Gesinnungsschnüffelei in der Kita

Broschüre der Kahane-Stiftung ruft zur Denunziation von Kleinkindern auf

Trägt Ihre kleine Tochter gerne Kleider? Liebt sie es, sich ihre Haare zu Zöpfen flechten zu lassen? Betätigt sich Ihr Sohn gerne körperlich, tobt er viel herum, ist er vielleicht für sein Alter kräftig gebaut? Spielen Ihre Kinder gerne »Schwarzer Peter«? – Achtung! Sie könnten rechtsextrem sein. Zumindest, wenn es nach einer vom Bundesfamilienministerium geförderten Broschüre der linksradikalen »Amadeu Antonio Stiftung« (AAS) geht.

»Ene, mene, muh – und raus bist du!« heißt das Elaborat der von Ex-Stasi-Mitarbeiterin Anetta Kahane (IM Victoria) geleiteten Stiftung.

Auf 60 eng beschriebenen Seiten erhalten besorgte Eltern und Erzieher in bester DDR-Manier eine detaillierte Anleitung zu Gesinnungsschnüffelei und Denunziation.

Man könne gar nicht früh genug damit anfangen, jubelt Familienministerin Franziska Giffey (SPD) in einem Grußwort und klopft sich selbst kräftig auf die Schulter, denn schließlich fördere ihr Ministerium derartige Initiativen.

Und wie soll nun der Kampf gegen »rechts« im Kleinkindalter geführt werden? In einem ersten Schritt empfiehlt die Broschüre, »rechte« Tendenzen im Elternhaus auszumachen. Dazu nennt sie eine Reihe von »Fallbeispielen«: Mädchen, die Zöpfe tragen und lieber Kleider statt Hosen anziehen oder »zu Hause zu Haus- und Handarbeiten angeleitet« werden. Jungs, die durch körperliche Fitness auffallen. Eltern, die nicht wünschen, dass ihr kleiner Sohn sich von der Erzieherin die Fingernägel lackieren lässt. »Klärende Elterngespräche« seien dann zu führen.

Den Kindern solle »in diesem Fall ein alternativer Erfahrungsraum zu ihrem Elternhaus« eröffnet werden.

Sehr verdächtig, ja, sogar besonders gefährlich sind in den Augen der AAS alle, die sich gegen den Gender-­Unsinn wehren. So gebe es »stereotype Geschlechtervorstellungen (gemeint ist die Auffassung, dass Jungs Jungs und Mädchen Mädchen sind, Anm. des Verf.) in vielen Milieus. Sie sind insofern anschlussfähig bzw. haben eine Brückenfunktion an rechtsextreme Ideologie«. Das sei bereits dann gegeben, wenn ein Junge zuhause keinen Rock anziehen darf!

In einem weiteren Schritt wirbt die Broschüre offen für soziale Ausgrenzung der betreffenden Eltern. Das klingt so: »Im Sinne von Transparenz und Offenheit empfiehlt es sich, die gesamte Elternschaft über den Fall zu informieren sowie generell über Erscheinungsformen von Rechtsextremismus lokal/regional aufzuklären. Eltern haben ein Recht darauf, zu wissen, wer sich rechtsextrem engagiert und in welchen Elternhäusern ihre eigenen Kinder ggf. zu Gast sind. Nicht zuletzt kann dies wichtig sein, um zu thematisieren, wer sich zur Wahl in den Elternrat aufstellen lässt. Eine klare Position gegen rechts seitens der Einrichtung kann andere Eltern ermutigen, sich dagegen zu stellen.«

Die Gesinnungsschnüffelei bleibt nicht bei Eltern und deren Kindern stehen, auch unter den Kollegen selbst sollen Abweichler erkannt, auf Kurs gebracht und gegebenenfalls an die Luft gesetzt werden.

Dabei genügt es schon, Sorge wegen einer Migrantenunterkunft in der Nähe der Kita zu äußern oder Bedenken zu hegen, dass ein übergroßer Anteil nichtdeutscher Kinder sich negativ auf die Bildung auswirken könnte.

Allezeit sei Vorsicht geboten, so die Broschüre. Überall lauere Fremdenfeindlichkeit und Diskriminierung. Ja, selbst Interesse an Migrantenkindern und empathisch gemeinte harmlose Bitten, wie z.B. das Kind möge einmal von den Bräuchen und Traditionen seiner Heimat erzählen, sei schon Ausgrenzung. Denn damit vermittle man dem Kind das Gefühl, anders zu sein und nicht dazuzugehören.

Dabei geht für die Macher der Handreichung die Gefahr des Kindeswohls ausschließlich von »rechts« aus. Kein Wort zu linksextremen Elternhäusern, kein Wort zu muslimischen.

Bezeichnenderweise gibt es zu dem– in der Broschüre ebenfalls beklagten– Antisemitismus kein einziges »Fallbeispiel«. War unter den mit judenfeindlichen Vorurteilen behafteten Kindern vielleicht kein blonder Junge, kein bezopftes Mädchen auszumachen? Oder wäre bei der Aufzählung von konkreten antisemitischen Fällen das Weltbild der Stiftung zusammengebrochen?

Der AfD-Bundestagsabgeordnete Stephan Brandner fällt in einer Kleinen Anfrage an die Bundesregierung ein vernichtendes Urteil: »Die ›Amadeu Antonio Stiftung‹ hat mit ihren abstrusen Auffassungen nichts, aber auch gar nichts an unseren Kindergärten und Schulen zu suchen. Dass ausgerechnet diese mehr als überflüssige Einrichtung Propagandaschriften für den Umgang mit Kindern erstellt, ist nicht tragbar. Rätselhaft auch, dass die Bundesregierung keinen Verstoß gegen die Neutralität feststellen konnte – obwohl in dieser Broschüre völlig einseitig und abwegig argumentiert wird.«

Selbst CDU-Politikern geht der Gesinnungsterror der Stiftung zu weit.

»Ich warne vor einem Einsatz der Broschüre an unseren Kitas«, sagte der Berliner Kultusminister Christian Piwarz (CDU) laut eines Berichtes der ›Bild‹-­Zeitung. Auch der stellvertretende Bürgermeister des Berliner Bezirks Neukölln, Falko Liecke (CDU), hat allen Kitas in seinem Zuständigkeitsbereich empfohlen, die Broschüre nicht zu verwenden. Die stellvertretende CDU/CSU-Fraktionsvorsitzende im Bundestag, Nadine Schön, forderte, die Handreichung sofort einzustampfen. »Eine Broschüre, die Vorurteile bekämpfen will, vermittelt selbst welche«, so Schön.

Ob die Christdemokraten diese Position durchhalten, darf bezweifelt werden, denn dann wäre der Koalitionsfrieden gefährdet: Aus dem SPD-geführten Familienministerium hat die AAS im vergangenen Jahr fast eine Million Euro Fördermittel erhalten. Ex-Stasi-Agentin Kahane dürfte also beim Umbau der Bundesrepublik in eine DDR 2.0 weiterhin ein warmer Geldregen aus Steuermitteln garantiert sein.

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