Gretas Bahnfahrt soll nur ablenken

Die spitze Feder aus Sachsen

Johannes Schüller

Erneut hat es Greta Thunberg mit wenig Mühe in die Medien geschafft. Mit einer unkomfortablen, also alltäglichen Bahnfahrt quer durch Deutschland sorgte die vom Mainstream protegierte Klima-Aktivistin für Aufsehen. Auslöser für diese Debatte war ein hochprofessionell arrangiertes und unter anderem auf Thunbergs ›Twitter‹-Account veröffentlichtes Foto. Was in der Debatte völlig außen vor blieb: Das Foto wirkt beinahe überinszeniert ikonographisch, als gelte es eine der irdischen Welt entrückte Heilige ins rechte Licht zu rücken! So sitzt Thunberg neben einem Berg vollen Gepäcks und einem übergroßen Rucksack. Sollte all dies ihr gehören, konnte die 16-Jährige, am Asperger-Syndrom leidende Klima-Heldin die üppige Bagage wohl nur mit mehreren Begleitern von der Klimakonferenz in Madrid in ihre schwedische Heimat transportieren.

Inszeniert wie eine Märtyrerin

Zugleich kauert Thunberg beinahe im ICE auf dem Boden, sehnsüchtig blickt sie in eine unbekannte Landschaft, während ein Lichtstrahl ihr Antlitz erleuchtet. Welch Glück, dass sie – wie jetzt öffentlich wurde – wenigstens einen nicht unbedeutenden Teil der Strecke auf einem Sitzplatz in der 1. Klasse zurücklegen konnte. Ein ähnliches Martyrium erlitt offenbar auch Grünen-Boss Robert Habeck im Zug. So legt es uns zumindest ein Pressefoto der Grünen nahe, dass den laut Mainstream-Medien sich als bekennenden »Zugfan« verstehenden Habeck bei einer Bahnfahrt auf dem Boden sitzend darstellt (https://www.gruene.de/aktionen/roberts-blog ). Wie gern leidet man doch, wenn nur das Weltklima gerettet werden kann!

Quelle: twitter.com/GretaThunberg

Auch Thunbergs PR-Team gelang es so auf denkbar einfache Weise, erneut die öffentliche Aufmerksamkeit auf die 16-Jährige »Klimaaktivistin« zu lenken. Da geriet doch gleich in den Hintergrund, dass »Klima-Greta« noch am Freitag gefordert hatte, verantwortungslos agierende Politiker sinnbildlich »an die Wand zu stellen«. Für die Wortwahl entschuldigte sich Thunberg später, es habe sich um ein sprachliches Missverständnis gehandelt.

Linke und Rechte lassen sich ablenken

Viel bemerkenswerter erscheinen aber jene Ereignisse, die angesichts der Begebenheiten um Thunbergs Heimreise in den Hintergrund gerückt waren. So kündigte die frischgebackene EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen (CDU) bereits vor einigen Tagen einen »Pakt für Migration und Asyl« an, der unter anderem neue Regelungen für Umsiedlungsprogramme und Asylanten-Verteilungen in der EU beinhalten könnte.

In Hamburg attackierten Linksradikale am Freitag indes das Auto des Hamburger Innensenators Andy Grote (SPD), während dessen zweijähriger Sohn im Auto saß – eine besonders niederträchtige Form linker Gewalt. Doch all dies wurde angesichts Greta Thunbergs abenteuerlicher Bahnfahrt am Sonntag endgültig nebensächlich. Die Bahnfahrt eines 16-jährigen Mädchens, deren Krankheit im Sinne einer perfiden PR-Maschinerie ausgenutzt wird, lässt Deutschland links wie rechts in höchster Ernsthaftigkeit diskutieren. Auch das sagt viel über den geistigen Zustand dieser Öffentlichkeit aus.

Johannes Schüller

ist Journalist und Publizist. Er baute zuletzt als Online-Chefredakteur die Netzausgabe der österreichischen Zeitung ›Wochenblick‹ auf. Nach einem längeren Aufenthalt in Österreich lebt er nun wieder in seiner sächsischen Heimat.

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