Gewinner & Verlierer

Gewinner: Stefan Aust (73) / Verlierer: Alexander Mitsch (52)

Gewinner

Auf zu Mama Merkel! Stefan Aust (73), Ex-›Spiegel‹-Chefredakteur (als das Hamburger Haltungsheftchen noch ein Nachrichtenmagazin war), brilliert mit einer fünfteiligen Videoreportage über die Masseneinwanderung im Zuge der illegalen Grenzöffnung vor vier Jahren. Der Mehrteiler »Völkerwanderung« des heutigen ›Welt‹-Herausgebers (leider kann man die Videos nur hinter der ›Welt‹-Bezahlschranke sehen) hebt sich wohltuend ab von dem schöngesülzten Dokudrama (»Stunden der Entscheidung«) kürzlich im ›ZDF‹. Es ist ein Protokoll, eine chronologische Erzählung, wie sich Deutschland und Europa als Folge der Völkerwanderung grundlegend verändert haben. Nüchtern, ohne Welcome-Pathos, blicken Aust und sein Co-Autor Helmar Büchel zurück: Nachdem die deutsche Grenze für sogenannte Flüchtlinge gesetzeswidrig geöffnet wurde, »zieht es viele nach Deutschland. Sie hatten die Worte der Kanzlerin als Einladung verstanden … auf dem Weg zu ›Mama Merkel‹«. Die Filmemacher rekapitulieren: »Sie kommen über die Ägäis, über das Mittelmeer …« Vor dem Hintergrund dessen, was sich in diesen Tagen wieder auf den griechischen Inseln abspielt, läuft es einem kalt den Rücken herunter. Noch mehr, wenn man sich die jüngsten Drohungen des türkischen Halbdiktators Erdoğan vergegenwärtigt!

Verlierer

Die sogenannte WerteUnion ist eine Art Venusfliegenfalle (fleischfressende Pflanze) für die Letzten der konservativen Mohikaner in der CDU. Wie marginal die tatsächliche Bedeutung der von der Union nicht anerkannten Gruppierung ist, bekam ihr Vorsitzender Alexander Mitsch (52) jetzt zu spüren: Er verlor sein einziges Parteiamt. Mitsch wurde im Kreisverband Rhein-Neckar in Baden-Württemberg nicht mehr zum Beisitzer im Kreisvorstand gewählt. In der linksgrünen CDU wird dies durchaus zutreffend als Zeichen dafür gewertet, dass der Rückhalt der »WerteUnion« innerhalb der Bundespartei weniger groß ist, als von der konservativen Feigenblattgruppierung selbst behauptet wird. Mitsch, der u. a. die Flüchtlingspolitik von Kanzlerin Angela Merkel kritisiert, hin und wieder deren Rücktritt fordert und sich für Friedrich Merz als CDU-Chef eingesetzt hatte, erzielte bei den Wahlen zum Kreisvorstand das schlechteste Ergebnis aller 19 Kandidaten, verlautbarte die baden-württembergische CDU mit einer mehr als nur klammheimlichen Freude. Nüchtern betrachtet muss man tatsächlich feststellen: Die »WerteUnion«, zu der auch Ex-Verfassungsschutzchef Hans-Georg Maaßen gestoßen ist, hat ein paar ›Facebook‹-Anhänger – spielt aber ansonsten keine bedeutende Rolle im Machtgefüge der CDU (und in der deutschen Politik schon gar nicht). Da kann Mitsch fordern und wünschen, was er will.

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