Gas geben gegen Grün!

Froelich & frei

von Tomasz M. Froelich

Als ich vor einigen Monaten im Raum Stuttgart auf der Autobahn raste, bekam ich auf dem Überholstreifen autosportaffine Konkurrenz: Drei oder vier schwarze Porsche Panamera wollten es wissen und sich auf ein Wettrennen mit mir einlassen – ich nahm natürlich dankend an. Was mir auffiel: Jedes dieser Autos hatte ein Ludwigsburger Kennzeichen, alle Fahrer sahen chinesisch aus. Da leuchtete mir ein, dass das wohl Rasertouristen aus Fernost waren, die sich in der schwäbischen Provinz eine nette Karre mieteten, mit der sie die Vorzüge des fehlenden Tempolimits auf deutschen Autobahnabschnitten genießen wollten. Solide Typen!

Wenn ich im Ausland bin, fragen mich die Leute häufig, ob es denn wirklich stimmen würde, dass man in Deutschland theoretisch mit unbegrenzter Geschwindigkeit auf der Autobahn düsen könne. Wenn ich das bestätige, werde ich gefragt, ob ich denn selbst schon mit Tempo 200 oder mehr gefahren sei. Wenn ich auch das bestätige und hinzufüge, dass ich schon 280 km/h gefahren bin, ist die Faszination meiner Gesprächspartner fast so grenzenlos wie Deutschland, das wie kein anderes Land für den Mythos Auto steht: Porsche – keiner braucht ihn, jeder möchte ihn. BMW – Freude am Fahren. Mercedes-Benz – ein guter Stern auf allen Straßen. Audi – Vorsprung durch Technik. Und dazu noch das fehlende Tempolimit, um das uns die ganze Welt beneidet. Ein Traum! Und ausgerechnet diesen Traum wollen uns die ökopaternalistischen Spaßbremsen nun nehmen. Nicht mit mir!

Freie Fahrt für mehr Sicherheit!

Die ökopaternalistischen Spaßbremsen begründen ihre Forderung damit, dass ein Tempolimit einen Beitrag zur Klimarettung leisten würde – was selbst von Greta-treuen Mainstreammedien bezweifelt wird. Ein anderes Argument: Ein Tempolimit würde deutsche Autobahnen sicherer machen. Auch das lässt sich empirisch nicht bestätigen – im Gegenteil: Laut »Statista« kommen in Polen (Tempolimit 140 km/h) auf 100.000 Einwohner 7,4 Verkehrstote, in Griechenland (Tempolimit 130 km/h) 6,9, in Belgien (Tempolimit 120 km/h) 5,5, in Österreich (Tempolimit 130 km/h) 4,7 und in Deutschland lediglich 3,8. Bei der Anzahl der Toten pro Fahrzeugkilometer sind die Zahlen ähnlich. Das mag zunächst paradox erscheinen, ist bei näherer Betrachtung aber sehr plausibel.

Tempolimits erzwingen eine gefährliche Monotonie des Fahrens

Denn Tempolimits auf Autobahnen bewirken eine Monotonie des Fahrens, die auf viele Autofahrer ermüdend wirkt und gefährlich ist. Ich fahre regelmäßig die Strecke von Brüssel nach Straßburg. Mehr als 130 km/h sind auf dieser Strecke nicht erlaubt, Geschwindigkeitsübertretungen können teuer werden. Nach maximal 200 Kilometern Fahrt ist man kurz davor, einzuschlafen. Spektakuläre Spurenwechsel verzögern die Ermüdungserscheinungen und erhöhen die Konzentration vielleicht ein wenig, mehr aber auch nicht. Und der ständige Blick auf den Tacho erschwert es, andere Verkehrsteilnehmer im Auge zu behalten und notfalls reaktiv zu fahren – eine Einschränkung situationsbezogener Reaktivität ist wesentlich gefährlicher als schnelleres Fahren.

Wer schnell fahren darf und dies auch gerne tut, fährt aufmerksamer und vorsichtiger. Tempolimits hingegen erhöhen die Verkehrsrisiken.

Hier greift das, was der Ökonom Samuel Peltzman als »Risikohomöostase« bezeichnet hat: Maßnahmen zur Erhöhung der Verkehrssicherheit, wie etwa Tempolimits, die Gurtpflicht etc. können oft unwirksam sein oder sogar das Gegenteil ihrer eigentlichen Intention bewirken, weil sich die Verkehrsteilnehmer durch derlei Maßnahmen in Sicherheit wähnen und sich deshalb riskanter verhalten bzw. riskanteren Aktionen anderer ausgesetzt sind. Das trügerische Gefühl der Sicherheit kann zu einem Verhalten führen, das das Gefahrenpotenzial am Ende erhöht. Aber so weit denken grünlinke Autofeinde natürlich nicht.

Hypermoralisch getarnter Sozialneid, sonst nichts!

Deren Forderung nach einem Tempolimit, aber auch nach Dieselfahrverboten und ihr Kampf gegen das Auto generell, ist die Übertragung ihres gesellschaftlich verpönten, und doch so weit verbreiteten Sozialneids auf eine Ebene, auf der er als solcher so unmittelbar nicht auffällt. Schließlich geht es ja angeblich um höhere und hehre Ziele: Klimarettung und Sicherheit – auch wenn das in diesem Fall der Empirie nicht standhält. Macht nichts. So wird aus Sozialneid schnell staatliche Bevormundung, ganz im Sinne der eigenen Komplexminimierung.

Spaßbefreit sind diese Milieus zu weiten Teilen ohnehin, das sieht man ihnen förmlich an. Und wer selbst spaßbefreit ist, neidet anderen häufig deren Spaß. In ihrem neidgetriebenen Drängelungs- und Gängelungswahn wollen diese Leute allen, die etwas mehr geleistet oder einfach andere Präferenzordnungen haben als sie selbst, die letzten Freuden am Leben nehmen. In Deutschland stoßen sie damit leider auf fruchtbaren Boden.

Grüner Totalitarismus – eine Horrorvision

Wenn es den von Sozialneidern so Verhassten schlechter gehen soll, sind sie bereit, selbst schwere Nachteile auf sich zu nehmen, weil Ungleichheit für sie dann unerträglich ist, wenn sie schlechter dran sind als die anderen: Etwa wenn der Nachbar Ferrari Testarossa, man selbst aber nur auf einem Drahtesel fährt – wäre es umgekehrt, wäre das für sie natürlich erträglicher. Kombiniert mit moralischer Verkommenheit und ihren sonstigen politischen Ansichten, ergibt sich ein düsteres Bild einer linkspaternalistischen Verbots- und Volksbevormundungsgesellschaft, die in etwa so ausschaut:

Rauchverbote, Wegbierverbote, Plastiktütenverbote, Zensurgesetze, Böllerverbote, Kindsmordlegalisierungen (während man Todesstrafen für Schwerstverbrecher ablehnt), Werbeverbote für Tabak und Alkohol (während man Werbung für das Abschlachten lebensfähiger Kinder kurz vor der Geburt legalisieren möchte), Bargeldverbote, und natürlich Dieselfahrverbote und Tempolimits. Es wird, frei nach Roland Baader, in den Brieftaschen und Konten, im Arbeits- und Privatleben, in Familie und Partnerbeziehungen, in allen Lebensbereichen der Menschen herumgestochert. Die Parameter der gesamten Existenz der Bürger werden auf den Funktionärsschachbrettern hin- und hergeschoben, und der Bürger ist nur noch Spielmaterial für die Machtlaunen und Profilierungssüchte von Kindergartenimperatoren. Solange, bis er ein abgestumpftes, infantiles, entmündigtes und verdepptes Wurmdasein fristet. Erwachsene werden wie Kinder entmündigt, das passt ins Bild einer immer infantileren Gesellschaft. Die Menschen scheinen vergessen zu haben, was Freiheit bedeutet, für die tausend Generationen gekämpft und gelitten haben. Und so landen sie über kurz oder lang in einem grünsozialistischen Volksheim – man könnte es auch als Freiluftklapse bezeichnen.

Das Tempolimit wäre nur ein weiterer kleiner, aber gerade in Deutschland, dem Land des Automobils, symbolisch nicht zu unterschätzender Schritt in einen die Bürger entmündigenden, freiheitsraubenden linksgrünen Totalitarismus. Wenn sich der deutsche Michel auch das noch gefallen lassen sollte, ist ihm wirklich nicht mehr zu helfen. Die Devise muss daher lauten: Gas geben gegen Grün!

Tomasz M. Froelich

1988 geboren und aufgewachsen in Hamburg. Studium in Wien. Politischer Berater in Brüssel. Stellvertretender Bundesvorsitzender der Jungen Alternative für Deutschland.

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