»Generation Greta«:

Mathe-Abitur zu schwer

Schulschwänzer auf Klima-Demo: Nun jammert die Generation »Greta« über angeblich zu schwere Mathematik-Prüfungsaufgaben

Zehntausende Schüler bundesweit beklagen sich über ein zu schweres Mathe-Abitur. Onlinepetitionen wurden gestartet. Der Deutsche Lehrerverband sieht bislang keine Anzeichen dafür, dass die Aufgaben zu kompliziert waren.

In mehreren Bundesländern haben sich Abiturienten über den Schwierigkeitsgrad der Aufgaben in der schriftlichen Mathematik-Abiturprüfung beschwert und mit Onlinepetitionen an ihre Kultusministerien gewandt, so in Bayern, Niedersachsen, Bremen, Hamburg und dem Saarland, in Mecklenburg-Vorpommern, Berlin, Thüringen und Sachsen-Anhalt. Bis zum Sonntagnachmittag wurden diese von mehr als 60.000 Schülern und Sympathisanten unterstützt. In Bayern und Niedersachsen kündigten die Kultusministerien an, die Prüfung zu überprüfen.

Die Prüflinge beanstanden, dass die Aufgaben zu schwer und zu umfangreich gewesen seien; es habe sogar Aufgabenstellungen gegeben, die so nie zuvor behandelt worden seien. Vor allem Teile der Geometrie und Stochastik seien so schwer gewesen wie in keiner der vergangenen Prüfungen, so die Klage. Die Hamburger und niedersächsischen Schüler schreiben in ihren Petitionen, die Anforderungen seien »nicht erfüllbar und zu hoch angesetzt« gewesen. Neben der Schwierigkeit kritisieren sie auch den Umfang: »Es wurde eine hohe Anzahl an Aufgaben gestellt, die so in ihrer Ausfertigung nur schwer lösbar und nicht schülergerecht konzipiert wurden.« Selbst in Berlin, wo die Anforderungen in den Abiturprüfungen immer weiter abgesenkt wurden und im Vergleich zu Bundesländern wie Thüringen oder Bayern auf einem niedrigen Niveau angesiedelt sind, gab es Protest.

Seit dem Jahr 2017 sind die Prüfungen in Deutschland etwas vergleichbarer geworden. Seither gibt es einen Aufgabenpool in vier Fächern ­– Mathe, Deutsch, Englisch und Französisch –, aus dem sich die Länder für ihre Abiturprüfungen bedienen können. Erstellt wurden die Aufgaben von Teams aus Fachdidaktikern und Lehrkräften aus allen Ländern. Die fachliche Koordination und Leitung liegt beim Institut zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen an der Humboldt-Universität zu Berlin. Daneben gibt es aber weiterhin Aufgaben, die die Länder selbst entwickeln – in der Regel bestehen die Prüfungen also aus einer Mischung dieser beiden Aufgabenarten.

»Nicht die Mathematik ist schwerer geworden, sondern, die Mathematik zu erfassen«

Der Deutsche Lehrerverband sieht bislang keine Anzeichen dafür, dass die Aufgaben zu kompliziert waren. »Im Internet lässt sich Erregung sehr schnell mobilisieren. Deshalb sollten wir abwarten«, so Verbandspräsident Heinz-Peter Meidinger gegenüber der ›Rhein-Neckar-Zeitung‹. Die Tendenz zeige für Bayern, dass sich die Notenresultate »im durchschnittlichen Bereich der Abi-Prüfungen in Mathematik« bewegten. Wenn es Hinweise auf eine erschwerte Prüfung gebe, müsse man über eine Neubewertung nachdenken. Aber derzeit gebe es dafür keine Anzeichen.

Ähnlich äußern sich auch Vertreter des Philologenverbandes, der die Gymnasiallehrer vertritt und in den vergangenen Jahren immer wieder vor einem sinkenden Leistungsniveau an Gymnasien gewarnt hat. Auch der Landesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Tom Erdmann, sieht die Beschwerden der Schüler mit Skepsis. »Nicht die Mathematik ist schwerer geworden, sondern, die Mathematik zu erfassen«, so Erdmann. Es sei nicht zu viel verlangt, dass Abiturienten komplexe Aufgabenstellungen verstehen und lösen können.

Diese Feststellung wird durch die steigende Zahl von Abiturienten, die das Abitur nicht schaffen, gestützt. In den vergangenen neun Jahren ist die Quote der nicht bestandenen Prüfungen nahezu stetig gestiegen. Während im Abiturjahrgang 2009 laut Kultusministerkonferenz noch 2,39 Prozent der Schüler durchfielen, waren es 2017 schon 3,78 Prozent. Für 2018 liegen noch nicht aus allen Bundesländern Zahlen vor, die Tendenz bestätigt sich jedoch: In vielen Ländern stieg die Durchfallerquote abermals. Besonders hoch ist sie in Mecklenburg-Vorpommern, wo 2017 etwa jeder 14. Abiturprüfling scheiterte.

Neben der Auswahl der Abituraufgaben, der schulischen Befähigung und dem Grad der Vorbereitung spielen allerdings auch weitere Faktoren eine wichtige Rolle: Lehrermangel oder Unterrichtsausfall. Und Letzteres gab es bei der Generation »Greta« in den vergangenen Wochen nahezu jeden Freitag.

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