Gewinner & Verlierer

Gewinner: Dieter Greysinger / Verlierer: Andreas Scheuer

Gewinner

Es gibt sie noch – die stillen und manchmal, wenn ihnen endgültig der Kragen platzt, nicht mehr ganz so stillen Helden in der Wirklichkeit: Dieter Greysinger (54, SPD) ist einer von ihnen. Nach der Wende kam der Franke ins mittelsächsische Hainichen (8.600 Einwohner), um für die Barmer-Krankenkasse eine Niederlassung zu eröffnen. Er blieb bis heute. 2018 wurde Greysinger mit 75,9 Prozent für weitere sieben Jahre als Bürgermeister bestätigt. Seit 15 Jahren ist er jetzt das Oberhaupt der Gemeinde unweit von Chemnitz. Und, so viel kann man sagen, er ist der richtige Mann zur richtigen Zeit am richtigen Ort: Ein abgelehnter Asylbewerber, Marokkaner, 30 Jahre alt, überfiel in Hainichen eine junge Frau, wurde geschnappt – doch der Staatsanwalt ließ ihn (alles wie gehabt) wieder laufen. Dieter Greysinger reagierte zunächst, wie jeder normal denkende Mensch in einer solchen Situation reagiert, fassungslos – einfach nur fassungslos. Dann beschloss der SPD-Kommunalpolitiker, seine Sprachlosigkeit zu überwinden. Greysinger machte Druck auf höherer Ebene – bis ins sächsische Innenministerium. Und siehe da, mit Erfolg: Es dauerte keine zwei Tage, bis der Merkel-Gast erneut festgenommen wurde und wieder in Untersuchungshaft saß. Ein Bürgermeister im wahrsten Sinne des Wortes: nämlich ein Meister der Bürger!

Verlierer

Als »Problembär« werden wild lebende Bären bezeichnet, die unerwünschte Verhaltensmuster aufweisen. Problembären richten durch ihr Verhalten oft erhebliche Schäden an. In Bayern werden sie in der Regel zum Abschuss freigegeben. Auch Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (45, CSU) wird immer mehr zu einem Problembären. Einen Untersuchungsausschuss zur Pkw-Maut hat er schon an der Backe. Jetzt kritisiert auch der Bundesrechnungshof den (Noch-) Verkehrsminister scharf. Sein Ministerium habe im Zusammenhang mit der Pkw-Maut gegen Vergabe- und Haushaltsrecht verstoßen, rügen die Bonner Rechnungsprüfer. Verhandlungen mit Bieterfirmen seien ohne Zustimmung des Bundestages »unzulässig« gewesen, das Parlament sei übergangen worden. Die Opposition fordert den Rücktritt des Ministers. Und auch in der eigenen Fraktion scheint sich keine Hand mehr für Scheuer zu rühren. Allenfalls noch eine für den »Abschuss«. Am 15. März sind nämlich Kommunalwahlen in Bayern. Die sind im Freistaat fast noch wichtiger als die Landtagswahl – geht es doch ganz konkret um die Pfründe der CSU-Amigos vor Ort.

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