Goldstück-Variationen: Reaktionäres vom Tage

Acta Diurna 2018

Autor: Michael Klonovsky

Wie die Geschichte ausgeht, weiß zum Glück keiner. Ob etwa in 30 Jahren – das ist die gefühlt kurze Ewigkeit, die uns 2019 vom Mauerfall trennt – ein hiesiger Globalbürger das vorliegende Buch aus dem Giftschrank ziehen und mit wohligem Schaudern ausrufen wird: »Bei Allah! Diese Chronik eines angekündigten Volkstodes hätte, wäre sie damals nicht öffentlich verbrannt worden, die kollektive Unterwerfung unter die Scharia-Regeln fast noch zu verhindern gewusst!«

Oder ob dann das Buch, wie alle »Acta-Diurna«-Bände Michael Klonovskys, an deutschen (oder jedenfalls sächsischen) Gymnasien als Widerstandslektüre erster Wahl, als kanonische Erbauungsliteratur, die die Jugendlichen immer noch mitreißt, einen Standard-Abiturstoff abgibt.

Und es ist deshalb gut, das Ende der Geschichte nicht zu kennen, weil die Lektüre uns Heutige noch etwas kostet, nämlich authentische, nicht konsensuell-formelhafte Gefühle. Weil wir von den Unsäglichkeiten aus unserem Lande, die Klonovsky auf seine ureigene spöttisch-zupackende Weise kommentiert, betroffen sind, weil wir bangen, hoffen, schwarz oder rot sehen, lachen müssen, skeptisch oder wild werden.

Diese wirkliche Diversität der Gefühle ist es, die wir allen »Goldstück«-Propagandisten à la Martin Schulz voraus haben. An diese wird sich in 30 Jahren keiner mehr erinnern, wir uns an die »Acta«-Lektüre sehr wohl.

Verlag: manuscriptum
Erscheinungsdatum: 21. Juni 2019
Preis: 26,80 EUR
Sprache: Deutsch
Umfang: 608 Seiten
ISBN-10: 3944872932
ISBN-13: 978-3944872933

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