Gendermainstreaming:

»Verein Deutsche Sprache« bietet Lübecker Stadtbediensteten Prozesskostenhilfe

Der Gender-Stern war gestern: Die Hansestadt Lübeck hat mit dem Gender-Doppelpunkt eine noch irrsinnigere Verordnung eingeführt

Nach Hannover, Augsburg und Kiel hat sich nun auch die Hansestadt Lübeck dem Gendermainstreaming-Diktat gebeugt und unter ihrem Oberbürgermeister Jan Lindenau (SPD) die »gendergerechte Sprache« eingeführt. Der Verein Deutsche Sprache (VDS) bietet Lübecker Stadtbediensteten Prozesskostenhilfe an, wenn sie die neue Verordnung der Hansestadt nicht beachten und dadurch Nachteile erleiden.

Die Lübecker Stadtverwaltung hat einen Leitfaden erarbeitet, der seit dem neuen Jahr geschlechtsneutrale Sprache in allen städtischen Publikationen sowie dem Schriftverkehr gewährleisten soll. Führte Hannover noch das sogenannte »Binnen-I« ein, so geht die Hansestadt Lübeck noch einen Schritt weiter. Eine neue Rolle bekommt dabei der Doppelpunkt. Aus Mitarbeitern werden Mitarbeiter:innen, aus Schülern Schüler:innen. Sämtliche männlichen Mitbürger Lübecks sind ab sofort Lübecker:innen.

»Thomas Mann hätte sich für seine Heimatstadt geschämt«, sagt Walter Krämer, Vorsitzender des VDS, »die Stadt Lübeck setzt sich über amtliche Regeln der deutschen Rechtschreibung hinweg und macht sich die Welt, wie sie ihr gefällt.« Der Doppelpunkt ist ein Satzzeichen – und damit nichts, was man aktiv sprechen kann. Er hindert, wie auch das Gendersternchen oder das Binnen-I, den Lesefluss und stiftet mehr Verwirrung, als dass er Klarheit schafft.

»Der Dienstherr missbraucht hier in eklatanter Weise sein Weisungsrecht«, so Krämer weiter, »die geltende Rechtschreibung sieht entsprechende Monstrositäten aus gutem Grund nicht vor.« Wer dieses grässliche Deutsch als Rechtfertigung für seine Arbeit zur besseren Gleichstellung von Mann und Frau nutzt, hat nicht verstanden, wo es gesellschaftlich bei diesem Problem wirklich hapert, stellt Krämer klar. Dass zudem anerkannte Floskeln wie »Mannschaft«, »Mutter-Kind-Parkplatz« und »Not am Mann« ausgemerzt werden sollen, komme einem Ausverkauf der deutschen Sprache gleich.

Da aus Sicht des VDS der verbindliche Leitfaden gegen geltendes Recht verstößt und gesellschaftlich gesehen unnötige Gräben zwischen den Geschlechtern schafft, bietet der VDS Lübecks Beamten nun die Prozesskostenhilfe bei Verstößen gegen das neue Rechtschreibregelwerk an, heißt es in der Presseerklärung des Vereins, der nach Eigenangaben über den Beitrag seiner 36.000 Mitglieder finanziert wird und sich seit seiner Gründung 1997 für den Erhalt und die Förderung des Deutschen als eigenständige Kultursprache einsetzt.

Ein Prozess gegen die Stadt Zürich (Schweiz) läuft bereits.

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