Für diese Pfeife muss ein Steuerzahler womöglich 70.000 Jahre lang arbeiten:

Wie »be-Scheuer-t« sind wir eigentlich?

Ein durchschnittlicher Steuerzahler wird vom Fiskus mit ca. 8.000 Euro pro Jahr zur Ader gelassen. Er müsste nach Adam Riese 70.000 Jahre arbeiten, um die 560 Millionen Euro zu erwirtschaften, die Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) im Maut-Skandal versenkt hat. Wie »be-Scheuer-t« sind wir eigentlich?

Politischer Schwachstrom statt Vollgas in der Verkehrs- und Infrastrukturpolitik: Andreas Scheuer (CSU) ist nicht nur einer der unfähigsten, sondern für die Steuerzahler auch einer der teuersten Bundesminister aller Zeiten

Kurz vor dem Start des Bundestagsuntersuchungsausschusses zur Pkw-Maut hatte Verkehrsminister Andreas Scheuer am Mittwoch dieser Woche noch einmal zur Pressekonferenz geladen. Wer ihm in der großen Halle seines Ministeriums zuhörte, fragte sich nach ein paar Minuten, ob der CSU-Politiker vielleicht doch noch so etwas wie einen Funken Anstand besitzen würde.

Scheuer sprach, wie die ›Süddeutsche Zeitung‹ notierte, ungewohnt nachdenklich von seinem Amtseid, den er geleistet habe (»so wahr mir Gott helfe«). Der CSU-Politiker räumte sogar Fehler seines Hauses bei der voreiligen Vergabe der Maut-Verträge ein. Er fühle »Demut und Respekt« vor der Verantwortung seines Amtes. Schließlich sei er ja als Minister angetreten, um das Leben der Menschen in Deutschland zu verbessern – zum Beispiel dergestalt könnte man meinen, dass die Züge der Bahn einigermaßen pünktlich fahren; dass das Internet wenigstens so schnell wird wie in Rumänien.

YouTube

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.
Mehr erfahren

Video laden

PHA+PGlmcmFtZSBzcmM9Imh0dHBzOi8vd3d3LnlvdXR1YmUtbm9jb29raWUuY29tL2VtYmVkL1RhajBhTkNlVjJJIiB3aWR0aD0iNTYwIiBoZWlnaHQ9IjMxNSIgZnJhbWVib3JkZXI9IjAiIGFsbG93ZnVsbHNjcmVlbj0iYWxsb3dmdWxsc2NyZWVuIj48L2lmcmFtZT48L3A+

Der Pattex-Minister

Doch mit jedem weiteren Satz wurde klar: Das staatstragende Geschwafel diente einzig dem Zweck, sich reinzuwaschen in einem Skandal, wie ihn die Republik lange nicht erlebt hat. Es gehe gar nicht um die Sache, sondern nur um seinen Kopf, wetterte der an seinem Stuhl klebende Pattex-Minister mit Blick auf die Opposition.

Ein parlamentarischer Untersuchungsausschuss zum Pkw-Maut-Debakel nimmt Scheuer ab jetzt in die Mangel. Es geht um einen Schaden von 560 Millionen Euro zulasten der Steuerzahler. Auf diese gigantische Summe summieren sich die Forderungen der Pkw-Maut-Betreiber, mit denen Scheuer vorschnell und leichtfertig Verträge abgeschlossen hatte.

Die Betreiber hätten »keinen Anspruch auf Entschädigung«, versucht sich der Pattex-Minister herauszuwinden. Die Betreiberfirmen hätten »ihre vertraglichen Leistungen nicht erfüllt«. Wie auch, nachdem der EuGH die Pkw-Maut kassiert hatte und Scheuer die Verträge kündigen musste? Berliner Insider berichten, der Minister soll dem Absinth nicht abgeneigt sein – das würde manches erklären.

Operation »Bayerndussel«

Fakt ist: Diese Karikatur von Minister ist nur noch eine einzige Zumutung! Oder ist Andreas Scheuer in Wahrheit Experiment der Regierung, wie viel Inkompetenz die Bürger zu ertragen bereit sind? Das vermutet die Satire-Website ›Der Postillon‹. Dort lesen wir:

»Viele haben es vielleicht schon geahnt, jetzt bestätigen Recherchen des Postillons: Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) ist offenbar Teil eines geheimen Projekts der Bundesregierung. Ziel der Operation ›Bayerndussel‹ ist es, herauszufinden, wie viel Fehlverhalten die deutschen Bürger zu ertragen bereit sind, bevor sie endgültig die Nase voll haben.«

Laut »internen Dokumenten«, die dem ›Postillon‹ vorliegen, soll der Posten des Verkehrsministeriums bei der Regierungsbildung 2018 gezielt mit einer »offenkundigen Karikatur eines Politikers« besetzt worden sein. So habe man erforschen wollen, »ab wie viel dreister Inkompetenz die Bürger tatsächlich empört auf die Straßen gehen. Diese Erkenntnis wiederum wollte die Regierung nutzen, um künftig einen Maßstab zu haben, wie inkompetent Minister maximal sein dürfen«.

Zum Lachen, wenn es nicht so teuer wäre! Es scheint offenbar wirklich nicht mehr weit zu sein zur »Bananenrepublik Deutschland«.

YouTube

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.
Mehr erfahren

Video laden

PHA+PGlmcmFtZSBzcmM9Imh0dHBzOi8vd3d3LnlvdXR1YmUtbm9jb29raWUuY29tL2VtYmVkLzFsZC03eUdLUFdrIiB3aWR0aD0iNTYwIiBoZWlnaHQ9IjMxNSIgZnJhbWVib3JkZXI9IjAiIGFsbG93ZnVsbHNjcmVlbj0iYWxsb3dmdWxsc2NyZWVuIj48L2lmcmFtZT48L3A+

Bei »Andreas Scheuer« handelt es sich demnach um eine in aufwendiger Arbeit erstellte Kunstfigur, die vom bayerischen Charakterdarsteller und Kabarettisten Frank Plöhnert (49) verkörpert wird. Der Schauspieler veränderte dafür sein Aussehen komplett: neue Brille, gefärbte und streng nach hinten gegelte Haare, seltsame Schals.

So sah Plöhnert vor seiner Verwandlung in »Andreas Scheuer« aus.

Plot-Skizzen und Regieanweisungen zeigen, wie weit die Macher mit der Figur gingen, als sie merkten, wie wenig negatives Echo aus der Bevölkerung kommt. Eine Reihe der kalkulierten Verfehlungen von »Andreas Scheuer« beinhaltet:

– mehrfache Leugnung der Gesundheitsgefährdung durch Stickoxide

– zahllose Treffen mit Lobbyisten der Autoindustrie und nahezu vollständige Übernahme derer Argumente

– sinnloses Schwingen eines Plastik-Lichtschwerts beim Deutschen Computerspielpreis

– erwiesenermaßen ineffiziente Autobahn-Privatisierungsprojekte

– eigenmächtiges, heimliches und voreiliges Abschließen von Mautverträgen mit privaten Firmen, was nach dem Aus für die Maut vor dem EuGH den deutschen Steuerzahler bis zu 600 Millionen Euro kosten könnte

– mutmaßliches Belügen der Öffentlichkeit und des Parlaments über die wahren Kosten

– Fahren des umweltschädlichsten Dienstwagens unter allen Ministern

– mutmaßlich korruptes Unterlaufen des Bieterverfahrens mit Mauteintreibern wie Toll Collect und anderen

– Einberufen einer Pressekonferenz, bei der alle dachten, er träte zurück, nur um sich selbst zu loben

Doch selbst nach diesen Aktionen gelang es kaum, nachhaltigen Unmut bei Wählern hervorzurufen. Zwar schneidet Scheuer in Umfragen immer wieder als schlechtester Minister der Regierung ab, doch ein breites Aufbegehren gegen den Poser aus Passau blieb kurioserweise aus.

Wird wohl noch eine Schippe drauflegen müssen: »Andreas Scheuer«

Der bisherige Erkenntnisgewinn des Experiments laut einer internen Zwischenauswertung im November 2019: Minister der Bundesregierung dürfen sich offenbar alles erlauben, ohne Konsequenzen befürchten zu müssen – wo die Grenze liegt, ist immer noch völlig unklar.

Bei seinem Maut-Debakel räumt sogar Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) «Fehler» ein. Der Schaden zulasten der Steuerzahler könnte 560 Millionen Euro betragen

Die neuesten Regieanweisungen für »Andreas Scheuer« sind daher noch einmal deutlich drastischer als zuvor. So soll er im nächsten Jahr mindestens 13 Milliarden Euro Steuergelder in die Entwicklung eines mit Mayonnaise betriebenen Autos investieren, eine Affäre mit einem Dieselmotor beginnen, in Interviews nur noch mit Brummgeräuschen antworten und sich die vier Audi-Ringe als Arschgeweih tätowieren lassen. (oys)

print