Gewinner & Verlierer

Gewinner: Dieter Greysinger / Verlierer: ›Bayernkurier‹

Gewinner

Es gibt sie noch – die stillen und manchmal, wenn ihnen endgültig der Kragen platzt, nicht mehr ganz so stillen Helden in der Wirklichkeit: Dieter Greysinger (54, SPD) ist einer von ihnen. Nach der Wende kam der Franke ins mittelsächsische Hainichen (8.600 Einwohner), um für die Barmer-Krankenkasse eine Niederlassung zu eröffnen. Er blieb bis heute. 2018 wurde Greysinger mit 75,9 Prozent für weitere sieben Jahre als Bürgermeister bestätigt. Seit 15 Jahren ist er jetzt das Oberhaupt der Gemeinde unweit von Chemnitz. Und, so viel kann man sagen, er ist der richtige Mann zur richtigen Zeit am richtigen Ort: Ein abgelehnter Asylbewerber, Marokkaner, 30 Jahre alt, überfiel in Hainichen eine junge Frau, wurde geschnappt – doch der Staatsanwalt ließ ihn (alles wie gehabt) wieder laufen. Dieter Greysinger reagierte zunächst, wie jeder normal denkende Mensch in einer solchen Situation reagiert, fassungslos – einfach nur fassungslos. Dann beschloss der SPD-Kommunalpolitiker, seine Sprachlosigkeit zu überwinden. Greysinger machte Druck auf höherer Ebene – bis ins sächsische Innenministerium. Und siehe da, mit Erfolg: Es dauerte keine zwei Tage, bis der Merkel-Gast erneut festgenommen wurde und wieder in Untersuchungshaft saß. Ein Bürgermeister im wahrsten Sinne des Wortes: nämlich ein Meister der Bürger!

Verlierer

Für die CSU-Legende Franz Josef Strauß (FJS) war der Bayernkurier‹ das, was ›Twitter‹ heute für US-Präsident Donald Trump ist. Wann immer der »Große Vorsitzende« in seiner Zeit als Parteichef seine politischen Botschaften unters Volk bringen wollte, standen sie in großen Lettern auf der Titelseite des offiziellen CSU-Organs, dessen legendärer Chefredakteur jahrzehntelang der 2018 verstorbene Strauß-Vertraute Wilfried Scharnagl war. Doch der neuzeitliche Trend zur allgemeinen Konsens-Soße war auch der Tod des am 3. Juni 1950 erstmals erschienenen CSU-Traditionsblattes: Mit der aktuellen Ausgabe gehen beim ›Bayernkurier‹ die Redaktionslichter aus. Auf Drängen von CSU-Chef Markus Söder und seinem Wackeldackel, dem sogenannten Generalsekretär Markus Blume, wird das hoch defizitäre Blatt mangels Abnehmer ab sofort eingestellt. Lang ist es her: »Der ›Bayernkurier‹ wird Wochenzeitung der Partei sein, in der über Grundlagen und Ziele unserer Politik, über unsere Arbeit und Leistung in Bayern und Bonn berichtet wird«, definierte Franz Josef Strauß 1950 die Zielsetzung des einst konservativen Leitmediums, das seinerzeit für 50 Pfennig sogar bundesweit seine Käufer am Kiosk fand. Strauß selbst nutzte seinen »Kurier« gerne dafür, vor allem die Schwesterpartei CDU vor sich her zu treiben. Der ›Bayernkurier‹ übernehme eine Aufgabe, die »für den Erhalt der Eigenstaatlichkeit Bayerns und für das Ansehen Bayerns im Deutschen Bund von wesentlicher Bedeutung ist«, formulierte es einst »FJS«. Doch wo kein politisches Erbe mehr, da auch kein Erblasser mehr. Es ist eine alte Erfahrung: Der Zeitgeist weht heute hierhin und morgen dahin – und wer sich nach ihm richtet, wird vom Winde verweht. Siehe ›Bayernkurier‹.

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