem der Cash-Cow ›Bild‹, die bei 1,3 von dereinst 5 Millionen verkaufter Zeitungen angekommen ist, nimmt für den Verlag bedrohliche Ausmaße an. Die um ihre Arbeitsplätze bangenden Redak­teure helfen sich mit Sarkasmus: »Der Letzte macht das Licht aus. Wir laufen hier doch eh schon mit der Kerze herum.«

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