Friedrich Merz lässt sich vor den linksgrünen CDU-Karren(bauer) spannen

Der nützliche Idiot

Laut ›Bild‹ hat CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer (AKK) einen »Geheim-Plan zur Kanzlerschaft« – mit Friedrich Merz als Wirtschaftsminister, ergänzt die ›FAZ‹. Tatsächlich betreibt der Merkel-Klon aus dem Saarland ein perfides Doppelspiel – mit Merz als »nützlichem Idioten«.

CDU-Wirtschaftsmann Friedrich Merz: Nichts weiter als ein konservatives Feigenblatt

Freitagabend in Eslohe im Hochsauerlandkreis, der Heimat von Friedrich Merz (CDU). Etwa 600 Besucher sollen es nach Angaben der örtlichen CDU sein, die in die Schützenhalle der 9.000-Seelen-Gemeinde geströmt sind – einer Gegend, wo sich sonst Fuchs und Hase »Gute Nacht« sagen.

Ja, es gibt einen besonderen Anlass:

»S’Annegret« kommt zur Eröffnung des Europawahlkampfes! So verkünden es seit Tagen die Plakate im Hochsauerlandkreis. Sie kommt sozusagen in die Höhle des Löwen, lautet die Botschaft zwischen den Zeilen. »AKK« erweist Friedrich Merz »die Ehre«. Das bizarre Schauspiel lässt sich der Mainstream nicht entgehen:

Im grellen Scheinwerferlicht drängt sich die Reportermeute um das vermeintlich neue CDU-Tandem. Die Blaskapelle »St. Peter und Paul« pustet, was die Backen hergeben. Der CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak, der mehr Sekretär als General ist, hält die Eröffnungsrede. Die Botschaft an die Wähler drinnen und draußen: Alles wieder gut in der CDU – Friede, Freude, Pfannekuchen. So nennen die Leute im Sauerland die sprichwörtliche Eierspeise.

Um zu verstehen, was hier wirklich abgeht, braucht es ein wenig Geschichtswissen:

Wladimir Iljitsch Lenin (1870–1924) wird der Begriff des »nützlichen Idioten« zugeschrieben. Der »rote Zar« meinte damit politische Akteure, die sich – ohne sich dessen bewusst zu sein – für Propagandazwecke einspannen lassen.

So gesehen ist auch das konservative CDU-Feigenblatt Friedrich Merz nichts weiter als ein »nützlicher Idiot«. Er lässt sich von der CDU-Vorsitzenden Annegret Kramp-Karrenbauer – das Wortspiel liegt nahe – vor den »Karren« spannen. Die Mini-Merkel aus dem Saarland betreibt allerdings ein perfides, aber auch leicht durchschaubares Doppelspiel, in welchem Merz lediglich eine Statistenrolle zugedacht ist – die des »Alibi-Konservativen« in der linksgrün »vermerkelten« Union.

Ansonsten folgt die Rollenverteilung in der Union dem klassischen Drehbuchtrick »good cop, bad cop«:

Angela Merkel ist der »gute Bulle«, der die Migranten weiterhin willkommen heißt. Annegret Kramp-Karrenbauer der »böse Bulle«, der die Dinge differenzierter sieht. Deshalb setzt sich der Merkel-Klon auf ausgewählten Themenfeldern wie der sogenannten Flüchtlingspolitik demonstrativ von der Masseneinwanderungskanzlerin ab. Potztausend, denken viele, es gibt sie ja doch noch, die konservative CDU, die »Nicht-Merkel-Union«.

Am deutlichsten wurde diese Doppelstrategie Mitte Februar nach dem sogenannten Werkstattgespräch der Union zur Migrationspolitik. Auf die Frage, ob sie die deutsche Grenze dichtmachen würde, sollte sich eine Situation wie bei der »Flüchtlings«-Invasion 2015 wiederholen, sagte Kramp-Karrenbauer: »Wir haben gesagt, als Ultima Ratio wäre das durchaus auch denkbar.«

Prompt dichtete ›Bild‹ dem Merkel-Klon einen »Geheim-Plan zur Kanzlerschaft« an. Theatralisch fragte das Blatt in seinem Politikheft, das der »Springer«-Verlag derzeit mit magerer Ausbeute in der Region Hamburg testet: »Was will die CDU-Chefin wirklich? Vor allem: Wann will sie es?«

In Wahrheit werden die Wähler vor der Europawahl und den Landtagswahlen im Herbst von der CDU-Chefin hinter die Fichte geführt: Kramp-Karrenbauer erweckt den bewusst falschen Eindruck, als hätten es die Wähler bei der Europawahl Ende Mai und bei den Landtagswahlen in Ostdeutschland mit ihrer Stimme für die »AKK«-CDU in der Hand, den Wechsel im Kanzleramt zu beschleunigen.

Spätestens hier kommt Friedrich Merz ins Spiel.

Beide, Merz und Kramp-Karrenbauer, so wird aus der Union gezielt verbreitet, hätten nicht nur einen Burgfrieden, sondern auch ein innerparteiliches Zweckbündnis geschlossen. »Das funktioniert zwischen den beiden«, zitierte die ›Bild‹-Zeitung einen »Vertrauten« und lässt den Mann ausdrücklich betonen: Als die CDU-Chefin sich Ende Februar im CDU-Wirtschaftsrat vorstellte, habe sich Merz deren Ausführungen »vollumfänglich angeschlossen«.

Wer eins und eins zusammenzählen kann, weiß, dass die Saarländerin den Sauerländer und mit ihm den CDU-Wirtschaftsflügel nur deshalb braucht, um nach den absehbaren Wahlpleiten in diesem Jahr überhaupt noch irgendwann eine Kanzlerperspektive zu haben, dann freilich von grünen Gnaden. Denn: Auch wenn Merz wie ein politisch Untoter die Bühne betritt, so zaubert sein Name noch immer eine Aura herbei, an der es dem Merkel-Klon Kramp-Karrenbauer durch und durch fehlt: Wirtschaftskompetenz, Profil in der Finanz-, Arbeitsmarkt- und Rentenpolitik.

Das Karottenprinzip

So werden denn auch aus dem »AKK«-Lager wohldosierte »Exklusiv-Infos« an die handzahmen Mainstream-Medien lanciert. Wie zum Beispiel diese Woche, als die Merkel-treue ›Frankfurter Allgemeine Zeitung‹ mit der Meldung für einen Sturm im Wasserglas sorgte, dass Merz in einem Kabinett Kramp-Karrenbauer als Wirtschaftsminister gesetzt sei. Zwar nicht von gleich auf jetzt an Stelle des Totalversagers Peter Altmaier (CDU); aber eben doch bald, vielleicht schon sehr bald. Dies war der Eindruck, den die ›FAZ‹-Meldung beim Wähler gezielt hinterlassen sollte.

Dass Merz laut ›Bild‹ abgewinkt haben soll, ist wiederum Teil des Verwirrspiels, um den Spannungsbogen zu erhalten. Im Übrigen hat der Sauerländer keineswegs grundsätzlich abgesagt; er hat nur ausgeschlossen, dass er unter einer Kanzlerin Merkel in das Bundeskabinett eintreten werde. Auch damit wird suggeriert: Je stärker die CDU, desto schneller der Wechsel im Kanzleramt – was natürlich blanker Unsinn ist.

Man könnte Kramp-Karrenbauers Doppelstrategie, die mit anzunehmender Wahrscheinlichkeit Merkels Segen haben dürfte, auch das »Karottenprinzip« nennen. Wie einem Esel, der mit einer Möhre vor der Nase auf Trab gehalten wird, hält die im Kern noch immer linksgrüne Merkel-CDU konservativen Wählern im Superwahljahr 2019 die »Möhre Merz« vor die Nase, um sie an die Wahlurnen zu locken.

Derweil verfolgt Angela Merkel durch die Panoramascheibe im siebten Stock des Kanzleramtes gleichermaßen staatsmännisch entrückt wie vergnügt das Treiben draußen im Regierungsviertel. In der Hauptstadt verdichtet sich der Eindruck, dass es die Masseneinwanderungskanzlerin gar nicht so eilig damit hat, ihren Schreibtisch zu räumen. Kramp-Karrenbauer hin, Merz her. (oys)

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