Gewinner & Verlierer

Gewinner: Boris Johnson (55) / Verlierer: Jeremy Corbyn (70)

Gewinner:

Nach diesem Erdrutschsieg ist Boris Johnson (55) der ungekrönte König von Großbritannien. Der alte und neue britische Premierminister verfügt über Eigenschaften, die deutschen Altparteien-Politikern und ihren Schleppenträgern in den Medien fremd sind: ein hohes Maß an Bildung, eine wache Intelligenz, beides gepaart mit einer kräftigen Portion an Humor und Selbstironie. Johnson besuchte die Eliteschule Eton und studierte an der ehrwürdigen Universität Oxford klassische Sprachen. Darüber hinaus ist er als Buchautor bekannt; zuletzt veröffentlichte er eine Biografie über sein Idol Winston Churchill, auch einen Roman über einen – gescheiterten – islamistischen Anschlag auf einen US-Präsidenten hat er unter dem Titel »Zweiundsiebzig Jungfrauen« verfasst. Politiker, die wissenschaftliche und literarische Werke schreiben – das hat man hierzulande schon länger nicht mehr gesehen. Lassen wir einmal den grünen Kinderbuchautor Robert Habeck beiseite, reicht es bei den meisten allenfalls zur plagiierten Dissertation. Congratulations, Mr. Johnson!

Verlierer:

Mit dem Anspruch, Befürworter wie Gegner des Brexits gleichermaßen zufriedenstellen zu wollen, ist Labour krachend gescheitert. Parteichef Jeremy Corbyn (70) blieb nur noch der Rückzug. Die Suche nach einem Schuldigen begann schon kurz nach Bekanntgabe der ersten Hochrechnungen. Corbyn habe den Sieg verspielt, weil er zu unbeliebt sei, hieß es in den Kommentaren. Der Labour-Chef, ein notorischer Antisemit, war tatsächlich nie ein charismatischer Politiker. Ihm haften – und zwar alle gleichzeitig – Eigenschaften an wie zu extrem, zu zahm, zu autoritär, zu wenig durchsetzungsfähig, zu lächerlich, zu gefährlich. Corbyn war im Wahlkampf eine Reizfigur, an der sich Premier Boris Johnson genüsslich abarbeiten konnte. Das Brexit-Geeiere des Labour-Chefs blieb genauso unscharf, wie sein propalästinensischer Kurs heftig umstritten ist. Im Gegensatz zur Wahl 2017 konnte Corbyn auch nicht mehr als Außenseiter punkten. Der Mann ist kein Verlust.

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